Gasse mit kleinen Holzhäusern im retro-modernen Stil in Seoul

On the Scene Seoul: Einheimische über aktuelle Trends ihrer Stadt

Reisejournalistin Hallie Bradley lebt seit fast zwanzig Jahren in Seoul und hat ein Faible für Orte, die nicht im Reiseführer stehen. Hier ihre persönlichen Highlights aus der Neun-Millionen-Metropole

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3 Min. Lesezeit
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Ich weiß, die meisten Tourist:innen in Seoul haben genug von Top-Ten-Listen – ich übrigens auch. Genau deshalb habe ich meinen Blog The Soul of Seoul gegründet: um die Ecken zu zeigen, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Das Großartige an dieser Stadt ist, dass sich die spannendsten Orte oft direkt neben den bekannten Sehenswürdigkeiten verstecken. Man muss nur wissen, wo man sucht.

„Das Großartige an dieser Stadt ist, dass sich die spannendsten Orte oft direkt neben den bekannten Sehenswürdigkeiten verstecken.“
Hallie Bradley

Kunstgalerien und Cafés zwischen Metallwerkstätten

Zum Beispiel in Mullae, früher ein lautes, schmutziges Industrieviertel. Nachdem immer mehr Hallen leer standen, zogen Künstler:innen ein – auf der Suche nach günstigen Arbeitsräumen. Als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal im Mullae Arts Village war, begannen sie gerade damit, Ateliers in alten Werkstätten aufzubauen. Heute arbeiten hier über 300 Kreative in mehr als 100 Studios – Maler:innen, Fotograf:innen, Musiker:innen … Viele Galerien verstecken sich in den oberen Etagen, erreichbar nur über enge Treppenhäuser. Wer zwischendurch eine Stärkung braucht: Ein paar kleine Cafés und Restaurants haben sich hier angesiedelt, ich mag die Kuchen bei Rust Bakery und die Sandwiches von Goatt Delicatessen.

Stylish wie ein Science-Fiction-Film

Der Oil Tank Culture Park ist einer meiner Lieblingsorte in Seoul. Sechs riesige, stillgelegte Öltanks wurden in Ausstellungsräume, Klangkammern, Open-Air-Bühnen und sogar einen Glaspavillon verwandelt – ein bisschen postapokalyptisch, aber vor allem sehr ästhetisch und fotogen. Wie in einem stylishen Film, der in der Zukunft spielt. An einem Wochenende gibt’s hier einen Designmarkt, am nächsten tanzt eine Avantgarde-Gruppe in einem der Tanks oder ein Kinder-Scooter-Rennen startet zwischen den Industrieruinen. Und wenn es Ihnen doch mal zu trubelig wird, führt ein kurzer Wanderweg durch den angrenzenden Wald auf die Anhöhe Maebongsan.

Porträt von Hallie Bradley mit Halstuch vor rosa Hintergrund
Hallie Bradley bloggt über Seouls Cafés, Kulturorte und stille Ecken fernab der Top-Ten-Listen (© Hallie Bradley; Header-Bild © Shutterstock)
 Grünes Ufer am Han-Fluss mit Blick auf Seouls Skyline
Seonyudo Park ist die perfekte Auszeitinsel – mitten im Han-Fluss, mit Blick auf Seouls Skyline (© Shutterstock)
Betonhalle mit Holzdeckenlicht im modernen Kulturzentrum in Seoul
Ausstellungen, Konzerte und Theaterperformances – willkommen im Oil Tank Culture Park (© Alamy)

Eine autofreie Insel mitten in Seoul

Mein Rückzugsort? Seonyudo Park – eine Insel im Han-Fluss, die über eine eigene Fußgängerbrücke erreichbar ist. Früher standen hier Wasseraufbereitungsanlagen, heute ist die autofreie Insel ein ökologischer Park. Moos überwuchert den alten Sichtbeton, und die Natur holt sich das Gelände langsam zurück. Es gibt einen flachen Wasserspielplatz für Kinder, eine kleine Ausstellung zur Flussgeschichte – und viel Raum zum Abschalten und Nachdenken. Wer möchte, kann ganz entspannt einmal um die Insel spazieren, mit Blick auf den Han und die Skyline von Seoul. Picknickdecke und Lieblingssnacks nicht vergessen!

Neonlichter und Hinterhofcharme

Euljiro wirkt auf den ersten Blick wie ein Gewirr aus Eisenwarenläden und Druckereien. Doch wer nachmittags oder abends durch die Gassen streift, entdeckt hinter alten Werkstatttüren stilvolle Bars, kleine Galerien und Cafés wie das Coffee Hanyakbang – früher eine Kräutermedizin-Apotheke. Liebhaber:innen von Indie-Kunst und -Magazinen können sich in zahllosen Shops glücklich kaufen. Und am Abend tauchen Neonlichter das Viertel in ein ganz besonderes Licht – perfekt für Street Photography.

Das Schönste an Seoul? Die besten Orte stehen nie auf Schildern. Man biegt einfach ab, steigt eine rostige Treppe hinauf – und landet in einem Café, das man nie mehr vergisst. Wer Seoul wirklich erleben will, folgt nicht dem Strom, sondern der eigenen Neugier.

Zur Person

Hallie Bradley ist Reisejournalistin und Gründerin des Blogs The Soul of Seoul. Ursprünglich aus den USA, lebt sie seit 2006 in Seoul und schreibt über Orte, die man nicht auf Anhieb findet – aber umso länger im Kopf behält.

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