Kirche mit riesiger Uhr im Park, im Hintergrund der Žižkov-Fernsehturm in Vršovice, Prag.

In My Hood: Unterwegs in Vršovice, Prag

Vršovice, ein Viertel zwischen liebevoll renovierter Belle Époque und bröckelndem Sozialismus. Hier lebt der 3D-Künstler Filip Hodas, der uns mitnimmt an Orte, die ihn bei seiner Arbeit inspirieren – und an denen man den besten Kaffee bekommt

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4 Min. Lesezeit
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Ich bin gebürtiger Prager und lebe seit über einem Jahrzehnt in Vršovice. Was ich an diesem Viertel besonders mag: Je nachdem, wo man gerade ist, erlebt man zwei völlig unterschiedliche Welten. Auf der einen Seite stehen prächtige Altbauten mit kunstvollen Fassaden, auf der anderen verfallene Plattenbauten. Meine Arbeit als 3D-Künstler lebt ganz klar vom Charme der heruntergekommenen sozialistischen Architektur. Die alten Bauten liefern mir ständig neue Ideen – zum Beispiel für meine Serie „Pop Culture Dystopia“, in der ich rostige Cartoon-Figuren in dystopische Welten versetze.

 Filip Hodas sitzt auf Bürostuhl und hält eine grau getigerte Katze im Arm
3D-Künstler Filip Hodas liebt sein Zuhause in Vršovice und seine Katze Franklin (© Filip Hodas; Header-Bild © Alamy)
Brunnen mit Statue vor barockem Palais im Wallenstein-Garten
Wie aus einem Wes-Anderson-Film: Der Grébovka Park ist Filip Hodas’ liebster Spot für Sonnenuntergänge (© Shutterstock)
Mobiler Coffee-Shop in begrüntem Innenhof mit Lichterketten
Im Hinterhof von Botanica gibt’s Flat White, Espresso Tonic und die vielleicht entspannteste Kaffeepause in ganz Vršovice (© Shutterstock)

Morgensonne in der Partystraße

Morgens zieht es mich manchmal in die Krymská – eine enge, leicht schiefe Straße mit Kopfsteinpflaster, die nachts voller Party People und morgens fast leer ist. Ich gehe dort oft joggen. Ein Tipp für Frühaufsteher:innen (zu denen ich nicht zähle) und Streetart-Fotograf:innen: Wenn die Sonne gerade aufgeht und das Licht schräg zwischen den Häusern steht, ist es dort besonders schön.

Für Frühstück und guten Kaffee ist The FLAT cafe mein Favorit. Man fühlt sich dort ein bisschen wie in der berühmten Winkelgasse aus den Harry- Potter-Geschichten: durch alte Schränke hindurch, vorbei an Bücherstapeln und Trödel. Ich bestelle meist Eggs Benedict mit einem Flat White – das perfekte Startpaket für den Tag. Danach geht’s oft in den Grébovka Park: ein parkähnliches Areal mit Weinbergen, Terrassen, Springbrunnen und einer alten Villa, die aussieht, als wäre sie aus einem Wes-Anderson-Film gefallen. Der Blick über Prag bei Sonnenuntergang ist dort besonders schön – das Viertel liegt auf einem Hang, daher hat man oft freie Sicht über die Stadt.

Indie-Filme und geheime Lieblingsdrinks

Mittags esse ich gern im Jam and Co., einem kleinen asiatisch-europäischen Fusion-Restaurant in der Nähe des Parks. Abends, wenn ich ausgehe, lande ich fast immer in der Bar Pilotů. Sie hat etwas von einem New Yorker Bar-Klassiker: hohe Decken, dunkles Holz, Regale voll Flaschen, stimmiges Licht. Mein Lieblingsdrink ist eine Art Mezcal Mule – steht eigentlich nicht auf der Karte, aber wer nett fragt … Direkt nebenan liegt das Kino Pilotů, ein kleines Programmkino, das Independent-Filme, Dokus und Festivalreihen zeigt. Kein Popcorn-Gigant, sondern Indie-Kunst.

Little Berlin in Prag

Wenn ich Besuch bekomme, zeige ich gern das Petrohradská Kolektiv – ein halb verstecktes Kulturzentrum in einem alten Gebäude. Früher war es wohl mal eine Fabrik oder Schule, heute finden dort Ausstellungen, Konzerte und Workshops statt. Es wird manchmal Klein-Berlin genannt, weil es eher „grungy“ und „underground“ ist.

Eine kleine Oase mitten in der Stadt ist das Botanica. Im vorderen Teil werden Pflanzen verkauft, hinten im Hof steht ein alter Kaffeewagen. Im Sommer sitze ich dort mit einem Espresso Tonic unter grünem Blätterdach, im Winter mit einem Flat White zwischen Töpfen, Hängesitzen und Lichterketten. Wenn ich jemandem zeigen will, was ich an Vršovice liebe – dann muss dieser Ort dabei sein.

Zur Person

Filip Hodas ist 3D-Künstler und in Prag geboren. Er lebt und arbeitet in Vršovice, wo er sich von verfallener Architektur und Popkultur inspirieren lässt. Seine Karriere begann mit selbst gestalteten DJ-Postern – heute ist er für seine dystopischen Bildwelten international bekannt. Wenn er nicht gerade Kunst macht, ist er auf der Suche nach gutem Kaffee.

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