Dunkle Lufthansa Boeing 787-9 mit 100-Jahre-Sonderlackierung bei Sonnenuntergang

„Für mich sind Flugzeuge kunstvolle Skulpturen“

Es sieht aus, als würde sich ein Vogel in die Lüfte erheben: Zum 100. Geburtstag von Lufthansa 2026 hat Designer David Hedley Noble eine Boeing 787-9 mit einer Sonderlackierung überzogen, die einem gigantischen Kranich gleicht. Die Inspiration für das Jubiläumsdesign stammt von der Lufthansa Design Unit. Wir haben Noble gefragt, wie er die Idee umgesetzt hat

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Mr. Noble, zum 100. Geburtstag von Lufthansa schickt die Airline einen ganz besonderen Kranich in die Luft: eine Boeing 787-9 mit einer Sonderlackierung, deren Tragflächen den Flügeln eines Vogels ähneln. Wie ist diese Idee entstanden?

Das Konzept für den großen Kranich (oder „Superkranich“, wie er auch genannt wird!) existiert in der Marken-Designabteilung von Lufthansa schon seit längerer Zeit. Es war eine der ersten Ideen, die im Rahmen des Lufthansa Rebrandings 2018 entstanden sind. Das 100-jährige Jubiläum war der perfekte Moment, um es wieder hervorzuholen und in die heutige Lackierung zu integrieren. Es fällt bewusst aus dem Rahmen, zitiert den historischen Kranich von Grafikdesigner Otto Firle – und erinnert daran, was Flugzeuge im Kern sind: riesige Vögel, die uns um die Welt tragen.

Im Dezember hebt das Flugzeug mit dem Jubiläumsdesign zum ersten Mal ab – welche Gefühle löst das in Ihnen aus?

Obwohl ich schon seit 30 Jahren in der Flugzeugbranche arbeite, bekomme ich noch immer Gänsehaut, wenn ich am Flughafen ein Design sehe, an dem ich mehrere Monate lang mitgearbeitet habe. Der einzige Unterschied ist, dass ich mittlerweile graue Haare habe. Innerlich bin ich noch immer aufgeregt wie ein kleiner Junge.

Lufthansa Boeing 787-9 von vorne am Boden, von einem Schleppfahrzeug gezogen bei Dämmerung
Startklar: Im Dezember soll der „Superkranich“ in Frankfurt erstmals abheben (© JB McCabe)
Lufthansa Boeing 787-9 in 100-Jahre-Sonderlackierung in einer großen Werfthalle
Entworfen von der Lufthansa Design Unit: Der „Superkranich“ strahlt eine besonders starke Präsenz aus
Nahaufnahme der glänzenden blauen und weißen Rumpflackierung mit der Zahl 100
Fliegende Leinwände: Die Sonderlackierungen der Flugzeuge werden mithilfe von 3-D-Modellen passgenau entwickelt (© Lufthansa)

Ein ikonisches Design zur Feier des 100-jährigen Lufthansa Jubiläums

Er ist älter als Lufthansa selbst – und doch gibt es kein Symbol, das enger mit der Airline verbunden ist als der Kranich, der sich anmutig in den Himmel erhebt. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Lufthansa ziert dieses ikonische Emblem nun den gesamten Rumpf und die Tragflächen einer Boeing 787-9, des ersten von sechs Flugzeugen, die mit diesem Sonderdesign versehen wurden. Entworfen von der Lufthansa Design Unit – von der ersten Skizze bis zur endgültigen Umsetzung – strahlt der „Superkranich“ eine besonders starke Präsenz aus. Markant und unverwechselbar steht er für Zuverlässigkeit, Freiheit und Weltoffenheit – Werte, die Reisende seit Langem mit Lufthansa verbinden.  

Zum ersten Mal erscheint ein Lufthansa Flugzeugrumpf in einem tiefblauen Finish. Im Zusammenspiel mit den weißen Tragflächen entsteht ein beeindruckender visueller Effekt: Der Kranich scheint abzuheben. Nach der brandneuen Boeing 787-9 Berlin, die im Dezember dieses Jahres in Frankfurt eintreffen soll, werden auch ein Airbus A380, ein Airbus A350-1000, ein Airbus A350-900, ein Airbus A320 und eine Boeing 747-8 mit dem Jubiläumsemblem in die Lüfte steigen. 

Mode- und Produktdesigner:innen gibt es viele, aber nur sehr wenige entwerfen den Look von Flugzeugen. Wie sind Sie zu diesem besonderen Job gekommen?

Zu Beginn meiner Karriere arbeitete ich als Art Director in einer Londoner Agentur – heute Müslipackung, morgen Auto, übermorgen Bierflasche. Viel Abwechslung, aber wenig Fokus. Erst ein Auftrag für ein Vielflieger:innenprogramm in Lateinamerika zeigte mir, wie spannend und vielfältig die Luftfahrt für Designer:innen sein kann. Ich gründete mein Studio Aerobrand und gestalte seither alles von Kabinen-Einrichtungen bis hin zur Flugzeuglackierung. Für mich als Designer ist die Branche der Himmel. Wie eine Sandkiste voller Spielzeuge.

Worin liegen die größten Herausforderungen beim Entwerfen neuer Flugzeuglackierungen?

Man muss die verschiedenen Flugzeugtypen von Lufthansa bis ins letzte Detail kennen. Nur so gelingt es, die Entwürfe genau auf die unterschiedlichen Formen der Flugzeuge abzustimmen. Ich bin schon durch sämtliche Boeing- und Airbus-Typen von Lufthansa geklettert und habe sie genau vermessen. Wenn man ein Flugzeug bemalt, kommt man ihm sehr nah. Man verbringt zwei bis drei Wochen mit seinem Baby im Hangar und betrachtet es intensiv, um es wirklich zu verstehen: seine Kurven oder die Art und Weise, wie die Flügel mit dem Rumpf verbunden sind. Für mich sind Flugzeuge kunstvolle Skulpturen.

Ein weiß-blauer Lufthansa-Boeing fliegt vor blauem Himmel
Klassisch und zeitlos: Das Design der Lufthansa Flugzeuge vergleicht David Hedley Noble mit „einem guten Anzug, den man immer wieder aus dem Kleiderschrank holt“ (© JB McCabe)

Warum ist es so wichtig, auf jedes noch so kleine Detail zu achten?

Weil heutzutage jeder ein Smartphone besitzt, machen die Menschen ständig Fotos von Flugzeugen und stellen sie ins Netz. Deshalb darf ich mir absolut keine Fehler erlauben und muss dafür sorgen, dass das Flugzeug aus jedem Blickwinkel gut aussieht. Auch von oben! Wenn man einen Fehler macht, findet das nämlich garantiert jemand heraus.

Beim Design von Flugzeugen gilt es, groß zu denken. Wie gelingt es, dass das Design am Ende wie maßgeschneidert sitzt?

Im Laufe der Jahre habe ich mit meinem Team 3-D-Modelle der verschiedenen Flugzeugtypen entwickelt. Diese Modelle sind superakkurat und helfen uns dabei, dreidimensionale Entwürfe zu erstellen. Wenn wir dann im Hangar die Schablone für die Lackierung auf dem Flugzeug anbringen, passt alles perfekt.

Internationale Flughäfen gleichen einem Catwalk an unterschiedlichen Flugzeugdesigns. Was macht das Design von Lufthansa im Vergleich zu anderen Airlines einzigartig?

Es ist klassisch und zeitlos. So wie ein guter Anzug, den man immer wieder aus dem Kleiderschrank holt. Flugzeugdesign darf sich auf keinen Fall an Trends orientieren, sondern muss mindestens 20 bis 30 Jahre Bestand haben. Die Formel dahinter ist so einfach wie anspruchsvoll: maximale Reduktion. Komplexität lässt sich leicht erzeugen, doch wahre Gestaltungskunst zeigt sich im Weglassen. Genau das ist dem Grafikdesigner Otto Firle vor über hundert Jahren gelungen. Mit seinem stromlinienförmigen, stark stilisierten Kranich schuf er ein Zeichen, das bis heute Modernität ausstrahlt.

Trotzdem haben Sie den Blauton von Lufthansa 2018 verändert und das typische Spiegelei-Gelb von den Flugzeugen verbannt. Warum?

Ziel war es, das moderne Premiumverständnis von Lufthansa im Design noch spürbarer werden zu lassen. Dazu gehört für mich auch eine klarere Farbsprache. Das neue Lufthansa Blau ist jetzt noch hochwertiger und wirkt fast dreidimensional durch seine Art, wie es das Licht reflektiert. Ob bei Nebel oder im grellen Sonnenlicht – es kommt immer bestens zur Geltung. Das Gelb wurde natürlich nicht vollständig entfernt. Stattdessen wird es auf persönlichere, überraschende Weise eingesetzt. Zum Beispiel auf dem Willkommensschild beim Betreten des Flugzeugs.

Können wir im Lufthansa Jubiläumsjahr noch weitere Sonderlackierungen von Ihnen erwarten?

Auf jeden Fall! Gerade habe ich das Design einer Lockheed Super Star von Lufthansa aus den 1950er-Jahren auf einen A321 übertragen. Es hat großen Spaß gebracht, das Retrodesign von damals an ein hochmodernes Flugzeug anzupassen. Ich kann es kaum erwarten, dieses ganz besondere Flugzeug im Januar das erste Mal abheben zu sehen. Auch den A350-1000 wird es 2026 mit der Sonderlackierung zum 100. Geburtstag von Lufthansa geben. Sie dürfen gespannt sein, was im Jubiläumsjahr noch alles passieren wird!

Zur Person

Der irisch-britische Designer David Hedley Noble gestaltet kreative Lackierungen für Flugzeuge von Lufthansa und verwandelt sie so in fliegende Leinwände. Sein Designbüro Aerobrand mit Sitz in London und New York feiert 2026 das 30-jährige Bestehen.  

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