Lufthansa Highlights Stockholm/Gotland

 

Lufthansa Highlights Reisebericht Stockholm/Gotland

 
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Lufthansa Highlights: "Gotland - mordsmäßig schön"

Man muss die Einsamkeit schon sehr lieben, um so wohnen zu wollen wie Håkan Nesser - oder einfach eine große Leidenschaft fürs Klischee entwickelt haben: „Hier will ich sterben“, sagt der schwedische Bestsellerautor, während er uns durch sein neues Eigenheim führt, „von hier aus soll mein letzter Blick in die Welt gehen.“
Der schlaksige 61-Jährige ist nicht nur einer der erfolgreichsten Kriminalschriftsteller Europas, sondern auch einer der fleißigsten: Seit 1993 hat er jedes Jahr ein neues Buch veröffentlicht. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, teilweise mehrfach verfilmt, neben Stars wie Henning Mankell oder Stieg Larsson gilt Nesser als wichtigster Vertreter des skandinavischen Krimis.

Es gehört also zu seinem Beruf, den Tod zu inszenieren, letzte Worte sind Nessers Metier. Und scheinbar auch letzte Blicke. Bei der Planung seines eigenen Ablebens hat er jedenfalls eine ausgezeichnete Wahl getroffen: Durch die Panoramafenster seiner minimalistisch designten Holzvilla sieht er hinaus auf eine Landschaft, die sich als romantisch, vielleicht sogar als ein bisschen kitschig bezeichnen lässt. Oder, bei entsprechender Gemütsverfassung, auch als postapokalyptisch.

Direkt vor dem Haus liegen ein verlassener Sandstrand und eine kleine Bucht, die von der untergehenden Sonne in ein warmes Licht getaucht wird. Hinter dem Grundstück erstreckt sich die Halbinsel Furillen. Menschenleer, bewachsen von ein paar Bäumen, ansonsten sind da nur weite Felder nackten Kalksteins.

Furillen, bis in die neunziger Jahre noch militärisches Sperrgebiet, ist Teil der südschwedischen Ostseeinsel Gotland. Für schwedische Sommerfrischler gehört Gotland zwar zu den beliebtesten Zielen, „aber der Sommer dauert hier glücklicherweise nur bis Ende Juli“, sagt Elke. „Ich liebe die Insel vor allem außerhalb der Saison, wenn wieder Stille einkehrt.“ Dann, im Herbst, spätestens aber während der langen Winter, zieht sich das verbliebene Leben nach Visby zurück, in die mittelalterliche Inselhauptstadt.

Dort hatten wir die Nessers am Morgen getroffen. Mit strammem Schritt und in Gummistiefeln stapft Håkan durch den Kern der ehemaligen Hansestadt, besteht darauf, die schwere Ausrüstung des Fotografen zu tragen, erkundigt sich nach unserer Anreise, zwischendurch spielt er den Fremdenführer.

„Stadt der Rosen und Ruinen“ wird der Ort auch genannt. Seinen Spitznamen verdankt er, jedenfalls zur Hälfte, einem Ereignis, das fast ein halbes Jahrtausend zurückliegt: 1525 griffen Lübecker Truppen die Insel an und brannten fast alle Kirchen nieder, die steinernen Mauern stehen bis heute. Ansonsten haben Restauratoren hier aber ganze Arbeit geleistet. Die mehrere Kilometer lange Stadtmauer wurde mitsamt ihren Türmen und Toren nahezu vollständig erhalten, ebenso die Kathedrale.

Die alten Häuser im Stadtkern werden jetzt immer öfter von Künstlern, Schauspielern oder Politikern als Zweitwohnsitz genutzt. Längst hat sich Schwedens Prominenz in Visby (22 000 Einwohner) ausgebreitet - weshalb es auch Restaurants wie das 50 Kvadrat gibt: Inhaber Fredrik Malmstedt zählt zu den besten Köchen des Landes.

Mittags öffnet Malmstedt normalerweise nicht, für Nesser macht er aber eine Ausnahme. Denn in Schweden ist der Schriftsteller viel mehr als nur einer, der Krimis schreibt, um mit seinem Werk zu unterhalten: Sein Roman „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ gehört für viele schwedische Schüler zur Pflichtlektüre, von Kritikern wird er mit Stephen Kings „Stand By Me“ oder sogar Mark Twains „Tom Sawyer“ verglichen.

„Der Mord ist Dreh- und Angelpunkt“, sagt Nesser über seine Geschichten, „er verknüpft die Schicksale von Täter und Opfer, stellt Fragen, verweist auf das gesamte Leben eines Menschen.“ Ob er als Kriminalschriftsteller gesehen werde, interessiere ihn nicht wirklich, das beschäftige eher den Buchhandel und die Verlage: „Krimis verkaufen sich eben besser.“

Nach dem Mittagessen verlassen wir Visby. Gotland ist mehr als dreimal so groß wie Rügen, über 30-mal so groß wie Sylt. Außerhalb der Hauptstadt wirkt die Insel kein bisschen schick, sondern „wie eine Mini-Version unseres Landes“, sagt Elke Nesser: „Im Süden grün, sanft und sandig, im Norden dagegen karg, rau und spröde.“

Und dann sind da diese kleinen, zeitlosen Orte, mit Menschen wie aus dem Schweden-Bilderbuch. Etwa das ehemalige Fischerdorf Sysne an der Ostküste. Zwölf geduckte Hütten, im Wasser ein einsamer Kutter, an Land ein letzter Einwohner. Doch noch immer weht beißender Qualm über die flachen Dächer. Denn der Fischer Sten Nordin lebt zwar nicht mehr selbst im Dorf, betreibt aber hier seine Fiskbutik, wo er Lachs, Steinbutt und Scholle räuchert und verkauft. Aus ganz Gotland reisen die Leute an, um sich einzudecken.

Fürs Dinner schlagen die Nessers das Hotel Fabriken Furillen vor, neben ihrem eigenen Haus das einzige bewohnte Gebäude auf der Halbinsel Furillen: Grau in grau erheben sich Kalksteinhalden neben den alten Fabrikgebäuden eines ehemaligen Steinbruchs, vor ein paar Jahren wurde das bizarre Industriedenkmal zu einem Designhotel umgebaut.

Wie schon beim Lunch gibt sich Håkan Nesser als ausgezeichneter Erzähler. Nett, der Mann, wirklich nett. Warum beschäftigt sich so jemand immer wieder freiwillig mit Mord und ähnlich garstigen Dingen? „Aber die Leser machen das doch auch. Und ein Buch zu schreiben ist nicht viel anders, als eines zu lesen“, meint der Autor.

Später, im Kaminzimmer, erzählt Håkan, wie er seine Begeisterung für Furillen entdeckte: Vor ein paar Jahren wurde eines seiner Bücher auf Gotland verfilmt, zusammen mit dem Team kam er spät nachts im Hotel Fabriken an, von der Umgebung war in der Finsternis nichts zu sehen. Am frühen Morgen sei er dann aufgewacht und habe schlaftrunken diese endzeitliche Landschaft gesehen. Über diesen ersten Eindruck von Gotland sagt er: „Ich dachte, ich wäre tot und in der Hölle.“

 
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