Über den Wolken, aber mit der Welt verbunden
Die Lufthansa Group rüstet ihre komplette Flotte bis 2029 mit dem Highspeed-Internet von Starlink aus. Im Wartungscenter des Technical Fleet Managements der Lufthansa am Standort BER wurde das System nun erstmals eingebaut – in einen Airbus A320neo von Lufthansa. Ein Ortsbesuch
Der Airbus A320neo „Freising“ steht, an Heck und Bug eingerüstet, im Wartungshangar von Lufthansa am Flughafen BER. Mechaniker:innen in gelben Lufthansa Warnwesten eilen durch die Halle, eine Technikerin arbeitet an einem der Triebwerke – sie zählen dank ausgeklügelter Getriebetechnologie zu den modernsten Turbinen in der aktuellen Luftfahrt. Aus dem Bauch der Maschine kommen gedämpft Stimmen und Arbeitsgeräusche. Draußen prasselt der Regen auf das Flugfeld, Donnergrollen dringt herein.
Im Hangar ist von den Wetterkapriolen nicht viel zu merken. Acht Flugzeuge können am Standort Berlin gleichzeitig gewartet werden. Etwa 220 Techniker:innen und Ingenieur:innen im Drei-Schicht-Betrieb und 40 administrative Mitarbeitende aus Planung, Engineering und Produktmanagement arbeiten dafür, die Standzeiten der Maschinen so kurz wie möglich zu halten. Seit zwei Wochen befindet sich die „Freising“ im Hangar, es läuft der sogenannte C-Check, eine turnusgemäße Kontrolle – und bisher läuft alles nach Plan. Alltägliche Routine also?
Ganz im Gegenteil. Für die Mitarbeitenden vor Ort, Lufthansa Airlines und auch für die Lufthansa Group insgesamt handelt es sich an diesem gewittrigen Frühsommertag um eine Premiere. Die „Freising“ wird als erstes Flugzeug der Lufthansa Flotte mit einem leistungsstarken Internetzugang von Starlink – für den Gast als Lufthansa Group Wi-Fi sichtbar – ausgerüstet. Das System gewährleistet jederzeit zuverlässigen und sicheren Internetempfang an Bord, mit nur geringfügigen Latenzzeiten.
„Highspeed-Internet von Gate zu Gate“
„Mit Starlink können wir unseren Fluggästen erstmals Highspeed-Internet von Gate zu Gate bieten“, sagt Christian Radius. Der Luft- und Raumfahrtingenieur verantwortet am Standort BER die technische Umsetzung des Starlink-Einbaus und steht der Produktion bei Fragen zur Implementierung als Ansprechpartner zur Verfügung. Nach der „Freising“ ist geplant, hier noch weitere 15 Airbus A320neo auszustatten. Parallel kommen die Heavy-Maintenance-Standorte von Lufthansa Technik in Budapest und in Sofia zum Einsatz. Bis 2029 soll die gesamte Flotte der Lufthansa Group über das Starlink-System verfügen, rund 850 Flugzeuge. Damit wäre sie die größte europäische Fluglinie mit dieser Technologie.
Der Einbau des WLAN-Systems ist komplex und erfordert das Zusammenspiel von Spezialist:innen aus dem Bereich der Struktur, der für den Flugzeugkörper zuständig ist, und der Elektronik. „Um auf allen Sitzplätzen hochleistungsfähige Konnektivität
sicherzustellen, bauen wir in jeden A320neo zwei Starlink-Systeme ein“, erklärt Radius. „Vier Router in der Kabine verarbeiten die Signale von zwei Antennen, die auf dem Flugzeugrumpf angebracht werden, eine im vorderen Bereich der Kabine, eine hinten am Heck.“
Für den Einbau wurden in der Kabine Deckenverkleidungen entfernt. Durch die planmäßige C-Check-Wartung und den damit verbundenen Ausbau der Sitzreihen bot sich die Gelegenheit des Wissenstransfers und Erfahrungsaustauschs für weitere Kolleg:innen der Lufthansa Group, sowie für Mitarbeitende von Lufthansa Technik: Sie konnten somit das System und dessen Integration in die Kabine aus nächster Nähe kennenlernen.
Sie sehen nun, was sonst hinter Kunststoffplatten verborgen ist: ein bunter Strang von Kabeln, der sich durch das Flugzeug zieht. Das Kabel fürs Satelliteninternet ist dünn und weiß und muss nun durch eine Öffnung in der Kabinenhülle mit den Antennen verbunden werden.
Dafür hat sich ein Techniker, sicher angeseilt, vorne auf dem Rumpf platziert, eine der flachen, kachelförmigen, etwa einen halben Quadratmeter großen Antennen vor sich. Mit wenigen geübten Handgriffen ist das Kabel eingesteckt, die Antenne in die Halterung eingepasst und die Halterung samt Antenne auf dem Rumpf montiert. Während des Fluges verbindet sich das System künftig automatisch mit dem nächstgelegenen Starlink-Satelliten.
„Von Starlink befinden sich mehr als 10.000 Satelliten im Orbit“
„Was Starlink allen anderen Anbietern voraus hat, ist die nahezu lückenlose Abdeckung“, sagt Tim Kaya, der als Group Senior Fleet Manager Cabin Interior für die Integration des Systems ins Kabinen-WLAN zuständig ist. „Von Starlink befinden sich derzeit mehr als 10.000 Satelliten im Orbit; der Mitbewerber, der dieser Zahl am nächsten kommt, hat etwa 650.“
Für immer mehr Fluggäste (und ab 2029 dann für alle Reisenden) der Lufthansa Group heißt das von nun an: stabiles Internet während des gesamten Fluges – um zu arbeiten, mit Familie, Freund:innen oder Kolleg:innen zu kommunizieren oder Medieninhalte zu konsumieren. „Mit Lufthansa Group Wi-Fi erleben sie ein ganz neues Reisegefühl“, verspricht Kaya.
Die Nutzung an Bord ist kostenlos – und denkbar einfach. Reisende brauchen lediglich eine Lufthansa Travel ID oder ihre Miles & More Servicekartennummer. Die Registrierung für die Travel ID erfolgt in wenigen Schritten auf der Webseite von Lufthansa mit der E-Mail-Adresse und einigen wenigen Angaben. Im Flugzeug müssen sich Reisende dann nur noch in das Online-Portal einloggen und schon sind sie über WLAN mit dem Internet verbunden. Wichtig zu wissen: Wie auch bisher schon muss während des Fluges der Flugmodus eingestellt sein.
Einige wenige Regeln gilt es bei der Nutzung des Lufthansa Group Wi-Fi über den Wolken außerdem zu beachten:
- Kopfhörer aufsetzen: Um allen Reisenden einen angenehmen Flug zu ermöglichen, sind Kopfhörer Pflicht beim Musikhören, Anschauen von Filmen oder bei der Nutzung von Entertainment-Apps.
- Telefongespräche unterlassen: Aus demselben Grund sind Telefonate und Videocalls nicht gestattet.
- Kein Live-Streaming: Videos und Audios live – etwa für Social-Media-Kanäle – von Bord zu verbreiten ist untersagt. Aufnahmen für eine spätere Veröffentlichung sind dagegen erlaubt.
Der erste offizielle Flug der A320neo „Freising“ mit dem Highspeed-Internet von Starlink hob am 19. August ab. Es ging Richtung Süden – über den Wolken, aber mit der Welt verbunden.
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