Thema des Monats - Kultur

 

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Kapstadt - Suche unter dem Regenbogen

Kapstadt – das ist der Stoff, aus dem Sonntagsmalerträume sind. Türkisblaues Meer am Fuß des Tafelbergs, samten schimmernde Strände, das Kap der Guten Hoffnung im Morgenlicht. Überfließende Schönheit und Harmonie mit einem Klecks buntafrikanischer Kultur.

Genau diese Mischung spiegelt sich wider in den vielen Galerien der Stadt. Afrikanische Kunst im Ethno-Stil ist vor allem bei Touristen gefragt: lebensfroh, exotisch, dekorativ. Die Regenbogennation auf Leinwand, eine tanzende Wasserträgerin, vielleicht noch ein wilder Löwe dazu. Doch die wirkliche Welt afrikanischer Kunst sieht ganz anders aus.

„Es gibt entschieden zu viele hübsche Bilder hier“, sagt Dathini Mzayiya. Der junge Maler sitzt im aufgeräumten Chaos seines Ateliers in Kapstadt. Die Holzdielen sind übersät mit Klecksen. Auf den Leinwänden regieren düstere Farben und kräftige Pinselstriche. Dathini Mzayiya weiß wohl, mit welcher Art Kunst er viel Geld verdienen könnte, er weiß, was der Massenmarkt verlangt. Doch er verweigert sich bewusst: „Ich male, was ich sehe und was ich wichtig finde.“

Mzayiya gehört zu einer Generation junger südafrikanischer Künstler, die sich gegen alle Klischees wenden und endlich für sich selbst sprechen wollen. Wie seine Kollegen vom Künstlerkollektiv Gugulective, benannt nach Gugulethu, einem der ältesten schwarzen Townships in Kapstadt, sieht Mzayiya hinter der ansprechenden Fassade Kapstadts Risse, Verwerfungen und Widersprüche. Auf die will er hinweisen: „Die Stadt sucht ihre Identität. Man wirft ihr vor, nicht afrikanisch genug zu sein. Doch Afrika ist in Kapstadt, und Kapstadt ist in Afrika.“

Unbequem sind die Bilder des Gugulective, sie zeigen das Leben in den Townships an der Peripherie der Stadt – mal witzig, mal ernüchternd, nie beschönigend. Und Gugulective steht nicht allein: Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo etwa erobert gerade den internationalen Markt mit seinen sensiblen Kompositionen afrikanischer Alltagsszenen. Ob Hyänenmänner in Nigeria, Honigsammler in Ghana oder Pfadfinder in Liberia: Seine Bilder erlauben intime Blicke auf Menschen, ganz ohne den oft gepflegten Voyeurismus des weißen Betrachters.

Zu sehen sind Hugos Fotografien in der Stevenson Gallery, die seit ihrer Eröffnung 2003 neue Akzente in der Kapstädter Kunstszene setzt. „Wir haben mehr als 20 Künstler unter Vertrag“, sagt Direktorin Sophie Perryer, „darunter einige der bekanntesten des Landes wie die Fotografen Guy Tillim und Bernie Searle oder vielseitige Nachwuchskünstler wie Nicolas Hlobo und Nandipha Mntambo.“

Die meisten Kunden kommen aus dem Ausland. Zeitgenössische südafrikanische Kunst verkauft sich so gut wie nie und ist mittlerweile auf allen wichtigen Kunstmessen der Welt vertreten. „Seit dem Ende der Apartheid ist die Nachfrage stetig gestiegen, besonders aber in den letzten Jahren“, sagt Perryer.
Inzwischen zeigten die Werke einheimischer Künstler viel mehr Reife. „Und im internationalen Vergleich merkt man, dass sich afrikanische Künstler noch mit echten Problemen auseinandersetzen müssen. Daneben wirkt Kunst aus Europa und Nordamerika oft flach und kraftlos, trotz aller Brillanz und Professionalität.“

Sophie Perryer weiß, wovon sie spricht. Sie ist Autorin des Buchs „10 Years 100 Artists: Art in a Democratic South Africa“ (Struik, Kapstadt, 2005, www.struik.co.za ), eines der besten Übersichtswerke für moderne Kunst am Kap. „Ich habe Kunst studiert, weil ich selbst als Künstlerin arbeiten wollte“, sagt sie, und man glaubt, Wehmut in ihrer Stimme zu hören. Doch da war auch ihre Liebe zur englischen Sprache, und so verbrachte sie einige Jahre im Kulturjournalismus und gründete schließlich die mittlerweile wohl wichtigste Kunstzeitschrift des Landes, Art South Africa (www.artsouthafrica.com).

Die Stevenson Gallery ist bekannt für ihren ausgewogenen Mix aus international renommierten und aufstrebenden afrikanischen Künstlern. Ähnlich sortiert ist die Goodman Gallery, beide Häuser sind deshalb ein Muss für Sammler.
Wer sich lieber auf seinen eigenen Instinkt verlässt, sollte bei der Association for Visual Arts (AVA) vorbeischauen. In den Räumen eines historischen Gebäudes mitten in der Innenstadt kann man mit etwas Glück und für recht wenig Geld Werke von Künstlern finden, die am Anfang ihrer Karriere stehen. „Wir leisten uns den Luxus, Risiken einzugehen“, sagt Galeriechefin Kirsty Cockerill.

Weil genug Spenden zusammenkommen, können hier junge Künstler günstig ausstellen und Erfahrung sammeln. Keine Galerie in Kapstadt bietet so viele ständig wechselnde Ausstellungen wie die AVA. „Zu uns kommen die etablierten Galerien, um sich die Talente auszusuchen“, sagt Cockerill.
Auch Dathini Mzayiyas Bilder waren hier schon mehrmals zu sehen. Cockerill erzählt, dass der Künstler im Kapstädter Mega-Township Khayelitsha aufgewachsen ist: „Er hat nie eine Kunstschule besucht.“ Die AVA verhilft zu mehr Bekanntheit, und kürzlich wählte ein südafrikanisches Lifestyle-Magazin eines seiner Gemälde zum Covermotiv. „Ich habe schon in der Schule gezeichnet, ständig“, sagt Mzayiya dazu achselzuckend.

Heute wartet der Nachwuchskünstler, der sich ein Atelier in der Innenstadt mit vier Freunden teilt, auf den Durchbruch in die Welt der großen Galerien und Kunstmessen. Seine Bilder erinnern mal an Pablo Picasso, mal an Franz Marc. „Ich lasse mich vom Alltag inspirieren, von Menschen, ihrer Interaktion und ihren Gesten“, so Mzayiya. Immer wieder wählt er sich städtische Räume und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen als Thema.

Die Apartheid mag vorbei sein, „doch sie ist so offensichtlich wie eh und je. Wir haben immer noch Wellblechhütten, die Stadt ist in Wohngebiete für unterschiedliche Rassen aufgeteilt, getrennt durch Autobahnen und Gleise. Wir sind frei, aber wir haben noch nicht zueinander gefunden. Es regiert die Ignoranz. Das sind die Wunden, die wir heilen müssen“.

So schnell wird den Künstlern am Kap der Stoff also nicht ausgehen. Zudem entwickelt sich Südafrika zum Schaufenster des gesamten Kontinents – und zum Kunstzentrum. Mehr und mehr Galerien nehmen Künstler anderer afrikanischer Länder unter Vertrag. „Wir blicken bewusst über den Tellerrand hinaus“, sagt Galeriedirektorin Sophie Perryer, „in Afrika liegt für uns die Zukunft.“

 
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