Eine Gruppe von sechs Kranichen fliegt am strahlend blauen Himmel

„Jeder möchte mit den Kranichen fliegen“

Der Kranich steht für Sehnsucht und Fernweh. Auch deshalb ist er seit jeher auf Lufthansa Flugzeugen zu sehen. Zum Schutz des Zugvogels arbeitet das Unternehmen eng mit dem Kranichschutz Deutschland zusammen. Was die Tiere so besonders macht, erzählen die ehrenamtliche Kranich-Rangerin Hildegard Lamberty und Dr. Günter Nowald, Leiter des NABU-Kranichzentrums in Vorpommern

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Die Deutschen zieht es bekanntlich besonders häufig nach Mallorca. Aber wohin fliegen eigentlich unsere Kraniche, wenn sie sich nach Wärme sehnen?

Dr. Günter Nowald: Hauptsächlich in die Extremadura in Südspanien. Aufgrund des Klimawandels und steigender Temperaturen in Nordeuropa fliegen viele Tiere im Winter aber oft nur noch bis Frankreich oder bleiben sogar in Deutschland. Um 2000 sind deutsche Kraniche im Schnitt noch 1.600 Kilometer weit geflogen. Jetzt sind es nur noch 600. 

Woher wissen Sie das alles so genau?

Nowald: Etwa indem wir Kraniche mit verschiedenfarbigen Ringen oder mit GPS-Trackern ausstatten. So wie Karl, unseren Lufthansa Patenkranich, über den wir auf Social Media regelmäßig berichten. Wir verfolgen ihn seit 2023 und wissen immer ganz genau, wo er sich rumtreibt. Im Herbst 2025 ist Karl zum Beispiel von Sachsen-Anhalt über die Champagne nach Zentralfrankreich geflogen. 

Aber auch in unserem Kranich-Beobachtungszentrum Kranorama am Günzer See in Vorpommern beobachten wir ganz genau, wie viele Kraniche sich dort jedes Jahr auf den Nahrungsplätzen einfinden, um von ihrem Winterexil in ihr Sommerquartier zu fliegen. 

Porträts von einem lachenden Mann mit Fernglas (links) und einer lächelnden Frau in Outdoor-Kleidung (rechts)
Setzen sich für den Kranichschutz ein: Dr. Günter Nowald und Hildegard Lamberty (© Yvonne Ewert/PR; Header-Bild © Günter Nowald)

Frau Lamberty, Sie arbeiten ehrenamtlich als Kranich-Rangerin. Wie kommt man zu so einer besonderen Aufgabe?

Hildegard Lamberty: Ich habe lange bei Lufthansa in der Konzernkommunikation gearbeitet und zu meinem Abschied von meinem Team eine Patenschaft für einen Kranich geschenkt bekommen. Der heißt Toni und ist in den ersten drei Jahren immer nur von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen geflogen, um dort zu überwintern. Da war ich schon etwas überrascht. Im letzten Jahr hat er immerhin Rügen unsicher gemacht. In jedem Fall brachte mich dieses besondere Geschenk auf die Idee, mich ehrenamtlich im Kranichschutz zu engagieren. Heute unterstütze ich das Team Kranichschutz am Kranorama bei der Beobachtung der Vögel, weise Besucher:innen am Spektiv ein, statte sie mit Ferngläsern aus und beantworte alle Fragen, die sie zum Thema haben. Das Kranorama ist einfach ein unglaublich schöner Beobachtungsplatz für alle, die mehr über diese ganz besondere Vogelart erfahren möchten. 

Was fasziniert Sie an Kranichen?

Lamberty: Kraniche führen glückliche und gleichberechtigte Partnerschaften und bleiben in der Regel ein Leben lang zusammen. Zu beobachten, wie sie sich gemeinsam um die Aufzucht der Jungvögel kümmern, ist schon sehr anrührend. Außerdem beeindruckt es mich, dass sie genau wie wir Menschen ein Leben lang lernfähig bleiben. Das zeigt sich zum Beispiel an der Art, wie sie sich dem Klimawandel anpassen. 

Nowald: Viele Menschen verbinden eine gewisse Sehnsucht mit Kranichen, die am Himmel entlangziehen. Jeder möchte gern mit ihnen fliegen, wenn sie im Herbst ins Licht und in die Wärme reisen. So wie die Lufthansa sind auch Kraniche international unterwegs. Deshalb haben wir Kooperationspartner in Asien, Afrika und Europa und setzen uns gemeinsam für den Schutz der Tiere ein.  

Ein Kranich sitzt mit seinem kleinen Küken auf dem Rücken im Nest auf einem Gewässer
Kraniche brauchen Feuchtgebiete zum Nisten – deshalb ist deren Erhalt essenziell für den Kranichschutz (© Günter Nowald)

Lufthansa unterstützt den Kranichschutz Deutschland seit dessen Gründung 1991. Was konnte in dieser Zeit alles erreicht werden?

Nowald: Anfang der 1990er Jahre gab es hierzulande nur noch knapp 2.000 Brutpaare. 2025 waren es 12.500. Das ist ein großer Erfolg, der ohne die Unterstützung von Lufthansa nicht möglich gewesen wäre. Ebenfalls mithilfe von Lufthansa konnte die International Crane Foundation ein internationales Netzwerk aufbauen, das den globalen Flugverkehr von Kranichen beobachtet und sich für ihren Fortbestand einsetzt.  

Worauf kommt es beim Kranichschutz an?

Nowald: Kraniche brauchen Feuchtgebiete zum Brüten, weil sie im Flachwasser nisten. Das tun sie, um sich vor Fressfeinden wie etwa Füchsen zu schützen. Im Unterschied zu anderen Vögeln schlafen sie auch nicht auf Bäumen, sondern auf dem Wasser. Deshalb setzen wir uns für Renaturierungsprojekte in Deutschland ein, wo in der Vergangenheit viel zu viele Feuchtgebiete für die Landwirtschaft oder die Forstwirtschaft trockengelegt worden sind. Außerdem ist es uns gelungen, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo in Deutschland die meisten Kraniche leben, Gesetze zu ihrem Schutz durchzusetzen. Dort dürfen zur Brutzeit der Kraniche heute zum Beispiel keine menschlichen Aktivitäten mehr rund um 300 Meter im Umkreis der Nester stattfinden. 

Eine Frau steht vor einer modernen Infostation aus Holz mit Schautafeln und Vogelmotiven
Perfekt für die Kranichbeobachtung: das Kranorama am Günzer See (© PR)
Eine große Gruppe von Kranichen auf einer grünen Wiese, während einer im Flug landet
Kraniche leben am liebsten in Gruppen – und Paare bleiben ein Leben lang zusammen (© Günter Nowald)
Eine Gruppe von Kranichen breitet auf einer Wiese vor Schilf die Flügel aus oder landet
Ready for take-off: Kraniche stellen sich vor dem Abheben in den Wind und nehmen eine bestimmte Abflughaltung ein (© Günter Nowald)

Warum ist der Schutz von Feuchtgebieten allgemein wichtig?

Nowald: Weil sie Lebensraum für viele verschiedene Tierarten bieten: für Moorfrösche, Libellen und viele andere Insektenarten. Leider ist der Verlust biologischer Vielfalt ein großes Problem in Deutschland. Aber indem wir Feuchtgebiete wiederbeleben, können wir einen großen Beitrag zum Artenschutz leisten. 

Lamberty: Der Kranich ist unser Sprachrohr für den Naturschutz. Wenn wir ihn schützen, dann schützen wir auch viele andere Tierarten. Aufgrund seines trompetenartigen, nicht überhörbaren Rufs und seines besonderen Formationsflugs ist er vielen Menschen ein Begriff. Mit ihm gelingt es uns, die nötige Aufmerksamkeit zu erregen. Mit Unken hingegen könnte man wohl niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. 

Für viele Menschen sind Kraniche Vögel des Glücks. Warum ist das eigentlich so?

Nowald: Das liegt sicher daran, dass Kraniche so ein glückliches Eheleben führen. Die Menschen sehen aber in jedem Land etwas anderes in ihnen. In Schweden etwa werden die Kraniche im Frühjahr herbeigesehnt, weil sie nach dem langen und dunklen Winter endlich die Sonne, das Licht und die Wärme aus dem Süden mit in den Norden bringen. In China und Japan bringen Kraniche die Seelen der Verstorbenen in die Götterwelt. 

Ein modernes schwarzes Gebäude mit einer Skulptur fliegender Kraniche im Vordergrund
Im NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten dreht sich alles um diese faszinierende Vogelart (© Günter Nowald)

Wo und wann kann man in Deutschland am besten Kraniche beobachten?

Lamberty: Die besten Monate für Live-Beobachtungen von Kranichen im Kranorama sind März, September und Oktober. Nur 300 Meter von dort entfernt befindet sich seit September 2025 das neue internationale NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten, in dem man sich ganzjährig über den Kranich informieren kann. Auch in Zingst an der Ostsee, wo wir ein Info-Mobil betreiben, kann man gut Kraniche beobachten. Es ist jedes Mal ein wunderschöner Anblick, wenn dort am Abend Tausende Tiere zu ihren Schlafplätzen auf die Insel Kirr fliegen.

Wie erkenne ich, ob am Himmel Kraniche oder Wildgänse hinwegziehen?

Nowald: Der Flügelschlag von Kranichen ist viel langsamer und gemächlicher als der von Gänsen. Die wirken beim Fliegen eher zappelig. Außerdem haben Kraniche längere Beine und Hälse als Gänse.

Sind Start und Landung von Kranichen eigentlich mit dem von Flugzeugen vergleichbar?

Nowald: Das ist tatsächlich so! In der Regel stellen Kraniche sich vor dem Abflug in den Wind und signalisieren mit einer bestimmten Abflughaltung, dass sie „ready for take-off“ sind. Dann nehmen sie mit zwei bis drei Schritten Anlauf und heben ab. Wenn sie aus großer Höhe landen wollen, sinken sie in kreisenden Bewegungen herab. Ähnlich wie Flugzeuge, die über dem Flughafen ihre Runden drehen, bevor sie zur Landung ansetzen.

Zur Person

Seit mehr als 30 Jahren widmet sich Dr. Günter Nowald, Leiter des NABU-Kranichzentrums in Vorpommern, dem Kranichschutz. Bevor er seine wissenschaftliche Karriere begann, war er als Naturfotograf tätig. Das Fotografieren von Kranichen gehört bis heute zu seinen großen Leidenschaften.

Hildegard Lamberty war bis Ende 2021 in der Konzernkommunikation von Lufthansa tätig. Sie engagiert sich nun bereits im vierten Jahr im Kranorama und am Info-Mobil in Zingst gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen für den Kranichschutz.

Unterstützen Sie die Vögel des Glücks:

Weitere Informationen über den Kranichschutz Deutschland und Möglichkeiten der Unterstützung oder die Übernahme von Kranichpatenschaften erhalten Sie unter www.kraniche.de

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