Spaziergänger an der Promenade in Nordhavn, Kopenhagen, mit dem modernen Gebäude Tip of Nordø im Hintergrund

In My Hood: Unterwegs in Østerbro, Kopenhagen

Das Stadtviertel Østerbro ist die Heimat der dänischen Bestsellerautorin Katrine Engberg. Während es in ihren Krimis auch mal brutal werden kann, empfiehlt sie Østerbro, weil es dort besonders entspannt zugeht. Hier ihre Top-Tipps 

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5 Min. Lesezeit
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Für mich ist Østerbro das schönste Viertel Kopenhagens. Es liegt etwas abseits von der Innenstadt, und deshalb geht es hier ein wenig beschaulicher zu. Früher, bis zum 19. Jahrhundert, war es gar nicht Teil von Kopenhagens City, sondern ein Vorort außerhalb der Stadtmauern. Dort waren Menschen zu Hause, die es sich leisten konnten, der Hektik der aufstrebenden Metropole zu entkommen.  

Elegantes Interieur des Restaurants Kappo Ando in Kopenhagen mit moderner Beleuchtung
Das Kappo Ando ist nicht nur superstylisch, sondern auch für seine exzellenten Yakitori-Spieße und Skandinaviens größte Auswahl an Craft-Sake bekannt (© Ditte Isager; Header-Bild © Rasmus Hjortshøj)
Bunte Häuser und Radfahrer in einer ruhigen Straße in Østerbro, Kopenhagen
Bunte Fassaden und entspannte Atmosphäre prägen Østerbros charmante Straßen (© Abdellah Ihadian)
Katrine Engberg, lächelnd, Dänemarks erfolgreichste Krimiautorin, in Kopenhagen
Bestsellerautorin Katrine Engberg lebt und schreibt in Kopenhagens Stadtteil Østerbro (© Les Kaner)

Ich lebe seit rund zehn Jahren mit meiner Familie und unserem Hund wieder in Østerbro, wo ich auch aufgewachsen bin. Es hat so viele Vorteile, zum Beispiel bin ich in wenigen Minuten mit dem Fahrrad am Hafen. Und was wirklich großartig ist an Kopenhagen: Man kann hier überall baden, so sauber ist das Wasser. Überhaupt: das Wasser. Es macht Kopenhagen so lebenswert. Østerbro liegt nördlich eines der künstlichen Seen, die Kopenhagens Innenstadt umgeben und die alle lieben, ob sie zum Joggen, Picknicken oder um eine Runde mit dem Hund zu drehen dorthin kommen. 

Tipp für Østerbro: durch den Fælledparken schlendern 

Apropos Hund: Mit Ozzy, unserem Collie-Labrador-Mischling, gehe ich fast täglich im Fælledparken spazieren, in dem übrigens auch das Stadion des FC Kopenhagen liegt. Die Mannschaft ist international natürlich weit weniger erfolgreich als Liverpool, Real Madrid & Co. – aber immerhin mit 15 Titeln dänischer Rekordmeister. Ein Besuch lohnt sich also. 

Wem weder nach Fußball noch Park zumute ist, dem empfehle ich einen Bummel über die Nordre Frihavnsgade, die direkt am Fælledparken beginnt. In der sehr atmosphärischen Shoppingstraße lohnt es sich unbedingt, sich viel Zeit zu lassen, um die vielen kleinen, unabhängigen Läden zu erkunden. Denken Sie immer an ein Wort dabei: Hygge, das heißt so etwas wie Gemütlichkeit auf Deutsch. Bekomme ich dann Lust auf einen Kaffee, könnte ich in unmittelbarer Nähe zwischen vielen netten Cafés wählen. Ich schwöre aber auf das Cranks & Coffee, eine halbe Stunde mit dem Fahrrad entfernt, weil es dort auch alles für überzeugte Bikerinnen wie mich gibt. 

Kopenhagens neue Restaurantszene 

Vieles in Kopenhagen ist in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Inzwischen bieten zum Beispiel richtig viele Restaurants richtig gutes Essen zu richtig fairen Preisen an. Das war vor 20 Jahren noch ganz anders, da hattest du mehr oder weniger nur die Wahl zwischen teurer Sternegastronomie wie im Noma und schlichtem Imbissessen. 

Zu meinen Stammlokalen in Østerbro gehört der Italiener Hos Fischer: Im Sommer sitzt man hier wundervoll draußen. Das feste Menü – leckere Antipasti, zwei hausgemachte Pastagerichte sowie ein Nachtisch – ist so lecker, weil Besitzer David Fischer jahrelang in Rom gelebt und gekocht hat, also ganz genau weiß, was die italienische Küche ausmacht. Übrigens ist er auch der Koch der dänischen Fußballnationalmannschaft. 

Wenn ich Lust auf japanisches Essen habe, zieht es mich ins Kappo Ando. Eine der Spezialitäten sind Yakitori-Spieße, die dort unvergleichlich lecker sind, aber es wird auch für Vegetarier:innen gesorgt. Beeindruckend ist die Auswahl an Craft Sake – gerüchteweise die größte in Skandinavien. Für mich ist das Kappo Ando zurzeit eines der besten Restaurants der Stadt. 

Kopenhagens Museen entdecken 

Auch Museumsfreund:innen werden in Østerbro glücklich – versprochen! Zwei Museen, die nicht so viele Kopenhagenreisende bislang entdeckt haben, sind das Den Frie und das Statens Museum for Kunst (SMK), Dänemarks Nationalgalerie. Das Den Frie hat sich der modernen Kunst verschrieben und zeigt die Werke noch nicht so bekannter, aber spannender Künstler – mein Onkel Hein Heinsen war vor 50 Jahren sehr aktiv. Im wesentlich größeren SMK lässt sich Dänemarks Kunstgeschichte der letzten rund 700 Jahre verfolgen. Dort hängt übrigens ein Bild des Malers Christen Købke, das meine Straße im Jahr 1836 zeigt! 

Ach so, zum Abschluss noch ein Tipp, falls Sie es noch nicht wissen sollten: Kopenhagen ist eine Fahrradstadt. Lassen Sie Ihr Auto zu Hause, leihen Sie sich ein Fahrrad und entdecken Sie, wie viel angenehmer es ist, auf zwei Rädern eine Stadt zu erkunden statt auf vier.

Zur Person

Katrine Engberg ist Dänemarks international erfolgreichste Krimiautorin. Ihre Romane spielen in Kopenhagen und werden in etwa 30 Sprachen übersetzt, darunter Englisch und Deutsch. Zuletzt ist von ihr im Piper Verlag „Aschezeichen“ erschienen. Die frühere Balletttänzerin, die drei Jahre in München lebte, wohnt heute nur 200 Meter von ihrem Elternhaus entfernt in Kopenhagens Stadtteil Østerbro. 

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