Lufthansa Highlights Buenos Aires

 

Lufthansa Highlights Reisebericht Buenos Aires

 
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Lufthansa Highlights Buenos Aires: Loblied auf eine Stadt

Falls nötig, fahre ich sogar zweimal am Tag in die Stadt. Das macht mir nichts aus. Und wenn doch, ließe es sich nicht ändern: Buenos Aires übt eine starke Anziehung aus.

Warum ich Buenos Aires liebe? Schwierig zu beantworten, so schwierig, als müsste man etwas Eindeutiges über die Liebe sagen. Vielleicht weil in dieser Stadt immer etwas los ist. Weil sie schön ist, aber auch wahrhaftig. Weil sie so viele Theater, Cafés und Buchhandlungen hat und Bäume und Grünflächen. Weil diese Stadt gleichzeitig klassisch und modern ist. Und weil hier immer irgendwo ein Freund wartet, mit dem man Kaffee trinken kann. Oder der Freund eines Freundes oder der Freund eines Freundes eines Freundes.

Heute frühstücke ich in der Bar des Evita-Museums im Stadtteil Palermo. Dort sitze ich in dem lichtdurchfluteten, schwarzweiß gefliesten Innenhof. An der Seite ist eine über und über mit Blumen in allen Farben bewachsene Treppe. Bar und Museum befinden sich in einem kleinen Palast vom Anfang des 20. Jahrhunderts. 1948 hat die Eva-Perón-Stiftung dort ein Wohnheim für mittellose Frauen und ihre Kinder eingerichtet. Noch heute ist Evitas Anwesenheit zu spüren: Das Museum hat Kleider, Schuhe und Hüte aus ihrer Garderobe. Und Evitas Briefe an ihren Mann Juan Perón, den früheren Präsidenten Argentiniens. Und Film- und Tonaufnahmen von ihr.

Ich bewundere diese außergewöhnliche Frau, vor allem aber den Mythos, den sie um sich geschaffen hat. Ich habe noch eine Stunde Zeit bis zu meiner Verabredung. Also mache ich einen Spaziergang durch den Parque Tres de Febrero in Palermo, wenige Querstraßen von hier. Ich betrete den Dichtergarten. Dort stehen Statuen von Schriftstellern aller möglichen Nationalitäten, Jorge Luis Borges in Gesellschaft von William Shakespeare, Dante, Alfonsina Storni. Irgendwann schlägt mir ein süßer Duft entgegen, der Weg durch den Dichtergarten endet an einer großen Anpflanzung mit den verschiedensten Rosensorten.

Dahinter glänzt der See. Leute umkreisen ihn, gemächlich schlendernd, joggend, auf Rollschuhen. Oder sie machen Gymnastik, Yoga oder lernen Salsa tanzen. Gerne würde ich mich anschließen, doch ich habe anderes zu tun. Ich gehe hinüber zum Eduardo-Sívori-Museum für Bildende Kunst, mal sehen, was gerade gezeigt wird.

Heute habe ich keine Zeit, die Ausstellung anzuschauen, aber ich nehme das Faltblatt mit. Sobald ich kann, komme ich wieder. Im Restaurant Jardín Japonés bin ich zu einem Arbeitsessen verabredet, auf der Karte stehen Sushi und andere japanische Spezialitäten. Ich treffe den Produzenten meines nächsten Theaterstücks, das auf meinem Roman „Ganz die Deine“ basiert, und bespreche mit ihm, wo und wann es zum ersten Mal aufgeführt werden soll. Nachdem wir uns verabschiedet haben, schlendere ich noch ein Weilchen durch den Garten. Ich überquere die krumme Brücke, einen leuchtend roten Halbkreis, der sich ungeniert von all dem Grün abhebt. Die orangefarbenen Karpfen schwimmen träge in den Teichen.

Ich setze mich in die Sonne, schlage das Buch auf, das ich dabeihabe, und lese: „Wie bitte?“ von David Lodge, einer meinem Lieblingsautoren. Inzwischen hat der Nachmittag begonnen, ich fahre in den Süden der Stadt. Für einen Artikel, den ich für das Kulturmagazin Lamujerdemivida schreibe, will ich mir Silberschmuck ansehen. An der Plaza Dorrego, im Herzen des Stadtteils San Telmo, steige ich aus. Leider ist jetzt nicht Wochenende, sonst träfe ich hier auf den traditionellen Antiquitätenmarkt, und rings um mich wäre alles voll mit Straßenkünstlern, Porträtzeichnern, Bandoneon-Spielern, Tangotänzern. Ich bleibe vor einer lebenden Statue stehen, jemand hat sich als Che Guevara verkleidet. Ein Kind legt ein paar Münzen in das zu diesem Zweck bereitgestellte Körbchen. Ein Tourist fragt Che Guevara, ob er sich neben ihm fotografieren lassen darf. Che erlaubt es ihm. Ich suche mehrere Silberhändler auf und mache mir Notizen.

Nachdem ich genug Informationen gesammelt habe, gehe ich hinüber zum Puerto Madero, um dort spazieren zu gehen. Von dem Weg entlang dem Rio de la Plata und den ehemaligen Hafenanlagen hat man einen weiten Blick über die Stadt. Auf der einen Seite wird der Horizont von den modernen Hochhaustürmen begrenzt, die einen eigenwilligen Anblick bieten; das Ganze hat etwas von einer luxuriösen Geisterstadt.

Die Segeljachten, die Fußgängerbrücke des spanischen Architekten Santiago Calatrava, die nur zur Hälfte bewohnten Gebäude: lauter Stoff für eine Erzählung, die ich vielleicht eines Tages aufschreiben werde. Ich richte den Blick auf das nächstgelegene Gebäude und dort auf das einzige Fenster, das offen steht. Ich denke mir eine Geschichte aus: Wer wohnt dort? Warum? Wie lange schon?

Mein Weg endet am Museum Fortabat. Auch dieses Mal gehe ich hinein und sehe mir meine Lieblingsbilder an: die von Antonio Berni, jedes einzelne davon, oder das Bild von der Volkszählung zu Bethlehem von Pieter Brueghels dem Jüngeren – eine zutiefst literarische Darstellung, in der sich zahllose Geschichten entdecken lassen. Der Nachmittag geht zu Ende, am Puerto Madero wird es kalt. Besser, ich mache mich wieder in den Stadtteil Palermo auf.

Aber welches Palermo? Palermo Viejo, Palermo Soho, Palermo Hollywood, Palermo Queens, Palermo Botánico, Palermo Chico? Ich entscheide mich für Palermo Soho, weil ich Notizbücher, Papier und Stifte besorgen muss. Alejandra Pizarnik, eine unserer größten Dichterinnen, hat angeblich einmal das ganze Geld, das sie bei einem Literaturwettbewerb gewonnen hatte, für Schreibhefte, Notizbücher und Stifte ausgegeben. Dazu wäre ich auch imstande. In der Papelera Palermo kaufe ich ein Notizbuch mit einem geblümten Einband, einen goldfarbenen Buntstift, einen Radiergummi, der wie eine Zwiebel aussieht, und einen Bleistift. Die Bars an der Plaza Cortázar sind voller Leute, die hier den Tag ausklingen lassen wollen. Ich beschließe, meinen Tag in einem anderen Palermo zu beenden, in Palermo Hollywood.

Dort ist eine meiner Lieblingsbuchhandlungen: Eterna Cadencia. Ich gehe an den Büchern vorbei, das Schönste und Beste aus dem Reich der Literatur. Unter dem Glasdach der Buchhandlung trinke ich meinen letzten Kaffee und sehe zu, wie der Himmel sich verdunkelt. Zeit, nach Hause zu fahren. Aber ich erfahre, dass etwas später ein Podiumsgespräch mit zwei meiner Lieblingsschriftsteller auf dem Programm steht, Hernán Ronsino und Carlos Busqued. Also bleibe ich noch. Um neun Uhr am Abend steige ich in mein Auto und verlasse die Stadt. Ich weiß, dass um diese Zeit in Buenos Aires noch mindestens 100 Theatervorstellungen laufen, dass in den Milongas die ersten Tangos zu hören sind, dass die Leute sich in den Restaurants mit ihren Freunden zum Abendessen treffen. Ich werde eifersüchtig. Buenos Aires hat rund um die Uhr geöffnet, alles steht einem zur Verfügung, aber ich muss mich erst einmal ausruhen. Ich bin auf der Autobahn und verabschiede mich von meiner geliebten Stadt.

Aber nur für eine kurze Weile. Ich komme zurück, wer weiß, vielleicht schon morgen, wie es in dem Tango von Eladia Blázquez heißt: Nach Buenos Aires zurückzukehren hat etwas von einem magischen Ritual.

 
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