Welcome to My World: Emilia Schüle
Schauspielerin Emilia Schüle spielt in der neuen Serie „Call my Agent Berlin“ sich selbst – und entdeckt auch beim Reisen immer neue Seiten an sich
Es gibt Reisen, die man nie vergisst: Welche war es bei Ihnen?
Da fällt mir gleich mein Wandertrip durch die Berge in Nepal ein. Ich war 23 und mit meiner besten Freundin unterwegs. Ich weiß noch, wie aufgeregt wir vor dem Abflug waren, denn wir hatten überhaupt keine Wandererfahrung. Aber dann war es wunderschön. Wir waren zur Nebensaison elf Tage auf einer Route unterwegs, auf der wir nur wenige andere Tourist:innen getroffen haben. So bekamen wir das Gefühl, nah dran zu sein am Leben der Menschen. Tagsüber sahen wir sie am Wegesrand kochen oder die Ernte einbringen, und nachts übernachteten wir bei ihnen in kleinen Dörfern. Ich fand es schön, dass uns auch die Einheimischen mit einer gewissen Neugier begegnet sind. Es gibt nur noch so wenige unberührte Orte auf der Welt, die noch nicht kommerzialisiert sind. So wurde die Reise zu einer der schönsten meines Lebens.
Gibt es noch eine Reise, die besonders lange nachwirkt?
2024 bin ich als Botschafterin für die humanitäre Organisation Plan International nach Kolumbien gereist. Zusammen mit zwei anderen Fotograf:innen habe ich dort die Arbeit von drei NGOs dokumentiert, die Kunst als Medium für das Empowerment von Kindern und Jugendlichen nutzen. Eines der Projekte war die Tanzschule „El Colegio del Cuerpo“, die sich mitten im Dschungel befindet. Ich fand es schön, bei dieser Reise einmal die Perspektive zu ändern und nicht vor der Kamera, sondern dahinter zu stehen. Und vor allem, weil es mir wichtig war, vor Ort nicht als „White Savior“ aufzutreten. Im Herbst 2024 haben wir die Fotos in Berlin ausgestellt und die Erlöse an NGOs gespendet.
Welche Erkenntnisse haben Sie von dieser Reise mitgebracht?
Dass wir wahnsinnig viel von NGOs im Ausland lernen können, wie Integration in die Gesellschaft funktioniert. Auch im Hinblick darauf, wie wir in Europa mit diesen Herausforderungen umgehen.
Was haben Sie auf Reisen immer dabei?
Ich nehme immer eine digitale und eine analoge Kamera mit, denn das Fotografieren ist neben der Schauspielerei meine große Leidenschaft. Neuerdings habe ich auch immer Stift und Notizbuch dabei, weil ich es mag, zwischendurch Gedanken und Erlebnisse zu notieren. Das Buch schafft mir Momente der Achtsamkeit und hilft mir dabei, mein Gehirn zu befreien. Ich glaube, dass wir heutzutage viel zu selten innehalten, in die Luft gucken und uns fragen: Was könnte ich denn jetzt mal aufschreiben?
Wohin reisen Sie immer wieder?
Nach Österreich in die Berge. Je näher ich an den Alpen bin, desto ruhiger werde ich innerlich. Auch nach Paris und London zieht es mich immer wieder. London fühlt sich noch viel multikultureller an als Berlin – das mag ich sehr. Die Menschen, die Sprache, die Architektur, das U-Bahn-Fahren, mir macht da einfach alles Spaß. Zu Paris habe ich eine emotionale Bindung, weil ich dort ein Jahr lang für die TV-Serie „Marie Antoinette“ die französische Königin gespielt habe. Mir gefällt, dass die Stadt wunderschön und gleichzeitig so abgerockt wie Berlin ist.
Aktuell spielen Sie in der Serie „Call my Agent Berlin“ sich selbst. Was hat Sie an dem Konzept der Serie gereizt?
Die Welt der Schauspielagenturen ist ein einzigartiger Kosmos, der vielen noch unbekannt ist. Besonders spannend finde ich dabei das Verhältnis zwischen Schauspieler:innen und ihren Agent:innen. Es ist eine sehr intensive Beziehung, die fast schon einer Partnerschaft ähnelt. Auch die Trennungen fühlen sich wie richtige Trennungen an und tun richtig weh. In meinem Beruf ist es sehr schwer, das Persönliche vom Beruflichen zu trennen. Deshalb hat dieses Berufsfeld eine Serie verdient.
In der Folge, in der Sie mitspielen, haben Sie am Set Probleme mit Ihrem Schauspielkollegen Frederick Lau. Wie verstehen Sie sich im echten Leben?
Zwischen uns herrscht so ein typischer Bruder-Schwester-Vibe. Dieses Necken am Set, das in der Serie zu sehen ist, hat viel mit der Dynamik zu tun, die im echten Leben zwischen uns herrscht. Wir mögen uns sehr und kennen uns schon lange. So konnten wir beim Dreh schön Gas geben und uns so richtig beleidigen, wenn wir eine Streitszene gespielt haben.
Wie realistisch ist die Serie?
„Call my Agent Berlin“ ist eine Komödie mit einer ordentlichen Portion Selbstironie, die wie etwa die Serie „Jerks“ mit der Überspitzung spielt. Man darf nicht alles ernst nehmen, was passiert, aber es steckt auch viel Wahrheit darin. Ich könnte auch so viele absurde Geschichten aus meinem Arbeitsalltag erzählen. Ständig passieren mir und meinen Kolleg:innen Dinge, bei denen wir denken: „Das glaubt uns niemand! Das müssen wir ,Call my Agent Berlin‘ pitchen.“
Zur Person
Emilia Schüle hatte 2008 ihren Durchbruch mit dem Film „Freche Mädchen“. Bekannt ist sie auch für ihre Rollen in den Filmen „Wunderschön“ und „Wunderschöner“ von Karoline Herfurth und die Disney+-Serie „Marie Antoinette“. Aktuell ist sie in der Serie „Call My Agent Berlin“ (ab 12.09. auf Disney+) zu sehen. Darin dreht sich alles um die Schauspielagentur Stern und ihre Agent:innen, die die Launen und Allüren ihrer prominenten Klient:innen managen.
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