Lufthansa Highlights Nizza-Saint Tropez

 

Lufthansa Reisebericht Highlights Nizza-Saint Tropez

 
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Lufthansa Highlights Nizza-Saint Tropez: "Eine Winterliebe"

Meine Liebesgeschichte mit Saint-Tropez dauert nun schon fast 20 Jahre. Am Anfang war ich nur im Sommer dort – wie alle anderen auch. Dann bekam ich eine Einladung, es war gar nichts Besonderes, eine kleine Geburtstagsfeier, Mitte Februar. Doch der Absender hatte etwas Nettes dazugeschrieben: "Bei uns blühen die Mimosen, vergiss deine Sonnencreme nicht." Ich konnte es nicht glauben, aber es war so.

Seitdem packe ich meine Koffer jedes Jahr im Februar, wenn bei uns die meteorologische Tristesse ihren Höhepunkt erreicht. Sobald ich gleich am ersten Morgen in meiner Lieblingsbar an der Place des Lices aufkreuze und mit einem fröhlichen "Bonjour Madame, einen Kaffee?", empfangen werde, reicht mir das völlig für mein kleines Glück.

Der Platz ist stimmungsvoll und gelassen und auf unspektakuläre Weise schön. Ein Platz eben, wie man ihn überall in den kleinen Orten Südfrankreichs findet. Aber in Saint-Tropez ist vieles anders als überall, und deswegen mag ich die Place des Lices so gern. Zweimal in der Woche entfaltet sich hier ein großer marché provençal, und an marktfreien Tagen lassen die Pétanque-Spieler ihre Kugeln klacken.

Es gibt ein paar ziemlich schicke Läden, ein kleines Hotel, einen Gemüseladen und ein paar ganz normale Cafés. Ich setze mich immer an einen der fünf Tische vor der Tür von "La Tarte Tropézienne" und bestelle zum luftig aufgeschäumten Milchkaffee ein noch ofenwarmes, verführerisch duftendes Croissant. Ich freue mich über die zarten Sonnenstrahlen, die wie breite Bänder zwischen die noch kahlen Äste der Platanen fallen. Einheimische knattern auf ihren Motorrollern vorbei, Mütter bringen ihre Kinder zur Schule, und manchmal hinterlässt mir ein Tischnachbar zum Abschied wortlos die zerfledderten Seiten der lokalen Tageszeitung Var-Matin. Hier habe ich das Gefühl, in den Alltag von Saint-Tropez einzutauchen, und das genieße ich genauso wie frühlingshafte 15 Grad Celsius mitten im Winter.

Mittags esse ich eine Kleinigkeit am Strand. Das muss sein. Wer Pampelonne kennt, wird das verstehen.

Die kilometerlange, sichelförmige Bucht ist jetzt menschenleer, die vielen Bretterbuden, bei denen im Sommer Liegestühle und Sonnenschirme vermietet werden, sind verrammelt, keine einzige Yacht schwimmt auf dem knallblauen Meer. An den Weinreben, die hinter dem Strand stehen, sprießt das erste Grün, die Landschaft wirkt friedlich, unberührt, natürlich.

"Möchten Sie einen Tisch im Schatten oder lieber den in der Sonne?", fragt Patrice de Colmont mit seiner sanften Stimme und dem typischen Singsang der Südfranzosen. Der Mittelmeerwinter hat Tage, da ist es in der Sonne zu heiß und im Schatten zu kühl. Ein Luxusproblem, zugegeben. Und immerhin: Man hat die Wahl. Im Sommer ist es einfach nur heiß, immer. Man wählt auch nicht, sondern nimmt, was man kriegen kann. Einen Frühstückstisch im Café Sénéquier unten am Hafen? Impossible! Und wer mittags bei Patrice de Colmont essen möchte, braucht viel Glück und Geduld, denn der Club 55 gilt als der wichtigste Lunch-Treffpunkt am Pampelonne. Es gibt sogar Gäste, die glauben, es sei der wichtigste der Welt.

Schließlich fährt im August tout le monde nach Saint-Tropez, das kann man weltweit in den Klatschblättern verfolgen. Ab November sind die nicht mal 6000 Einwohner wieder weitgehend unter sich, obwohl es immer mehr echte Fans gibt, die mehrfach im Jahr kommen und es im Winter beinahe schöner finden als in der durchgeknallten, überhitzten und hoffnungslos überfüllten Hochsaison. Dafür lassen sich gute Gründe nennen: Sonne, Sonne, Sonne. Dazu: ein zauberhaftes Dorf mit aprikosen- und pistazieneisfarbenen Fassaden und schmiedeeisernen Balkongeländern, hinter denen selbst im Januar die Geranien blühen. Eine malerische, perfekt abgerundete Hafenmole, an der nun neben vereinzelten schwimmenden Palästen auch genügend Platz für Fischerboote bleibt, deren Eigentümer wie früher am Quai sitzen und ihre Netze richten. Schicke Bars und Restaurants, in denen problemlos Platz zu finden ist und deren Besitzer jetzt auch Zeit für ein Schwätzchen finden.

Am nächsten Morgen stehe ich viel zu früh auf dem Fischmarkt. Über Nacht ist Mistral aufgekommen, ein kräftiger, kühler Wind, der alles, was nicht festgenagelt ist, wegbläst.

Die Café-Terrassen am Hafen sind menschenleer, Wellen klatschen an die Steinmole und spritzen fast zwei Meter hoch, die Luft ist voller Salz, und am Himmel jagen eilige Wolkenfetzen in Richtung Meer.

Es ist kalt, und die dunkelhaarige Arielle trägt zwei dicke Wollpullover übereinander. Sie steht gleich im Eingangsbereich der Passage und verkauft nur das, was ihr Fischer Matthieu am frühen Morgen an Land gebracht hat: rosafarbene Doraden, ein paar schwere Drachenköpfe und lebende Langusten für 75 Euro das Kilo. Selbst im Winter ist sie täglich auf dem Markt, es sei denn, Matthieu hat das Meer für zu rau befunden, um fischen zu fahren. Doch die Winter in Saint-Tropez sind mild und sonnig, Schnee und Minustemperaturen nahezu unbekannt.

Wie oft habe ich mir überlegt, ganz nach Südfrankreich zu ziehen, allein schon um solche Tage zu erleben, die so intim und fröhlich und charmant sein können. „Tun Sie das nicht“, sagt eine nette Dame, die ich im Schuhladen Stuart Weitzman kennenlerne. "Sie ahnen ja gar nicht, wie still es hier werden kann." Trotzdem: Wer Saint-Tropez nur im Hochsommer erlebt, kann sich kaum vorstellen, wie idyllisch die Ortschaft hors saison ist.

"Es ist ruhig, fast zu ruhig", findet Augustin Rizzo, Hausmeister im zauberhaften kleinen Museum L’Annonciade, das unten am Hafen am Quai de l’Epi steht. Ein paar Schritte weiter rauchen die Verkäuferinnen der schicken Hermès-Boutique vor der Tür eine Zigarette. Minette, eine zugelaufene silbergraue Katze streicht um Rizzos Beine, als wollte sie ihn trösten. Jetzt, da die Uferpromenade leer ist, kann sie ungestört auf den warmen Granitsteinen vor dem Museum ein Sonnenbad nehmen. Sie findet das klasse.

Und ich würde mich am liebsten direkt zu ihr gesellen.

 

(Autorin: Patricia Engelhorn)

 
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