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Lufthansa Highlights Reisebericht New York

 
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Lufthansa Highlights: "Selig im Deli"

"Sweetheart, du kennst Pastrami nicht?", fragt Jenny, eine leicht füllige und schlecht blondierte Bedienung im Stage Deli an der 7th Avenue mit unverhohlenem Erstaunen, "das ist ein Sandwich mit geräuchertem Ochsenfleisch und süssem Senf. Wir haben die besten der Welt. Soll ich dir eins bringen?"

Es ist neun Uhr morgens, eher Zeit für einen getoasteten Bagel mit Butter und Marmelade. Am Nebentisch sitzen zwei elegante und gertenschlanke Damen, die über eine Premiere an der Met plaudern. Mit einem lakonischen "enjoy, ladie" knallt Jenny den beiden einen Teller auf den Tisch, darauf liegen zwei Fleischberge zwischen feinen gerösteten Brotscheiben. Offensichtlich empfindet Kellnerin Jenny es als unangemessen, wenn sich Gäste ein Pastrami-Sandwich teilen wollen, wie sie es wohl auch als unangemessen empfindet, so dünn zu sein.

Delis locken in New York an jeder Straßenecke, doch nur wenige sind echt. Die echten haben Kultstatus und eine lange Geschichte. Sie waren einst bessere Imbisslokale mit koscherer Küche, eröffnet und frequentiert von jüdischen Einwanderern, die auch in der Neuen Welt nicht auf ihre "Matzo-Ball"-Hühnersuppe oder auf ihren "gefillte" Fisch verzichten wollten. Das älteste steht an der Houston Street in der Lower East Side, dort, wo für alle Immigranten das neue Leben in New York begann.

Katz’s Deli eröffnete 1888 und ist eine New Yorker Institution, weltweit bekannt spätestens seit der legendären Stöhnszene der Schauspielerin Meg Ryan im Film "Harry & Sally". Katz’s ist großräumig, hoch und hell beleuchtet. Auf rötlichem Terrazzo-Boden stehen tausendfach geschrubbte Tische und abgewetzte Stühle in langen Reihen, die Wände sind voll behangen mit Bildern von Gästen, darunter viele Prominente wie Jerry Lewis, Tom Hanks, Rudy Giuliani, Liv Tyler und Tony Curtis. "Und fünf amerikanische Präsidenten", fügt Inhaber Alan Dell stolz hinzu.

Die Auswahl der Gerichte ist endlos: Die Hotdogs mit Rinderwurst, Sauerkraut, Zwiebeln und Ketchup gelten als die besten der Stadt, es sind altmodische Spezialitäten aus Osteuropa wie Zunge mit Ei oder New Yorker Klassiker wie "Bagel, Lox & Cream Cheese" zu haben. Natürlich kein Schweinefleisch, und streng genommen dürfte es auch kein Reuben-Sandwich mit gepökeltem Rindfleisch, Sauerkraut, russischem Dressing und Schweizer Käse geben.

"Juden würden niemals Käse mit Fleisch kombinieren", erklärt Dell, doch das Gericht ist so beliebt, dass es inzwischen jedes Deli auf der Karte hat. Bestseller aber sind die klassischen Pastrami- und Cornedbeef-Sandwiches. Bis zu 4500 Kilo Rindfleisch werden pro Woche im Katz’s Deli konsumiert, immer in der eigenen Küche gekocht, gepökelt oder geräuchert und immer per Hand geschnitten.

Rund 400 Gramm Fleisch sind in einem Pastrami-Sandwich enthalten, kein Wunder, dass vor allem Frauen gerne teilen. "Finde ich okay", grinst Dell, "Damen dürfen hier eh fast alles." Er ist nicht nur ein Wirt alten Schlages, sondern auch ein Gentleman, immer bereit, einer Frau in den Mantel zu helfen. "Das habe ich von meinem Vater und von meinem Großvater gelernt", sagt er lachend, "und deswegen sind so viele Ladys bei uns."

Auch Abraham Lebewohl war wohl ein Gastgeber der alten Schule, bevor er 1996 vor seinem Deli auf der Second Avenue erschossen wurde. Noch heute hängt ein Schreiben im Fenster, das jedem 100 000 Dollar Belohnung verspricht, der Hinweise zur Erfassung des Mörders liefert. Das Second Avenue Deli gehört zu den schönsten, kleinsten und stilvollsten Delis der Stadt: gekachelte Wände, Mosaikboden, alte Wandlampen, Holztische und mit dunklem Leder bezogene Bänke und Stühle.

Wer einen freien Platz ergattert, bekommt sofort eine Karaffe mit Zitronenwasser, eine Schüssel Krautsalat und eine Schale mit eingelegten Gurken auf den Tisch gestellt. Auch hier werden vor allem Pastrami-Sandwiches bestellt, gerne mit einer Portion russischem Salat oder mit Pommes frites. 14,25 Dollar kostet eine Portion Pastrami, dazu kommen 4,95 Dollar für den Salat und noch mal das Gleiche für die Pommes. Alles in allem ein vernünftiger Preis für eine Mahlzeit, die bequem für zwei Personen reicht.

Etwas teurer wird es im Carnegie, dem wohl berühmtesten Deli New Yorks. Dafür ist das "Woody-Allen-Pastrami" für 16,95 Dollar zu haben, benannt nach einer Filmszene in "Broadway Danny Rose", die hier spielt. Das Carnegie ist klein, die Backsteinwände sind von oben bis unten mit Fotos von Gästen behängt. Auch hier viele Celebrities, Mel Brooks, Barbra Streisand oder eben Woody Allen.

Mittags formt sich eine Schlange vor der Tür, wer in Ruhe essen möchte, kommt besser etwas später. Ohnehin hat dieses Deli wie die meisten anderen auch sehr kundenfreundliche Öffnungszeiten: Vom Morgengrauen (6.30 Uhr) bis zum Wahnsinn (4 Uhr morgens) ist an der Tr des Carnegie zu lesen.

Ganz gut kommen andere Delis ohne Prominenten-Bonus aus. In Ben’s Deli etwa in Midtown Manhattan verirrt sich kaum ein Tourist, obwohl es hier neben Spezialitäten wie "Kreplach" (mit Fleisch und Kartoffeln gefüllte Teigtaschen) oder Kohlrouladen auch ein reines Art-déco-Interieur gibt und so viel Platz wie in einer Bahnhofshalle. Oder Artie’s Deli an der Upper West Side. Auch dies ist ein weitläufiges Lokal in schönem Schwarz-Weiß-Styling mit alten Lampen, verspiegelten Wänden und Marmortischen. Von den Fensterplätzen aus ist das Treiben am Broadway zu beobachten.

Guido, einer der altgedienten Kellner hier, kennt viele Gäste, denn es sind vor allem Einheimische aus den Straßen der Umgebung, die sich blintzes (feine, mit Frischkäse gefüllte und frittierte Pfannkuchen), Knackwurst mit Bohnen oder den "Pastrami Burger Deluxe" schmecken lassen. "Sie können auch gerne nur eine Suppe essen", sagt er freundlich, "wir wissen, dass nicht jeder ein halbes Kilo Fleisch bewältigen kann. Unsere Suppen sind hausgemacht und sehr gut."

In einem der jüngsten New Yorker Deli, das sich schlicht „Delicatessen“ nennt, stellt sich das Problem nicht: Das Deli der neuen Generation liegt mitten im Trendviertel SoHo, es ist modern, bei schönem Wetter zur Straße hin offen und voller junger Menschen. Die Portionen sind normal bemessen und die jüdischen Spezialitäten bestenfalls eine Inspirationsquelle für die Küche. Das „Reuben“ kommt in einer frittierten Version auf den Tisch, die Kalbsleber ist nicht gekocht, sondern gebraten und die Matzo-Ball-Suppe mit Koriander und Zitronengras aufgepeppt. New-Deli-Cuisine? Vielleicht, aber die alte schmeckt einfach besser.

 
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