„Uniformen sind weit mehr als Mode“
Uniformen sind in erster Linie Arbeitskleidung – sie spiegeln aber auch den Zeitgeist wider und erzählen ein Stück Luftfahrtgeschichte. Im 100-jährigen Jubiläumsjahr von Lufthansa schreibt die siebte Uniformgeneration diese Tradition fort. Grund genug, einen Blick zurückzuwerfen in die Geschichte der Arbeitskleidung der Lufthansa Flugbegleiter:innen
Von Anfang an tragen Flugbegleiter:innen Uniformen. Stewardessen und Stewards, wie sie noch bis in die Neunzigerjahre hinein hießen, wurden schnell zu Stilikonen und zum Inbegriff kosmopolitischer Eleganz. „Aber Uniformen sind weit mehr als Mode, sie sind Arbeitskleidung, sie reflektieren gesellschaftliche Leitbilder und müssen die Markenwerte des Unternehmens widerspiegeln“, erklärt Anna-Christina Sauer, die sich bei Lufthansa um das Thema Uniform-Management kümmert.
Die drei Konstanten der Lufthansa Uniform
Drei Konstanten gebe es seit dem Lufthansa Neustart 1955, so Sauer: „Zum einen die Farbe Dunkelblau, die Farbe, die Reisende ohnehin mit der Airline assoziieren und die am Boden und an Bord Sicherheit vermittelt.“ Dazu käme die Farbe Gelb als Markensignatur. Die dritte Konstante besteht in einer Kopfbedeckung – über die Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Formen. „Seit 2002 ist die Pillbox aktuell“, erklärt Sauer. „Sie muss nicht getragen werden, zeigt aber den zeitlosen Chic der Lufthansa Uniform.“
Seit 2002 stammen die Designs von Strenesse. Das Modelabel setzt auf eine Art Retro-Futurismus: dynamisch, freundlich, elegant. Die Uniformen und Accessoires wurden von der legendären Gründerin und Chefdesignerin Gabriele Strehle entworfen. „Es ist die sechste Uniform-Generation seit 1955“, erklärt Patrizia Hey aus der Lufthansa Airlines Kommunikation. Sie kennt sich aus mit der Geschichte von Lufthansa, hat jahrelang im Archiv der Airline gearbeitet. Sie verrät auch, dass in naher Zukunft schon eine siebte Generation an den Start gehen wird.
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In der Frühzeit von Lufthansa arbeitete ausschließlich ein Mann an Bord der Flugzeuge. Erst 1938 übernahmen weitere Flugbegleiter:innen die Betreuung der Passagiere, darunter auch Damen. Was sie dabei trugen, sollte praktisch und dennoch elegant sein: Die Uniform, die während des Flugs zum Einsatz kam, bestand aus einem dunkelblauen Rock, einer weißen Bluse, zu der ein dunkler Schlips oder eine Schleife kombiniert wurde, und aus einer hellen Leinenjacke mit goldenen Knöpfen. Ebenfalls in Gold prangte das Lufthansa Emblem mit dem Kranich stolz auf der dunkelblauen Kappe.
Für die ersten Uniformen nach dem Lufthansa Neustart 1955 war Uli Richter verantwortlich. Bei seinen Entwürfen setzte der Berliner Couturier nicht auf Strenge, beeinflusst von der seit Ende der Vierzigerjahre stilprägenden Mode des Pariser Giganten Christian Dior: Ein marineblaues Kostüm wurde durch eine weiße Bluse und ein Jockey-Käppchen ergänzt. Als Alternative für heiße Sommertage kam das petrolblaue „Tropenkostüm“ zum Einsatz: ein hellblaues Kleid mit gleichfarbiger Kappe.
Zehn Jahre später war eine Frau an der Reihe, Kleidung für die damals etwa 700 Stewardessen und Stewards zu entwerfen – und sie wusste genau, worauf es bei einer Uniform ankam: Denn Ursula Tautz war die ehemalige Chefstewardess, die Lufthansa schon seit einigen Jahren modisch beraten hatte. Ihre Designs legten Wert auf den perfekten Mix zwischen formaler Korrektheit und lässiger Eleganz.
1970 schlug dann die Stunde von Werner Machnik, einem weiteren Berliner, der zu Beginn seiner Karriere als jüngster Couturier der Stadt galt. Machnik dynamisierte die Lufthansa Uniform. Neun Jahre lang trugen die Flugbegleiter:innen seine Entwürfe: Die kurzen Kostüme – der Mini war, wenn auch für Flugbegleiterinnen nicht gerade praktisch, so dennoch immer noch en vogue – kombinierte er mit Schnitten, die durch ihren geometrischen Aufbau an den französischen Designer André Courrèges erinnerten. Der größte Hingucker aus dieser Zeit war ein grellgelbes Cape mit blauem Innenfutter.
Mit dem Ende der Siebzigerjahre wurde es deutlich konservativer. Zugleich gab es ab 1979 erstmals für Flugbegleiterinnen auch die Möglichkeit, alternativ zu einer Hose zu greifen. Noch ein paar Zahlen aus dieser Zeit: 33 Teile umfasste die Grundausstattung. Für Mäntel, Jacken, Röcke und Hosen wurden rund 33.000 Meter dunkelblauer Stoff verarbeitet, dazu kamen 9.000 Meter Stoff für die Servicekleider, 45.000 Meter für die Blusen und 3.000 Meter für Schals.
Ab 1987 verstärkte sich der Fokus auf Accessoires wie den Neckslip, ein krawattenähnliches Halstuch, und auch Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter durften Rangabzeichen tragen. „Accessoires wie Flugspange, Einstecktuch, Tücher und Krawatten dienen der Wiedererkennbarkeit“, erklärt Sauer. „Und sie erlauben einen etwas spielerischeren Umgang mit der Uniform.“ Schuhe gehören nicht zur Grundausstattung der Lufthansa, wie Sauer erklärt. Und sie ergänzt: „Freizeitschuhe sind nicht gestattet, zur Uniform werden klassische Schuhe aus schwarzem oder dunkelblauem Glattleder getragen, die den Business-Look unterstreichen.“
Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für Lufthansa
Bei aller Vielfalt an Farben und Schnitten über die Jahrzehnte komme es am Ende aber immer auch auf Funktionalität an, betont Anna-Christina Sauer: „Wir haben sehr komplexe Anforderungen an unsere Stoffe, vor allem, was die Themen Performance, Bewegungsfreiheit und Langlebigkeit angeht. Also: Wie kann ich mich damit an Bord bewegen? Kann ich mich strecken? Komme ich gut an die Gepäckfächer heran?“
Für Lufthansa ist in den letzten Jahrzehnten ein Thema immer wichtiger geworden: die Nachhaltigkeit. Und das gelte natürlich auch für die Uniformen, versichert Sauer. Alle verwendeten Stoffe entsprächen dem OEKO-TEX Standard 100, auch auf Nachhaltigkeitszertifikate werde allergrößter Wert gelegt. „Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen. Und wir haben einige Projekte in der Pipeline, die uns noch besser machen werden.“
Zeitlose Eleganz: die neuen Lufthansa Uniformen von BOSS
Im Jahr des 100-jährigen Gründungsjubiläums hat Lufthansa ihren Mitarbeiter:innen in der Luft und am Boden ihre neuen Uniformen vorgestellt. Wieder arbeitet Lufthansa mit einem führenden deutschen Modelabel zusammen: BOSS, wie Lufthansa eine heimische Marke von globaler Strahlkraft, hat die Outfits entworfen, die einer klaren, durchdachten Designsprache folgen.
Die neue Uniform macht die Marke Lufthansa sichtbar – als Ausdruck von Qualität, Präzision und zeitloser Eleganz – und verbindet unsere Geschichte mit dem Anspruch an die Zukunft.
Die markentypischen Codes wurden in eine zeitgemäße, modulare Uniform übersetzt. „Bewährtes bleibt, Neues kommt – Herkunft und Zukunft in einem Auftritt“, fasst Alida Seiler aus dem Brand & Design Management den Designansatz unter dem Leitbild „Timeless Elegance“ zusammen.
Ein besonderes Highlight ist das Cape als moderne Hommage an frühere Uniformen. Accessoires setzen gezielte Akzente in Lufthansa Gelb und prägen den Gesamtauftritt.
Neben Stil und Funktionalität überzeugt das Konzept durch seine Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit: Bestehende und neue Uniformteile lassen sich flexibel kombinieren und ermöglichen so einen fließenden Übergang. Auf diese Weise können alle neuen Teile nach und nach bestandsorientiert eingeführt werden.
Die neue Uniform, so CEO Jens Ritter, sei „ein Versprechen an unsere Gäste weltweit“. Sie stehe für „Qualität, Verlässlichkeit und den unverwechselbaren Stil, den unsere Passagier:innen auf jeder Reise mit Lufthansa erleben.“
Wer ab dem kommenden Jahr mit Lufthansa fliegt, darf gern mal genauer hinschauen: Nach und nach wird es neue Kleidungsstücke und Accessoires zu entdecken geben.