Stop Over Boston: „Die Stadt sprudelt über vor Kreativität.“
Es gibt so viel, was Oliver Mak an seiner Heimatstadt Boston bewundert: die historischen Backsteinbauten und die Baseball-Begeisterung, das Streetwear-Shopping und die Streetart-Szene. Entdecken Sie eine Stadt, die so vielseitig ist wie die zahllosen Projekte des Kreativunternehmers
Oliver Mak spaziert liebend gern einfach so durch seine Heimatstadt Boston. Was er daran besonders mag? Überall verschiedene, wie er es ausdrückt, „Stil-Vignetten“ zu entdecken. „Boston ist eine der ältesten Städte der USA“, sagt Mak. „Im Vergleich zum Rest der Welt ist das zwar immer noch jung, aber die Stadt hat eine lange Geschichte, die sich in der Architektur und in der Energie der einzelnen Viertel widerspiegelt.“
Bostons Sporttempel Fenway Park
In Beacon Hill und Downtown sind das etwa die historischen Backsteingebäude im Federal Style, in Fenway gefällt Mak das Verb Hotel mit seinem 60er-Jahre-Flair und dem japanischen Izakaya-Restaurant Hojoko im Erdgeschoss – und generell das Aufeinandertreffen von Alt und Neu im Viertel. „Dort findet man Bauten aus der Jahrhundertwende, moderne Hochhäuser und das Baseball-Stadion Fenway Park, wo die Boston Red Sox spielen – alles nah beieinander.“
An diesem Punkt wird Mak ein bisschen philosophisch. „Boston ist eine so sportbegeisterte Stadt“, sagt er. „Und kein Sport ist amerikanischer als Baseball. Im Grunde geht es um einen gegen viele, um unseren Individualismus. Und letztendlich um das Ziel, nach Hause zu kommen. Homerun.“
Was Mak beruflich macht, lässt sich gar nicht so leicht auf den Punkt bringen. Kreativunternehmer trifft es wohl am besten. „Ich komme aus der Bostoner Musikszene der frühen 90er“, sagt er. „Da gab es den DIY-Grundsatz: Wenn es etwas nicht gibt, ein Label oder einen Radiosender, dann mach es einfach selbst.“ Was Mak in Boston auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen: Er war und ist als DJ aktiv, hat Events für das Magazin FADER organisiert, verfolgt heute mit Central On Air ein Radioprojekt und veranstaltet die jährliche Boston Art Book Fair, eine Kunstbuchmesse, für die er mit Verlagen, Museen und Universitäten aus aller Welt zusammenarbeitet.
Bodega: von Boston in die Welt
Maks wahrer „claim to fame“ ist allerdings Bodega, ein Sneaker- und Streetwear-Store, den er zusammen mit Partnern 2006 gegründet hat. Die Boutique in Boston sah von außen tatsächlich wie eine unscheinbare Bodega aus, die für die US-Ostküstenmetropolen typischen Nachbarschaftsläden. Die exzellent kuratierte Mode machte den Store weltberühmt.
Das könnte Sie auch interessieren
Was ebenfalls eine Rolle spielte: Die örtlichen Eliteuniversitäten wie Harvard oder das MIT zogen schon immer Studierende aus allen Ecken der Welt an – und die erzählten ihren Freund:innen zu Hause von dem genialen kleinen Laden, ein Paradebeispiel für Mundpropaganda. „Wir haben etwas geschaffen, das zugänglich, ikonisch und relevant war. Und deshalb hat uns Bodega um die ganze Welt geführt“, sagt Mak. Zur Designwoche nach Mailand etwa und zur Fashion Week nach Paris, nach Los Angeles, wo es mittlerweile eine Bodega-Filiale gibt, und nach Tokio, wo 2013/14 ein Pop-up-Store japanische Streetwear-Enthusiast:innen begeisterte.
Wo man Bostons beste Vintage-Läden findet
„Ich liebe es, nach Dingen zu suchen, die einzigartig sind und sich nicht massenhaft reproduzieren lassen“, sagt Mak. Deshalb geht er gern in Vintage-Läden auf Schatzsuche. Zu seinen Favoriten zählt der Secondhand-Laden Found am Central Square in Cambridge, aber auch im Flagship-Store des Streetwear-Retailers CNCPTS in der Newbury Street stöbert Mak gern nach coolen Teilen.
Bei aller Weltläufigkeit wirken Maks kulinarische Boston-Tipps recht bodenständig – und sehr amerikanisch: Donuts, Bagels, Pizza. Von vermeintlich einfachen Dingen die besten zu finden, das ist dennoch eine Kunst. „Blackbird Doughnuts ist großartig“, sagt er. „Ebenso Union Square Donuts in Somerville.“ Der Bagel mit Honig-Frischkäse, den es bei Bagelsaurus gibt, sei unglaublich und den Weg auf jeden Fall wert. Die beste Pizza der Stadt, vielleicht sogar der gesamten Ostküste, gebe es bei Santarpio’s in East Boston.
„Für ein großartiges Dinner empfehle ich Row 34“, sagt Mak. In dem Restaurant, das insbesondere für seine Gerichte mit Meeresfrüchten berühmt ist, würden vor allem die Mitarbeiter:innen und Gäste der benachbarten Tech-Unternehmen in Seaport Essen gehen. „Man munkelt, dass es dort auch ab und zu das Bier Heady Topper aus Vermont gibt, eine Spezialität, die man fast nirgends bekommt“, sagt Mak. „Am besten einfach danach fragen.“
Eine Stadt im Wandel
Mak lebt seit rund 30 Jahren in Boston und konnte beobachten, wie sehr sich die Stadt verändert hat und sich wandelt. „Was gerade um den Central Square in Cambridge passiert, finde ich besonders beeindruckend“, sagt Mak. „Die Kreativität sprudelt dort förmlich über, es gibt viele Kunstgalerien und eine Graffiti-Wand, an der sich alle austoben dürfen. Und auch die von mir gegründete Community-Radiostation Central On Air befindet sich dort.“ All das erinnert ihn an die Zeit, als er in die Stadt gezogen ist. „Als alle etwas erschaffen wollten, egal, welchen Hintergrund sie hatten.“
Eine der spannendsten Galerien der Gegend heißt Street Theory Collective. „Dahinter stecken zwei der produktivsten Streetart-Künstler des Landes“, sagt Mak. „Rob Gibbs, den ich als Mentor betrachte, und Marka27.“ Zwischen Streetart und Streetwear, mit der er bekannt wurde, sieht Mak eine Verbindung, die über die semantische Ähnlichkeit hinausgeht. „Beides sind globale Bewegungen, ein riesiges Netzwerk, verbunden durch gemeinsame Interessen“, sagt er. „Menschen, die tief in die Subkultur eintauchen, ihre eigene Vision entwickeln und diese ausdrücken möchten, gibt es überall.“ Einer von ihnen ist Oliver Mak aus Boston.
Fotos: Heather McGrath; Producer: Nicola van der Mee
Zur Person
Unternehmer, DJ, Designer, Streetwear-Aficionado und Mitgründer des Kult-Stores Bodega sowie der Kunstbuchmesse Boston Art Book Fair und des Radiosenders Central On Air – Oliver Mak als umtriebig zu bezeichnen, wäre eine ziemliche Untertreibung. Mit seinen zahlreichen Interessen und Projekten bereichert er Bostons Kreativszene – und gibt der Stadt, in der er seit rund drei Jahrzehnten lebt, etwas zurück.