Porträt von Maya Nasr mit lockigem Haar und in einem schwarzen Hosenanzug, die in einem sonnigen Park vor einem klassizistischen Gebäude steht

What I’ve Learned in Boston: Meine Erfahrungen

2014 kam Maya Nasr aus dem Libanon nach Boston, eigentlich nur, um ihren Bachelor zu machen. Inzwischen ist die Stadt zu einer zweiten Heimat für sie geworden. Was die Wissenschaftlerin an Boston besonders zu mögen gelernt hat? Vor allem die Diversität und intellektuelle Neugier

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5 Min. Lesezeit
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Das Neue: Boston, ein studentischer Schmelztiegel

Bevor ich nach Boston kam, war ich noch nie im Ausland. Als ich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ankam, war ich also entsprechend nervös. Das änderte sich schnell, nachdem ich feststellte, dass hier Menschen aus aller Welt zum Studieren herkommen. Für mich macht genau das den besonderen Charme dieser Stadt aus – sie wirkt wie ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Ideen. Es ist ganz normal, dass man in einem einzigen Café mehrere Sprachen hört, und die Gespräche wechseln mühelos von Wissenschaft über Kunst zu Politik.

Das Besondere: Boston, ein Ballungszentrum der Bildung

Boston ist eine Stadt, in der Geschichte und Innovation mühelos nebeneinander existieren. Für mich als Wissenschaftlerin ist es etwas ganz Besonderes, dass hier so viele renommierte Forschungsinstitute und Universitäten auf engstem Raum zu finden sind. Von Harvard über das MIT und das Berklee College of Music bis zum Frauen-College Wellesley. Ich finde auch, dass diese Einrichtungen das tägliche Leben der Stadt sehr prägen. So kann man morgens eine öffentliche Vorlesung in Harvard besuchen, am selben Tag an einer Podiumsdiskussion am MIT teilnehmen und dann auf dem Weg ins Café jemanden Berühmtes treffen, eine Nobelpreisträgerin oder einen renommierten Professor.

Ein vollbesetztes Baseballstadion bei Nacht mit jubelnden Fans im Vordergrund
Boston ist Baseball-Stadt: Die Red Sox werden hier kultisch verehrt (© Mauritius/Alamy; Header-Bild © Hannah Reyes Morales/The New York Times/Redux/Laif)
Eine Uferpromenade mit herbstlichen Bäumen und Blick auf eine Stadt-Skyline bei Sonnenuntergang
Indian Summer: Im September und Oktober, wenn das Laub sich verfärbt, ist Boston besonders schön (© Shutterstock)
Eine Straßenszene mit historischen Backsteingebäuden und einem Straßenschild für „Lombard Pl Way“
Typisch für Boston: die Gebäude aus rotem Backstein (© Getty Images)
„In Boston prägen die Jahreszeiten dein Leben, die Unterschiede im Wetter sind extrem. Das finde ich absolut inspirierend.“
Maya Nasr

Die Menschen: offen und verrückt nach Sport

Die Einwohner:innen von Boston sind sehr stolz auf ihre Stadt und auf deren Geschichte, die ja sehr wichtig für die Entstehung und Entwicklung der USA ist. Man hat mich hier mit offenen Armen aufgenommen, und das, obwohl ich vorher wirklich niemanden kannte. Sehr auffällig ist die Leidenschaft, die die Menschen hier für Sport haben. Wo sie auch sind, diskutieren sie über ihre Sportteams, vor allem natürlich über die legendäre Baseball-Mannschaft Red Sox, aber auch über die Footballer von den New England Patriots, die es 2025 ins Super-Bowl-Finale schafften. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich mehr für Fußball begeistern kann. Das sage ich in Boston aber nicht allzu laut.

Die Inspiration: Boston im Wandel der Jahreszeiten

In Boston prägen die Jahreszeiten dein Leben, die Unterschiede im Wetter sind extrem. Das finde ich absolut inspirierend. Für die eisigen Winter musst du vorher eine gewisse Widerstandsfähigkeit aufbauen, und das machst du in den herrlichen warmen Sommern. Meine Lieblingsjahreszeit aber ist der Herbst, wenn sich im September und Oktober das Laub verfärbt und Boston zu glühen scheint.

Für Freund:innen: Wasser, wohin man sieht, Geschichte und italienische Leckereien

Boston liegt am Meer und ist auch sonst sehr vom Wasser geprägt. Der Mystic River durchschneidet die Stadt ebenso wie weiter südlich der Charles River, an dem das MIT liegt. Gegenüber lockt mich die Charles River Esplanade, ein Ort, der sehr wichtig für mich ist und den ich mit Freund:innen immer wieder besuche. Hier kann man je nach Laune Sport treiben, spazieren gehen oder einfach an einem der Pontons aufs Wasser schauen. Für mich ist dieser Ort eine wunderschöne Konstante in einer sich ständig verändernden Welt. Boston sollte man sich zu Fuß erobern, und natürlich gehört der berühmte Freedom Trail, auf dem man an Orten vorbeikommt, die für die amerikanische Geschichte essenziell sind, zum Pflichtprogramm dazu. Zum Essen gehen wir dann ins North End, einer sehr von italienischen Einwander:innen geprägten Gegend. Deshalb sind dort einige der besten Italiener der Stadt zu finden. La Famiglia Giorgio’s gehört zu meinen Favoriten, das Essen hier ist von der römischen Küche inspiriert, und die Portionen sind üppig. Boston ist übrigens nicht nur für Seafood-Klassiker wie Clam Chowder oder Lobster Roll bekannt, sondern auch für den italienischen Dolce-Klassiker Cannoli. Die besten gibt es meiner Meinung nach bei Bova’s Bakery.

Zur Person

Maya Nasr ist 2014 nach Boston gekommen, um am MIT Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren. Inzwischen hat sie promoviert und forscht an der Harvard University zu Satellitendaten für Methanemissionen. Zuvor arbeitete Nasr an der Planung und Durchführung der NASA-Mission „Mars 2020 Perseverance Rover“. 

Boston entdecken – weitere Tipps aus der Lufthansa Redaktion

  1. Wissenschaft zum Anfassen im Museum of Science: Wenn Sie sich für Forschung und Innovation interessieren, lohnt sich ein Besuch im Museum of Science am Charles River. Es bietet interaktive Ausstellungen zu Themen wie Raumfahrt, Technologie oder Umwelt und macht viele komplexe wissenschaftliche Themen anschaulich erlebbar. 
  2. Nach Büchern stöbern im historischen Viertel Beacon Hill: Für einen ruhigen Spaziergang empfiehlt sich das Viertel Beacon Hill mit seinen schmalen Backsteinstraßen und historischen Häusern. Besonders charmant ist ein Besuch der Buchhandlung Beacon Hill Books & Café, in der sich Literatur, Architektur und Café-Kultur auf besonders gemütliche Weise verbinden. 
  3. Inseln vor der Küste entdecken: Wenn Sie etwas mehr Zeit haben, lohnt sich ein Ausflug auf die Boston Harbor Islands. Mit der Fähre erreichen Sie mehrere Inseln mit Wanderwegen, historischen Festungsanlagen und schönen Ausblicken auf die Skyline von Boston – ein schöner Kontrast zur schnelllebigen Stadt.

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