Ein Schulungsflugzeug gleitet im Abendlicht über die eindrucksvolle Berglandschaft Arizonas.

Der Traum vom Fliegen: Wie wird man eigentlich Pilot?

Lennard Saalfeld hat die Pilotenschulung an der European Flight Academy erfolgreich durchlaufen. Seine nächste Station: First Officer bei einer Airline der Lufthansa Group. Hier erzählt er von seinem Weg ins Cockpit und den Stationen seiner Schulung

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4 Min. Lesezeit
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Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind im Flugzeug saß und die lauten Triebwerke mich verunsicherten. Ich fragte mich: Was passiert hier gerade? Ist das normal? Damals war mir das Fliegen nicht ganz geheuer. Heute ist das kaum noch vorstellbar. Denn mittlerweile gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als bei Sonnenaufgang die Triebwerke zu starten und auf die Startbahn zu rollen – ein Moment, der jedes Mal aufs Neue besonders ist.

Lufthansa Pilot Lennard Saalfeld sitzt mit Sonnenbrille und Headset im Cockpit eines Kleinflugzeugs; durch das Fenster sieht man eine Gebirgslandschaft.
Für Pilot Lennard Saalfeld gibt es kaum etwas Schöneres, als bei Sonnenaufgang die Triebwerke zu starten (© privat; Header-Bild © European Flight Academy)

Mein Vater arbeitet als Fluggerätmechaniker, und so kam ich schon früh mit der Welt der Flugzeuge in Berührung. Ich konnte Pilot:innen bei ihrer Arbeit beobachten, bekam Einblicke in den Alltag von Flugschulen und habe selbst regelmäßig im Betrieb meines Vaters mitgeholfen – sowohl direkt am Flugzeug als auch im Umfeld. Diese Erfahrungen haben mir nicht nur ein solides technisches Verständnis vermittelt, sondern auch meine Begeisterung für die Luftfahrt nachhaltig geprägt. Je besser ich mit der Zeit verstand, was im Cockpit wirklich passiert, desto klarer wurde mir: Ich will in die Luft – am liebsten als Pilot.

Pilot werden: Kenntnisse in Mathe und Physik sind hilfreich

Zunächst absolvierte ich eine Schreinerlehre, denn handwerkliche Tätigkeiten haben mir immer Spaß gemacht. Mein Traum vom Fliegen blieb jedoch bestehen. Auf einem handwerklichen Bildungsweg habe ich schließlich ein Äquivalent zum Abitur erworben – eine Voraussetzung für die Pilotenschulung. Mein Tipp für alle, die diesen Weg einschlagen möchten: Kenntnisse in Mathe und Physik können in vielen Bereichen der Schulung sehr hilfreich sein.

Personen planen eine Flugroute auf einer Luftfahrtkarte. Eine Hand schreibt mit einem roten Marker Koordinaten auf die Karte.
Wer Pilot werden möchte, muss auch Theorie pauken – etwa Navigation (© European Flight Academy)

Nach dem Eignungstest des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und dem Auswahlverfahren bei der European Flight Academy ging es für mich nach Bremen. Dort stand ein Jahr Theorie auf dem Programm: Meteorologie, Luftrecht, Navigation – zwölf Monate intensives Lernen.

„Die Theoriephase war sehr prägend. Ich habe gelernt, strukturiert und analytisch zu denken.“
Lennard Saalfeld

Anschließend begann der praktische Teil der Schulung. Dafür ging es in die Wüste nach Goodyear, Arizona – ideale Wetterbedingungen für den Sichtflug. Geflogen bin ich dort eine einmotorige Cirrus SR20. Ein Highlight war mein erster Soloflug: Die traditionelle „Pilotentaufe“ besteht darin, dass man nach dem Flug von den Klassenkameraden aus dem Cockpit getragen und in einen Pool geworfen wird – den Boden zu berühren, ist dabei streng verboten!

„Im Simulator trainiert man unter den Voraussetzungen der Instrumentenflugbedingungen – etwa bei eingeschränkter Sicht durch Bewölkung oder bei Nachtflug. Im Vergleich zum realen Flugbetrieb bietet der Simulator eine sichere, kontrollierte Umgebung.“
Lennard Saalfeld

Zurück in Deutschland ging es weiter nach Rostock. Dort stand das Training mit der Diamond DA42 und den entsprechenden Diamond-Simulatoren auf dem Plan – insbesondere Notfallszenarien und Systemausfälle. Am Ende dieser Phase habe ich die praktische Prüfung zur Berufspilotenlizenz mit Instrumentenflugberechtigung abgelegt. Zusätzlich erwarb ich die Klassenberechtigung MEP (Multi-Engine Piston), also die Befähigung, mehrmotorige Flugzeuge zu steuern.

Darauf folgte das Training auf dem A320 Full-Flight-Simulator zur Multi-Crew Cooperation – Kommunikation, Führung und Teamwork zwischen Pilot Flying, der das Flugzeug steuert, und Pilot Monitoring, der die Kommunikation mit der Flugsicherung übernimmt, die Systeme überwacht und unterstützt.

Bei der Ausbildung zum Piloten Freund:innen fürs Leben gefunden

Was diese Schulung besonders macht, ist nicht nur die fachliche Tiefe, sondern auch das Miteinander. Mit meinem Kurs, dem LHG2205-P, bin ich gemeinsam durch alle herausfordernden Phasen gegangen. Man wächst zusammen, unterstützt sich gegenseitig und erlebt viele Momente, die zusammenschweißen. Dabei entstehen Freundschaften, die weit über die Schulung hinaus Bestand haben – echte Freund:innen fürs Leben.

Seit einigen Monaten habe ich die Schulung abgeschlossen. Interimsmäßig bin ich derzeit bei Lufthansa Aviation Training tätig, wo ich bis zum Einstieg ins Cockpit die Flugschule unterstütze – etwa beim Befüllen von Kursen und als Ansprechpartner für Interessierte und Bewerber:innen rund um die Pilotenschulung.

Mein Traum ist wahr geworden. Und ich kann nur sagen: Wenn man wirklich will und dranbleibt, dann klappt es auch.

Zur Person

Der Münchner Lennard Saalfeld (geb. 1996) schloss seine Ausbildung an der European Flight Academy erfolgreich ab und wird ab 2026 als Pilot für eine Airline der Lufthansa Group tätig sein.

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