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Lufthansa Highlights Florenz: "Das Viertel der schönen Künste"

"Früher haben die Handwerker hier Tür an Tür gearbeitet", sagt Stefano Bemer, "wenn du ein Werkzeug oder einen Ratschlag brauchtest, bist du einfach nur ein paar Häuser weiter gegangen."

Seine Schusterei befindet sich in Oltrarno. Die Straßen südlich des Arno sind seit dem 12. Jahrhundert die Heimat der Handwerker. Damals schoss die Einwohnerzahl von Florenz in die Höhe, und die Menschen hatten in den altrömischen Gebäuden der Stadt nicht mehr genug Wohnraum. Oltrarno mit seinen Vierteln San Frediano, Santo Spirito und San Niccolò wurde zu einer eigenen kleinen Stadt, in der neureiche Kaufleute Platz für ihre Paläste und Handwerker Arbeit fanden.

Denn die wohlhabenden Bürger der Stadt brauchten Möbel, Stuck, Silberwaren, Stoffe und Fresken. So entstand ein dichtes Netz aus familiengeführten Kleinbetrieben, die von Porzellan über Textilien bis zum kompletten Kirchenaltar alles herstellen konnten, was in den kommenden Jahrhunderten und im kultivierten Renaissanceleben so gebraucht wurde.

Wenn Stefano Bemer von früher spricht, meint er allerdings eine weitaus nähere Vergangenheit. Schließlich kam der Maßschuhmacher erst 1988 nach San Frediano. Bemer hat seine Kunst auch nicht, wie die meisten hier, von Vater und Großvater übernommen, sondern sie als Quereinsteiger erlernt und es dabei zu bemerkenswertem Ruhm gebracht. Ab 1800 Euro kostet ein Paar seiner komplett handgefertigten Schuhe, die von Kennern in einem Atemzug mit jenen von Olga Berluti aus Paris und John Lobb aus London genannt werden.

Die Schuhe von Stefano Bemer werden von Florentiner Aristokraten und amerikanischen Wirtschaftsmagnaten getragen, von feingeistigen Briten und vor allem von Japanern, die oft gern gleich ein Dutzend Modelle mit nach Hause nehmen würden.

Was aber nicht möglich ist, denn mehr als 15 Paar im Monat schafft Bemer in seiner 80-Quadratmeter-Werkstatt mit Laden für seine rund 800 Stammkunden nicht. Zur Hand gehen ihm dabei zwei japanische Lehrlinge: Konzentriert beugen sie sich über eine niedrige Arbeitsbank, mit Uralt-Werkzeugen schleifen sie Sohlen, hämmern Absätze und nähen Schäfte. Einheimische Auszubildende habe er nicht gefunden, sagt Bemer.

Derlei Nachwuchssorgen kennt die Seidenweberei Antico Setificio Fiorentino nicht. Schon von Weitem hört man das rhythmische Klappern der zwölf Webstühle. An jedem sitzt eine echte Florentinerin, die vier bis fünf Jahre lang geschult wurde, bis sie alle Handgriffe beherrschte. Die Manufaktur wurde im 18. Jahrhundert als Gemeinschaftsprojekt einiger Florentiner Adelsfamilien gegründet, die ihre kostbaren Seidenballen, Muster und Webstühle nicht mehr zu Hause haben wollten.

Unter den Gründerfamilien war auch jene der Marchesi Pucci di Barsento. Deren wohl bekanntestes Mitglied, Modedesigner Emilio Pucci, übernahm später den Betrieb. Seine Witwe Cristina ist bis heute Eigentümerin und Leiterin des historischen Betriebs. "Die Seidenweberei am Leben zu erhalten ist für mich eine moralische Verpflichtung", sagt sie.

Wie früher richtet das Unternehmen ganze Häuser ein. Bekannte Innenausstatter nutzen die hochwertigen Stoffe für die Villen ihrer Kunden, Damen aus Florenz lassen Kissen, Wände, Möbel oder Bettdecken mit dem schimmernden Material beziehen. Und selbst der Kreml bestellte vor ein paar Jahren Reproduktionen historischer Wandbezüge und Vorhänge, die von der Seidenweberei stilecht gestaltet wurden.

"Zu uns kommen aber auch Einheimische, die nur einen halben Meter Stoff kaufen, um zwei Stühle zu beziehen", erzählt die Deutsche Sabine Pretsch, die sich seit fast 20 Jahren um Produktion und Kundenbetreuung kümmert. Im zur Weberei gehörenden Geschäft hängen unzählige Ballen mit Seidenstoffen in verschiedenen Mustern, Farben und Qualitäten – von der naturweißen Tela di Burette zu 110 Euro pro Meter bis zur feinen, farblich changierenden Ermesino-Seide, einem typischen Renaissancestoff, der auf zahlreichen Fresken zu sehen ist und mit 180 Euro pro Meter zu Buche schlägt.

Doch längst nicht alles, was Oltrarno zu bieten hat, bewegt sich in diesen Preislagen. Bei Sabatino kostet eine Mahlzeit für zwei Personen etwa 20 Euro. Da ist es kein Wunder, dass an den Tischen neben Anzugträgern auch Mittagsgäste in Handwerkerkluft sitzen.

Auch Sabine Pretsch und Stefano Bemer treffen sich hier gelegentlich zum Mittagessen, um Farben und Muster der Seidenvelours zu besprechen, die bei Bemers eleganten Hausschuhen Verwendung finden.

Giuliano Ricchi geht mittags eher in den urigen Familienbetrieb La Casalinga nahe der schönen Piazza Santo Spirito. "Hier kocht man noch Florentiner Traditionsgerichte, zum Beispiel Ribollita, einen Kohleintopf", sagt er. Ricchi ist im Viertel aufgewachsen, sein Cousin betreibt das Café Ricchi auf der Piazza, seine Schwester führt den väterlichen Lebensmittelladen gleich um die Ecke. Er selbst hat als 14-Jähriger in der Metallschmiede von Carlo Cecchi angefangen und den Betrieb irgendwann von seinem Lehrmeister übernommen.

Das Unternehmen Carlo Cecchi residiert in einem historischen Palazzo mit malerischem Innenhof und produziert Silber- und Emaille-Objekte: Dosen für Schmuck oder Medikamente, Handspiegel und Medaillons oder jene Miniaturhammer, die Sotheby’s kürzlich bestellte, um sie als Kundengeschenke zu verwenden. Die filigranen, handgearbeiteten Behälter werden zudem nach Paris und Hongkong exportiert.

Auch Enrico Giannini arbeitet im malerischen Santo-Spirito-Viertel. Seit fünf Generationen werden bei den Gianninis Bücher in Leder gebunden. Doch bekannt wurde der sympathische Handwerker vor rund 30 Jahren mit der Wiederentdeckung von marmoriertem Papier. "Die Technik stammt aus dem Orient", erzählt er, "und kam von dort im 16. Jahrhundert nach Italien. Das Papier wurde benutzt, um Bücher einzubinden." Giannini hatte die Idee, das Papier auch für Schachteln, Bilderrahmen oder Etuis zu verwenden. Inzwischen hat er viele Nachahmer gefunden, seine Tätigkeit gilt nun als ein typisch florentinisches Handwerk. "Früher wurde die bunten Blätter französisches Papier genannt", sagt er, "heute heißt es überall carta fiorentina."

 
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