Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe von fünf Personen, die gemeinsam eine Geburtstagskarte über einem Kuchen halten

Ein Mädchen namens Lufthansa

Beim Start in Frankfurt waren 56 Passagier:innen an Bord, bei der Landung in New York 57: Barbara Herzog, Zweitname Lufthansa, war 1965 das erste Baby, das an Bord einer Lufthansa Maschine zur Welt kam. Dies ist ihre Geschichte

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Es ist der 23. Juli 1965. Wir befinden uns an Bord einer Lufthansa Boeing 707 auf dem Weg von Frankfurt nach New York. Helga Herzog, im achten Monat schwanger, freut sich, in wenigen Stunden am JFK Airport ihren Mann in die Arme schließen zu können. Vor einem Jahr ist sie mit ihm nach Connecticut ausgewandert und hat vor der Geburt ihres ersten Kindes noch einmal ihre Eltern in Pforzheim besucht.  

Doch dann wird Helga Herzog unruhig. Sie spürt, dass bei ihr die Wehen einsetzen, und wendet sich an das Kabinenpersonal. Damit hatte sie nicht gerechnet – nicht wissend, dass das Fliegen im 8. Monat eigentlich nicht mehr zu empfehlen ist, hatte sie den Flug angetreten.  

Ein ungewöhnlicher Flug mit besonderem Ausgang

Flugkapitän Alwin Meyer lässt kurzerhand die First Class in einen Kreißsaal umfunktionieren – gerade noch rechtzeitig, bevor die kleine Barbara um 18:47 Uhr Greenwich-Zeit zwischen Neufundland und Labrador in 12.000 Metern Höhe das Licht der Welt erblickt.   

„Es war easy“, erinnert sich Flugbegleiterin Ria Bermbach Jahre später in einem Zeitungsartikel an die Geburt. Gemeinsam mit der US-amerikanischen Krankenschwester Helene Rerat, die zufällig an Bord gewesen war, hatte sie dem Mädchen auf die Welt geholfen – assistiert von einem Arzt, der über Funk von einem Parallelflug München – USA aus Anweisungen gab. 

Schwarz-Weiß-Foto eines Lufthansa Piloten in Uniform, der lächelnd ein neugeborenes Baby in einer Tragetasche hält
Geburt an Bord: Flugkapitän Alwin Meyer und Mutter Helga Herzog mit der kleinen Barbara
Historisches Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe von Menschen im Freien; ein Mann hebt ein junges Mädchen freudig hoch
Happy Birthday: Zu ihrem 18. Geburtstag traf Barbara Herzog ihren Patenonkel Alwin Meyer in Köln wieder
Historisches Schwarz-Weiß-Foto von Lufthansa Piloten und Flugbegleiterinnen, die gemeinsam mit Passagier:innen am Check-in-Schalter stehen
Geburt geglückt: Alwin Meyer (Mitte) mit der Geburtscrew von Barbara Herzog (alle Bilder © Lufthansa Archiv)

Ein zweiter Vorname aus Dankbarkeit

30 Minuten dauerte die Geburt – danach lud Kapitän Alwin die Passagier:innen auf ein Glas Sekt ein – und als der frisch gebackene Vater kurz darauf am JFK Airport Frau und Tochter in die Arme schloss, beschloss er, dem Baby aus Dankbarkeit den Zweitnamen „Lufthansa“ zu geben.  

Barbaras außergewöhnliche Geburt über den Wolken sorgte für Schlagzeilen und geriet auch in den Jahren darauf nicht in Vergessenheit. Zu Barbaras 18. Geburtstag lud Lufthansa sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Köln ein und schenkte der angehenden Mathestudentin eine Reiseschreibmaschine. Doch nicht nur das: Die gesamte Geburts-Crew hieß Barbara mit einer Geburtstagstorte willkommen – und es gab ein Wiedersehen mit ihrem Patenonkel, Flugkapitän Alwin Meyer.  

Wiedersehen mit der Geburts-Crew 

„Ich hatte so Gelegenheit, das Land kennenzulernen, in dem meine Mutter geboren und aufgewachsen ist“, erinnerte sich Barbara Herzog später in einem Zeitungsartikel an das Ereignis. Auch in der Talkshow „Capito“ auf HR3 war ihr ungewöhnlicher Start ins Leben neun Jahre später Gesprächsthema. Dort war Barbara Herzog mit ihrer Mutter Helga zu Gast, die abermals von der Geburt ihrer Tochter in 12.000 Metern Höhe erzählte: „Ich hatte keine Angst. Es ging very schnell. Aber ich war very embarrassed.“ 

Ein Geburtsort ohne festen Ort

Bis heute wird Barbara Herzog immer wieder auf ihren Geburtsort angesprochen, der in ihrem Pass lediglich anhand von Koordinaten angegeben ist. Genauso wie auf ihren zweiten Vornamen, der etwa bei ihrer Hochzeit in New York für Aufsehen sorgte. 

Weitere Babys an Bord von Lufthansa Flugzeugen 

Auf Barbara folgten bis heute zehn weitere Babys, die an Bord einer Lufthansa Maschine geboren wurden. 1981 etwa erblickte Karin Torres Bellido kurz vor der Landung in Lima das Licht der Welt. 1985 war es ein Junge, der sich eine Lufthansa DC 10 als Geburtsort aussuchte: Olatokunbo Olawale Afolabi aus Nigeria. Seinetwegen machte das Flugzeug auf dem Flug von Lagos nach Frankfurt eine Zwischenlandung in Mallorca. Zuletzt brachte 2017 eine bulgarische Frau auf einem Flug von Bogotá nach Frankfurt einen Jungen zur Welt. 

Auch den Zweitnamen „Lufthansa“ trägt nicht nur Barbara. Ein Mann aus Indonesien gab seinem Sohn nach einem Flug von seinem Heimatland nach Nürnberg den Namen Luthfie Lufthansa, weil er so zufrieden mit dem Flug war.

Gut zu wissen

Eine Geburt im Flugzeug kommt sehr selten vor. Schwangeren ist es nur bis zum Ende der 36. Schwangerschaftswoche erlaubt, einen Flug bei Lufthansa anzutreten. Bis dahin gilt das Fliegen als unproblematisch.  

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