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Lufthansa Highlights Bangkok: "Und das Leben fließt wie Seide"

Das Geklapper der Webstühle ist schon von Weitem zu hören, immer dann jedenfalls, wenn nicht gerade ein Bus-Boot mit lautem Geknatter den Khlong-Saen-Saep-Kanal entlangfährt und das beschauliche Treiben jäh unterbricht.
Es ist eine trügerische Idylle. Die Farbe des Kanalwassers wechselt je nach Tageslicht von Dunkelgrau zu Schwarz, die winzigen Teakholzhütten am Ufer sind alt und baufällig, verschlissene Wäsche hängt zwischen Vogelkäfigen und Schlingpflanzen von nicht eben vertrauensvoll wirkenden Metallkonstruktionen. Und doch: Mitten in Bangkok, unweit der schwer befahrenen Rama-I.-Straße, der Mega-Malls am Siam Square und des imposanten National Stadiums, verbirgt sich ein kaum bekanntes Wohn- und Arbeitsviertel, in dem sich in den vergangenen 50 Jahren wenig verändert hat. Schon allein deshalb strahlt es einen ganz eigenen Charme aus.

In Niphon Manuthas’ Werkstatt treten drei Frauen barfuß in die Pedale ihrer Holzwebstühle und lassen kunterbunt schimmernde Seidenspulen zwischen den Ketten hin- und herschießen, ohne dabei ihre lebhafte Unterhaltung zu unterbrechen. Khun Malai arbeitet an einer Stoffbahn in leuchtendem Türkis. Eine Woche wird es wohl dauern, bis sie die 15 Meter, die ein Kunde bei Baan Krua Thai Silk bestellt hat, abliefern kann.

Die alte Weberin stammt aus dem Nordosten des Landes. Das Weben hat sie noch bei ihrer Mutter gelernt, denn in Thailands ländlicher Region Isan besitzt fast jede Familie ein paar Maulbeerbäume und einen Webstuhl. Doch dann zog sie nach Bangkok und suchte Arbeit. Baan Krua war damals das prosperierende Viertel der Seidenweber, und Niphon Manuthas’ Mutter gab dem jungen Mädchen einen Schlafplatz und eine Tätigkeit. Seitdem lebt sie hier, in der ältesten moslemischen Enklave der Stadt. Die Shopping-Malls von Siam, Chidlom oder Asoke - alle von Baan Krua aus bequem mit der Hochbahn zu erreichen - kennt sie nur vom Hörensagen.

In Baan Krua ist alles gleich geblieben: die Holzhütten und die schmalen Fußwege dazwischen, die 60 Jahre alten Webstühle, die archaischen Räder, die zum Aufspulen des Seidenschiffchens eingesetzt werden, die geschlungenen bunten Garnballen, die sich in großen Weidenkörben stapeln, die Hitze, die streunenden Katzen, der Staub.

Baan Krua ist ein Stadtteil mit stolzer Geschichte: König Rama I. hatte es im späten 18. Jahrhundert einer Gemeinschaft von Cham-Muslimen, die aus Kambodscha und Vietnam stammten und für Thailand in den Krieg gezogen waren, zum Geschenk gemacht. Das Stück Land befand sich damals östlich der noch jungen Hauptstadt Bangkok, die neuen Bewohner bauten eine Moschee und gruben einen Kanal bis zum breiten Fluss Chao Phraya. Sie bewahrten ihre kulturellen Eigenschaften und Traditionen, unter anderem die der Seidenweberei.

Niphon Manuthas holt aus seiner Vitrine einen alten Seiden-Sarong hervor, eine wunderbar leichte und in sanften Grün-, Gelb- und Orangetönen gewebte Stoffbahn. Die Mutter hatte sie für seinen Vater gefertigt, er trug sie zur Hochzeit. „Sehen Sie, was für eine Qualität das ist?“ fragt der Sohn stolz. Es waren unter anderen die karierten Sarongs von Niphon Manuthas’ Mutter Suree, die 1947 die Aufmerksamkeit von Jim Thompson erregten. Der in Bangkok lebende Amerikaner entdeckte die besonders fein gewebten Seidenstoffe auf einem der lokalen Märkte.
Thompson war so begeistert, dass er ein paar Muster mit nach New York nahm, wo sie offenbar großen Anklang fanden. Jedenfalls kam er nach Bangkok zurück und gründete 1948 die Thai Silk Company. Niphon Manuthas’ Mutter und andere Baan-Krua-Weberfamilien wurden an der Gesellschaft beteiligt, denn, so sagt William Booth, der in den sechziger Jahren bei Jim Thompson einstieg und heute noch als Geschäftsführer im Unternehmen tätig ist,"„mein Freund Jim war ein Idealist. Er wollte so viele Menschen wie möglich an seinem Erfolg beteiligen."

Bis heute bezieht Niphon Manuthas eine nicht unbeträchtliche jährliche Dividende von den inzwischen deutlich gestiegenen Anteilen, die seine Mutter ihm hinterlassen hat. Damit konnte er auch die geschäftlich schwierigen Jahre überbrücken, die auf ihn wie auf alle anderen Seidenweber in Baan Krua zukamen. Zunächst konnten sie ihre Stoffe noch für harte Dollar an den Big Boss verkaufen, der jenseits des Kanals in einem fantastischen Haus lebte und dort allabendlich mit Freunden feierte. Doch diese Ära war 1967 schlagartig vorbei, als Thompson spurlos im malaysischen Dschungel verschwand.

"Nach und nach sind fast alle Weberfamilien weggezogen", erzählt Niphon Manuthas, "ohne Jim Thompson sahen sie keine Zukunft in ihrem Handwerk." Er jedoch blieb und hat heute gut zu tun. Seine Stoffe sind an Kissen, Fenstern und Polstermöbeln in Bangkoker Luxushotels wie dem Oriental und dem Shangri-La zu sehen, sie werden von wohlhabenden Thailändern für ihre Hochzeitsgewänder bestellt und bis nach Italien, Holland und in die USA verkauft. Wer möchte, kann sich direkt in der Werkstatt ein paar Meter von einem der Ballen abschneiden lassen - die Preise von bis zu höchstens 600 Bath (rund 14 Euro) pro Meter sind für diese Qualität wohl weltweit einzigartig.

Gleich nebenan hat Uncle Aood seine Werkstatt. Er kam erst später, aber immerhin auch schon vor über 50 Jahren mit seinen Eltern nach Baan Krua und begann als Elfjähriger, in der familieneigenen Färberei zu helfen. Heute beschäftigt der schweigsame Kettenraucher noch fünf Personen, darunter auch zwei Weberinnen, die für ihn die traditionellen karierten Seidenstoffe produzieren. Auch sie sind schon ewig im Viertel und erinnern sich noch gut an die Zeiten, als in jedem Haus die Webstühle ratterten und die frisch gefärbten Seidengarne bündelweise an Bambusstangen zum Trocknen über den Kanal gehängt wurden.

Der Sohn hilft dem Vater bei der Arbeit, aber übernehmen möchte er den Betrieb nicht. „Zu harte Arbeit, zu wenig Geld“, sagt er lakonisch. „Du musst eben innovativer werden“, sagt Pattramas Manuthas, die alle Farbtöne mit ihm bespricht und gelegentlich Sonderwünsche hat. Sie experimentiert gern mit extravaganten Kombinationen wie Orange und Pink, oder Apfelgrün und Aquamarin. "Wir müssen uns anstrengen", glaubt sie, "und mit der Zeit gehen, nur so können wir überleben." Dann verabschiedet sie sich. Sie ist mit Freunden am nahen Siam Square verabredet. Im Gegensatz zu ihren Weberinnen weiß sie genau, wo der Puls der Stadt schlägt - und wie wichtig es ist, ihn zu spüren.

 

Fotos: Cedric Arnold (6), getty image

 
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