Traditionelle Lehmarchitektur im Al-Murabba-Palast in Riad, Saudi-Arabien, mit hohen sandfarbenen Wänden und kunstvollen geometrischen Mustern

Picture Perfect Riad: „Die Stadt hat mich gelehrt, genauer hinzusehen.“

Die Fotografin Huda Al‑Neb zog für Lufthansa Insights mit ihrer Kamera durch Riad – an Orte, die für sie von Bedeutung sind. Begleiten Sie uns auf einem Streifzug durch Saudi-Arabiens Hauptstadt und erleben Sie Riad durch Al-Nebs Linse 

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Riads Rhythmus lässt sich schwer in Worte fassen – diese einzigartige Mischung aus Hitze, Licht und Ehrgeiz. Hier wartet man nicht darauf, dass sich etwas ändert, man packt an. Ich bin hier aufgewachsen und konnte beobachten, wie die Skyline der Stadt sich veränderte, Turm für Turm, immer höher. Was ich nicht bemerkte: wie sehr ich mich mit ihr veränderte. Nach Jahren im Ausland sehe ich Riad nicht nur als meine Heimatstadt, sondern auch als Ort des Wandels, an dem Erinnerungen und Modernität verschmelzen.

Al Masmak: befestigte Wiege Saudi-Arabiens

Mit der Festung Al Masmak, die 1865 erbaut wurde, begann die Geschichte des modernen Saudi-Arabiens. Hier eroberte der spätere König Abdulaziz 1902 Riad zurück – und einte das Königreich. Hier begann auch meine eigene Geschichte. Auf dem Platz außerhalb der Festungsmauern habe ich das Laufen gelernt – hinfallen, wieder aufstehen und es von Neuem versuchen. Wenn ich vor der Festung stehe, sehe ich mehr als Geschichte. Ich sehe eine Stadt, die sich selbst immer wieder neu erfunden hat. Genau wie ich.

Al Faisaliyah: Riads leuchtender Turm in guter Gesellschaft

Der Al-Faisaliyah-Turm war schon immer mein Kompass. Als Kind schaute ich zu der leuchtenden Kugel hoch und dachte, dass dort oben der Erfolg zu Hause sein muss. Damals ragte das Hochhaus noch weitgehend allein in die Höhe. Mittlerweile haben sich weitere ikonische Gebäude hinzugesellt: der Kingdom Tower, die Wolkenkratzer des King Abdullah Financial District und das Stadtentwicklungsprojekt Diriyah.

Riad sieht nicht mehr aus wie die Stadt, die ich kannte, sondern wie die Stadt, die sie immer werden wollte. Manchmal fahre ich nachts an der Faisaliyah vorbei, nur um den Atem der Skyline zu spüren. Jedes Licht schlägt wie ein Herz, ein steter Hinweis darauf, dass Fortschritt hier nicht leise passiert – er wird gelebt, gesehen und miteinander geteilt. Alle hier spüren die Notwendigkeit, mit der Stadt zu wachsen.

Sitzender Mann in traditioneller Kleidung auf Flohmarkt in Riad vor Wandteppichen mit Kaaba-Motiv und Stoffen
Der Souq Al Zal ist ein belebter Markt – auf dem Al‑Neb aber auch Momente der Ruhe einfängt
Viele kleine goldene Tierfiguren aus Metall auf Flohmarkt in Riad, darunter Nashörner, Löwen und Schildkröten
Ein Kunsthandwerker bietet an seinem Flohmarktstand wunderschön gearbeitete Tierfiguren an
Bunte Gebetsketten Masbaha Tesbih aus Perlen und Steinen mit Silberanhängern auf rotem Tuch auf einem Flohmarkt in Riad
Die Gebetsketten Masbaha gehören natürlich ebenfalls zum umfangreichen Angebot des Souq Al Zal

Souq Al Zal: Markt voller Wärme und Tradition

Der Markt Souq Al Zal zieht mich wegen der Geschichten an, die sich zwischen den Ständen verbergen: alte Zeitschriften, Schallplatten, Schmuckstücke, Fragmente aus dem Leben unbekannter Menschen. Der Markt ist nicht kuratiert oder inszeniert; er ist lebendig. Man hört Gelächter, Feilschen und das Stimmengewirr bei Versteigerungen. Hier treffen sich die Generationen: Die Alten lehren die Jungen, den Wert dessen zu erkennen, was Bestand hat. Mit seinem Lärm und seiner Wärme erinnert mich der Souq Al Zal daran, dass Tradition nicht hinter Glas ausgestellt, sondern gelebt, gesprochen und von Generation zu Generation weitergegeben werden sollte.

Murabba-Palast: Ort der Versöhnung

Am Murabba-Palast und in dessen Park fotografiere ich am liebsten. Seine Proportionen wirken menschlich, wohlüberlegt und anmutig. Ich liebe das Spiel des Sonnenlichts in seinen Korridoren und die Geometrie der Lehmziegel, die sowohl Stärke als auch Ruhe ausstrahlt. Die ehemalige Residenz von König Abdulaziz vermittelt eine intime Atmosphäre. Wenn ich dort mit meiner Kamera stehe, denke ich daran, wie sehr sich die Stadt verändert hat – und wie sehr ihr Kern, dieses Gleichgewicht zwischen Schlichtheit und Funktionalität, bis heute erhalten bleibt. Genau das war das Thema meiner ersten Fotografien, mein erster Versuch, Riad mit den Augen einer Künstlerin zu sehen. Jedes Mal, wenn ich zum Al Murabba zurückkehre, fühlt es sich wie eine Versöhnung an: zwischen der Version von mir, die einst weggegangen ist, und jener, die endlich gelernt hat, wirklich zu sehen.

Riads Teppichmärkte: verbindende Muster

Die Teppichmärkte sind einige der poetischsten Orte in Riad, ein Gemisch aus Farben, Handwerk und Gesprächen. In unserer Kultur sind Teppiche mehr als Dekoration; sie sind der Boden, auf dem man sich trifft, betet und Erfahrungen austauscht – ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Ein Gang über den Markt fühlt sich an wie eine Reise durch verschiedene Regionen. Saudische, türkische, afghanische, usbekische und indische Dessins koexistieren in Harmonie, wobei jedes Muster Spuren aus der Welt seines Schöpfers trägt. Zusammen bilden sie einen visuellen Dialog, Fäden, die Stämme, Geschichte und Heimat miteinander verbinden. Oft ertappe ich mich dabei, wie ich mit meinen Fingerspitzen die Webmuster nachzeichne und mich daran erinnere, dass Kunst, genau wie Erinnerung, am stärksten ist, wenn sie geteilt wird. Jedes Muster fühlt sich an wie eine Version der Stadt selbst: vielschichtig, geduldig, lebendig.

 

Riad: Stadt voller Kontraste

Ich erlebe Riad als Stadt voller Kontraste: alte Mauern neben Glastürmen, Stille neben Baulärm, die Vergangenheit mit der Zukunft verknüpft. Riad hat mich gelehrt, genauer hinzusehen und die Schönheit in der Beharrlichkeit zu finden. Jeder Ort, von der Festung Al Masmak über den Murabba-Palast bis zum Souq Al Zal, sagt mir dasselbe: Wachstum bedeutet nicht, das Vorangegangene auszulöschen, sondern es mit Anmut weiterzuführen.

Zur Person

Huda Al-Neb arbeitet als bildende Künstlerin und Fotografin, die zwischen Saudi-Arabien und Südkorea lebt. Bekannt wurde sie durch eine Fotoserie, die die traditionelle Najdi-Architektur dokumentiert – Lehmziegelbauten, die das Landschaftsbild Zentralarabiens prägen. Eines ihrer Werke, „Riyadh; Saturated“, wurde beim Kingdom Photography Award ausgezeichnet.

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