Lufthansa Highlights Venedig - Chioggia

 

Lufthansa Reisebericht Highlights Venedig

 
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Lufthansa Highlights Venedig - Chioggia: "Venedig lässt grüßen!"

Chioggia, das wenig bekannte Fischerstädtchen am südlichen Zipfel der venezianischen Lagune, wirkt wie eine Miniaturausgabe von Venedig. Auch hier prägen Kanäle und Paläste das Bild. Doch der gemächliche Lebensstil hat seinen ganz eigenen Charme.

Corso del Popolo zur blauen Stunde. Stimmengewirr wie in einem Theatersaal, kurz bevor sich der Vorhang hebt. In den Arkaden bieten altmodische Geschäfte Schuhe, Bücher, Schmuck oder Medikamente an. Der italienische Schriftsteller Curzio Malaparte hatte Chioggias Hauptstraße, die für Autos gesperrt ist, mal sehr treffend „ein einzig großes Café im Freien“ genannt. Und jetzt, zur Aperitivo-Zeit, ist kaum noch ein freier Stuhl zu finden.

Da sitzen nicht mehr ganz so junge Damen in großen Runden zusammen. Ihre Füße stecken in bequemen, breit getretenen Lederschlappen, doch auf der Nase tragen sie prunkvolle Sonnenbrillen von Gucci, Dior oder Chanel. Auf dem Tisch stehen Schälchen mit Kartoffelchips und Oliven sowie halb leere Gläser mit der klassischen Spritz-Mischung aus Aperol, Weißwein und Mineralwasser. Mit jeder neuen Runde, die der ebenfalls in die Jahre gekommene Kellner serviert, wird die Stimmung ausgelassener; und das allgemeine Rauschen, das sich unter den herabgelassenen Sonnenmarkisen sammelt, ständig etwas lauter.

"Bei uns sind die Bars jeden Abend so voll, als hätten wir einen Festtag", schwärmt Giorgio Boscolo, dessen Pfeifengeschäft direkt am Corso liegt; so kann er den Eingang bequem von der Bar Centrale aus im Auge behalten. Er zieht bedächtig an einer Eigenkreation, die, obwohl optisch nicht sonderlich spektakulär, weltweit unter Pfeifenliebhabern berühmt ist.

Die Pfeife aus Chioggia ("pipa chioggiotta") teilt das Schicksal der Stadt, in der sie erfunden wurde: Sie ist alt, sehr alt sogar, und den meisten Menschen unbekannt. Chioggia existierte schon zur Römerzeit, erhielt im Mittelalter das Stadtrecht und wurde 1110 zum Bischofssitz. Ab 1380 gehörte das Städtchen zur Republik Venedig, wurde 1797 zusammen mit der Lagunenstadt von Napoleon besetzt und später mit Venetien Teil des kaiserlichen Österreich.

"Die Existenz der Chioggia-Pfeife lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen", erzählt Boscolo, der im Alleingang die letzte Manufaktur dieser Pfeifen betreibt, "das Besondere daran ist, dass ihr Kopf aus Tonerde geformt ist und ihr Mundstück aus einem einzigen Holzstück." Sein winziger Laden El Penelo, in dem es neben eher schlichten Modellen für rund 15 Euro auch extravagante Pfeifen zu kaufen gibt, ist im historischen Granaio, einem 1322 errichteten Sandsteinbau, der ursprünglich der Gemeinde als öffentlicher Getreidespeicher diente.

Auf dessen Rückseite entfaltet sich jeden Vormittag ein reich bestückter Fischmarkt; Chioggia (rund 51 000 Einwohner) gilt als größter Fischereihafen Norditaliens. So um die 600 Boote fahren täglich aus und kehren mit Netzen voller Barsche, Doraden, Seezungen und anderen Adria-Fischen zurück. Auf den Verkaufstischen türmen sich auch Mengen von Kleingetier: diverse Garnelensorten, Muscheln in verschiedenen Formen und Größen sowie die Tintenfisch-Varianten Seppioline, Calamaretti und Moscardini. Frischer Thunfisch wird unter ständigen „tonno, tonno bello“-Rufen für acht Euro pro Kilo verkauft; gleich daneben steht ein Eimer mit Meeresschnecken, auf deren schleichende Fluchtversuche niemand so richtig zu achten scheint. Manche der Verkäufer haben ihren Namen mit Filzstift auf die Schürze geschrieben. Andere halten einen Espresso in der Hand oder balancieren eine Zigarette zwischen den Lippen.

"Sie waren die halbe Nacht da draußen und stehen seit sieben Uhr morgens hier. Das ist anstrengend", sagt Armido Boscolo mit einem milden Lächeln. Der Inhaber und Chefkoch der Antica Osteria Al Cavallo kommt fast täglich auf den Markt, um seine Gäste später mit dem frischesten Fisch zu verwöhnen. Sein schickes Restaurant liegt in einer der schmalen Gassen, die wie Fischgräten vom zentralen Corso del Popolo abgehen. Wer einen Platz auf der Terrasse reserviert hat, sitzt an einem mit Leinen eingedeckten Tisch zwischen großen Blumentöpfen und schaut auf die dunkelrot und ockergelb getünchten Fassaden der Häuser gegenüber - und auf die Wäsche, die aus Fenstern hängt.

Das Al Cavallo ist ein Familienbetrieb. Ehefrau Elda sitzt an der Kasse, der Sohn leitet den Service, Tochter und Schwager helfen in der Küche. Man würde traditionelle venezianische Hausmannskost erwarten, doch der Küchenchef hat anderes im Sinn. Seine Gerichte basieren zwar auf regionalen Spezialitäten, gerne auch auf längst vergessenen Rezepturen. Doch dann ändert er ein paar Kleinigkeiten und kommt mit einer überraschend neuen Komposition aus der Küche zurück. Seine frittura, kleine frittierte Fische und Meeresfrüchte, erinnert an eine japanische Tempura. Und dort, wo andere den Klassiker bigoli con le seppie (dicke Spaghetti-Form mit Tintenfisch) servieren, nimmt er feine, schwarze Spaghetti und kombiniert sie mit verschiedenen, kurz in heißem Öl geschwenkten Mollusken.

Den roten Chioggia-Salat, den er dazu reicht, hat er nur Stunden zuvor an einem der Stände gekauft, die jenseits des Fischmarkts und der Pescheria-Brücke am Vena-Kanal stehen. Hier findet sich auch der kleine Delikatessenladen Pescheria di Bube von Renato Bellemo. Er verkauft seine hausgemachten Spaghetti-Saucen, seine mit Kapern oder Steinpilzen gefüllten Sardellen und seinen gedünsteten, in Öl eingelegten Tintenfischkaviar im Palazzo Lisatti-Mascheroni.

Ebenfalls im Palast aus dem 15. Jahrhundert, der langsam vor sich hin bröckelt, hat der Künstler Amedeo Signoretto seine Galerie: An schwarzen Wänden hängen großformatige Ölgemälde, ausdrucksstarke Porträts, farbenprächtige Blumenwiesen und sanfte Lagunenbilder. „Ich habe eine Zeit lang in Venedig gelebt“, erzählt Signoretto, „aber dann bin ich nach Chioggia zurückgezogen. Chioggia mag zwar weniger prächtig sein, aber das Licht, das Wasser, die Farben, der Baustil sind genauso. Und man kann hier in Ruhe leben.“

Auch er geht am frühen Abend auf den Corso, um ein Glas Spritz zu trinken. Seinen Laden schließt er nicht ab, er schiebt einfach einen Stuhl in die Türöffnung. "Ich komme ja gleich wieder", sagt er beruhigend, dann fügt er hinzu: "In Venedig wäre das unmöglich."

 

Fotos: Martin Nink

 
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