Blick über das bunte Dach des Stephansdoms in Wien bei Sonnenuntergang

A Perfect Day: Wien an einem Tag

Wer wissen will, wie ein perfekter Tag in Wien aussieht, fragt man am besten jemanden, der sich dort auskennt. So wie den gebürtigen Wiener Julien Behringer. Der Lufthansa Flugbegleiter zeigt uns, wo er sich in Österreichs Hauptstadt besonders wohlfühlt

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5 Min. Lesezeit
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9 Uhr: Stärkung im Kaffeehaus

Wenn ich in meine Heimatstadt Wien komme, gibt es gar keine Frage: Der perfekte Tag beginnt in einem Kaffeehaus. Für diese Orte der Ruhe und des Genusses ist die Stadt schließlich berühmt, und die Kaffeehauskultur gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Mein Favorit ist das Café Prückel am Ring, der Straße, die das historische Zentrums Wiens umschließt. Der Laden hat eine lange Tradition, hierher kommen die Wiener:innen schon immer gern, um die Zeitung zu lesen und großartigen Kaffee zu trinken.

Das Café Prückel in Wien mit Sesseln und Kronleuchter
Das Café Prückel: Kaffeehauskultur pur (© Lukas Schaller; Header-Bild © Getty Images)

10 Uhr: einen Snack besorgen

Nach den ersten Kaffees des Tages wird es Zeit für einen Snack: Die Biobäckerei Öfferl hat eine Filiale gleich um die Ecke vom Prückel, in der Wollzeile. Die Auswahl ist verlockend, aber in der Regel entscheide ich mich für ein Kipferl – das ist nicht, wie viele denken, die Wiener Variante des Croissants, sondern dessen Vorgänger. Man könnte also sagen, das Croissant wurde in Wien erfunden.

10:30 Uhr: im Stadtpark die Sonne genießen

Das Kipferl und einen weiteren Kaffee nehme ich to go und ziehe mich in den Stadtpark zurück, um die Sonne zu genießen, die an meinem perfekten Wien-Tag natürlich scheint. Nach dem Snack mache ich einen kleinen Rundgang durch den Park und freue mich darüber, wie entspannt die Menschen hier alle sind. Hier macht eine Gruppe Yoga, dort sitzen zwei ältere Männer beim Schachspielen, und im Skatepark zeigen Jungs und Mädchen, was sie draufhaben.

11:30 Uhr: das Schnitzel links liegen lassen

Weiter geht’s! Mein Weg führt mich am Restaurant Meissl & Schadn vorbei, wo ich einen Blick in die offene Küche werfe: Hier werden schon tüchtig Schnitzel geklopft. Aber da ich gerade gegessen habe, lasse ich das Toprestaurant links liegen und schaue dem bunten Treiben vor der Karlskirche und der Technischen Universität zu. Natürlich trinke ich dazu einen weiteren Kaffee. Den Treibstoff meines Vormittags gibt’s hier bei einem sogenannten Coffeebike: ein Lastenrad, ein Barista, eine Siebträgermaschine – perfekter Kaffee.

12:30 Uhr: Brötchen zum Verlieben

Nach einem so koffeingeschwängerten Start in den Tag fühle ich mich reif für den Trubel der Wiener Innenstadt. Ich lasse mich ein wenig treiben Richtung Stephansplatz mit dem weltbekannten Dom, schaue vielleicht in das ein oder andere der vielen Geschäfte ums Eck. Sollte ich inzwischen wieder Hunger haben, zieht es mich unweigerlich zu Trzesniewski – die sind für ihre belegten Brötchen so berühmt wie der Stephansdom für seine markante gotische Fassade. I love it!

13:30 Uhr: tropisches Flair mitten in Wien

In Wien geht man viel zu Fuß – und hält dabei die Augen offen, um all die prachtvollen Bauten aufzunehmen. Ich schlendere an der Oper vorbei und an der ihr gegenüberliegenden Albertina. In diesem Museum gibt es fast immer tolle Kunstausstellungen, aber heute zieht es mich des schönen Wetters wegen Richtung Palmenhaus gleich nebenan im Burggarten. Hier lässt sich tropisches Flair mitten in Wien genießen, auf der Terrasse flattern Schmetterlinge umher.

Menschen entspannen sich auf der Wiese vor dem Palmenhaus in Wien
Tropisches Flair mitten in Wien: das Palmenhaus im 1. Bezirk (© Gregor Lechner)
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15 Uhr: Kunst oder Natur?

Sehenswert sind auch die Zwillingsmuseen – das Kunsthistorische und das Naturhistorische –, die sich am Maria-Theresien-Platz gegenüberstehen. Sie sind beide von außen spektakulär und von innen hochinteressant. Welches man besucht, kann man ja einfach von der Tagesform abhängig machen. In beiden kann man Stunden verbringen und hat dennoch längst nicht alles entdeckt.

17 Uhr: ein Klassiker zum Aperitif

Nach einer Bummelei durch die Josefstädter Straße mit ihren vielen kleinen Shops zieht es mich auf eine Erfrischung ins Zum Schwarzen Kameel. Das wird zwar auch in den meisten Reiseführern angepriesen, hat sich aber seinen ursprünglichen Charme erhalten, weil es weiterhin vorwiegend von Wiener:innen frequentiert wird. Es wäre verlockend, hier nach dem Aperitif einfach sitzen zu bleiben und zu Abend zu essen – die Küche ist vielgerühmt –, aber heute habe ich mir schon ein anderes Ziel gesetzt.

Lobby im The Hoxton Vienna mit Kunst und Pflanzen
The Hoxton Vienna: elegant, modern – und mit Party-Pool auf dem Dach (© Julius Hirtzberger)
Natur- und Kunsthistorisches Museum in Wien
Spektakulärer Anblick: die Zwillingsmuseen am Maria-Theresien-Platz (© Alamy)
Traditionelles Wiener Gericht „Mayer mit Hut“ auf einem weißen Teller
Woanders würde man es Frikadelle oder Hackbraten nennen: In Wien ist es aus Kalbfleisch und heißt Butterschnitzel (© Mayer mit Hut)

19 Uhr: Schnitzel auch mal ohne Panade probieren

Dieses Ziel ist Plachuttas Gasthaus zur Oper, eines meiner Lieblingsrestaurants und der weniger bekannte Ableger des weltberühmten Gasthauses Plachutta. Hier geht es etwas ruhiger zu, die Wiener Spezialitäten vom Schnitzel bis zum Tafelspitz schmecken aber nicht weniger lecker. Mein Tipp für alle, die mal keine Lust auf das Wiener Schnitzel mit seiner Panade haben: Probieren Sie das faschierte Butterschnitzel, da kommt der Kalbgeschmack so richtig raus.

21 Uhr: klassischer Cocktail oder karibischer Urlaubsspaß

Nach dem Essen zieht es mich dann noch in eine Bar: Je nach meiner Stimmung geht es ins Kleinod, eine klassisch-elegante Cocktailbar, oder auf die Dachterrasse des Hotels The Hoxton. Hier ist bei gutem Wetter der Pool bis spät in die Nacht geöffnet, und es herrscht karibisch angehauchte Urlaubsstimmung. Und wenn die Nacht doch mal länger wird und der kleine Hunger sich meldet, gibt es eigentlich nur ein Ziel: den Würstelstand Bitzinger neben der Albertina. Hier schmeckt der Käsekrainer um zwei Uhr nachts einfach fantastisch.

Zur Person

Julien Behringer hat einen Studienabschluss in Tourism & Hospitality Management und arbeitet seit 2023 als Flugbegleiter für die Lufthansa. Er wurde in Wien geboren und ist dort aufgewachsen, lebt heute aber vorwiegend in Frankfurt. Auch wenn ihm die Mainmetropole gut gefällt – sein Herz hängt an Österreichs Hauptstadt.

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