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Abu Dhabi - Aufstrebende Neubauten

Als die Piloten das letzte Mal in irrwitzigem Tempo durch die Haarnadelkurven in der Wüste rasten, auf der Zielgerade zu riskanten Überholmanövern ansetzten, mit 800 PS unter der Brücke hindurchdonnerten, die beide Hälften des Yas Hotel verbindet – da war nicht viel los im Spa dieser schneeweißen Luxusherberge direkt über der neuen Formel-1-Rennstrecke von Abu Dhabi. Nur eine Dame mittleren Alters ließ sich in einem abgedunkelten Raum bei Sphärenklängen und Kerzenschein massieren, von dem Lärm da draußen wollte sie buchstäblich nichts hören.

„Es war die Mutter von einem der Rennfahrer“, erzählt Aoibheanna Bonner, die das Hotel-Spa leitet, „sie hatte Angst um ihren Sohn.“ Ob sie sich noch an dessen Namen erinnere? „Natürlich“, sagt sie – und schweigt lächelnd. Diskretion ist wichtig in den Luxushotels am Golf, die allenthalben aus dem Wüstensand wachsen. Auch in Abu Dhabi sind sie Teil des Masterplans für die Zukunft: weg vom Öl, hin zur Dienstleistungsgesellschaft, zum Tourismus. Ein wichtiger Baustein ist dabei der Rennsport – weil er die Massen bewegt und für Tempo, Dynamik, Siegeswillen und Markenbewusstsein steht. Genau die Werte, die auch die Emiratis so lieben. Doch wo bis vor wenigen Jahren kaum etwas anderes als Sand war, müssen jene Attraktionen erst entstehen, die Besucher aus aller Welt anlocken sollen.

Sie wachsen in atemberaubender Geschwindigkeit. Es scheint, als hätte Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate und zugleich das mit Abstand reichste dieser Scheichtümer, über Nacht eine neue Skyline bekommen – eine aus Glas, Stahl und Beton, gestaltet von internationalen Star-Architekten. Besagtes Yas Hotel mit seiner futuristischen Wabenstruktur und den ausgeklügelten Beleuchtungseffekten für die Fassade gehört zu den jüngsten baulichen Ausrufezeichen des Wüstenstaates. Und im Moment sind die prominentesten Architekten der Welt dabei, die Vision des neuen Abu Dhabi in die Wirklichkeit zu überführen. So gestaltet der Franzose Jean Nouvel gerade eine Filiale des Louvre auf der Museumsinsel Saadiyat. Das Kuppeldach soll von verzierten Öffnungen durchsetzt sein, durch die Tageslicht ins Innere fällt.

Den Namen des Originals in Paris darf das Museum gegen eine stolze Lizenzgebühr nutzen – und zudem Leihgaben aus dessen Beständen mieten. Frank Gehry lässt eine gigantische Zweigstelle des Guggenheim-Museums errichten, deren verschachtelter Stil sich an die Optik des weitaus kleineren Vorbilds in Bilbao anlehnt. „Es entsteht hier etwas, was die Scheichs bereits lieben und worauf ich stolz bin“, sagt der kanadisch-amerikanische Architekt. Zaha Hadid aus London arbeitet unterdessen an einem riesigen Bühnenkomplex, dem Center of Performing Arts, während Sir Norman Foster das Nationalmuseum entworfen hat, das Scheich Zayed, dem Begründer des modernen Abu Dhabi, gewidmet sein wird.

Schon 2013 soll das erste dieser Museen eröffnen. Die treibende Kraft hinter den meisten dieser ehrgeizigen Projekte ist Kronprinz Mohammed bin Zayed al-Nahyan. Sein Ziel: Anders als Dubai soll Abu Dhabi nicht zur Stätte ungezügelter Bauwut werden. Eine „Verwestlichung“ möge vermieden werden, das Ziel ist ein eigener Weg, der sämtliche Annehmlichkeiten der Moderne mit dem arabischen Erbe kombiniert. Mohammeds 2004 verstorbener Vater Zayed hatte die Marschrichtung vorgegeben: „Ein Land bemisst man nicht anhand der Größe auf der Weltkarte. Tatsächlich bemisst man es nach seinem Erbe und seiner Kultur. Und ein Land ohne Vergangenheit ist eines ohne Gegenwart und Zukunft.“

Zu den hehren Worten passt, dass die UNESCO die Oasenstadt Al Ain im Hinterland gerade zur Welterbestätte ernannt hat. Das Projekt, Abu Dhabi auf die touristische Weltkarte zu heben, begann mit dem Bau eines spektakulären Hotels mit blattgoldfurnierten Säulen, 1002 Kronleuchtern, mehr als 100 massiv goldenen Waschbecken und einem Goldbarren-Automaten in der Lobby – so wie seinerzeit Dubais Erfolgsgeschichte mit dem Burj al-Arab ihren Anfang nahm.

Als das Emirates Palace Hotel im Jahr 2005 eröffnet wurde, sorgte es sofort für die erwünschten Schlagzeilen und entwickelte sich mit seinem überbordenden Luxus rasch zur Sehenswürdigkeit. Möglich ist so etwas nur in einem Land, in dem Geld keine Rolle spielt – es ist genug davon da. So war es in der Staatskasse kaum zu spüren, dass auch der Bau der neuen Scheich-Zayed-Moschee über 500 Millionen Dollar gekostet hat.

Entstanden ist das drittgrößte islamische Gotteshaus der Welt, ein gewaltiger Komplex aus 82 Kuppeln mit Platz für 40 000 Gläubige. Auch Nicht-Muslime dürfen dieses erst 2007 vollendete Gebäude betreten und besichtigen. Großzügig konzipierten die Scheichs auch Ferrari World. Der größte Indoor-Freizeitpark der Welt wurde vor einem Jahr eröffnet – allein das Dach ist 200 000 Quadratmeter groß. Drinnen dreht sich alles um das Thema Motorsport, ganz nebenbei rast dort die weltweit schnellste Achterbahn mit Tempo 240 durch die Anlage. Wie all das beim Publikum ankommt? Der Kassierer an der Pforte strahlt: „Scheich Mohammed liebt Ferrari World.“ Das ist ihm noch wichtiger als die Meinung der Besucher. Und dass arabische Traditionen sich hier wohl kaum wiederfinden, gilt ausnahmsweise nicht als Verstoß gegen die staatliche Ordnung.

Gleich gegenüber gastiert ab dem 4. November wieder die Formel 1. Auch dieses Mal werden viele Teams im Yas Hotel wohnen, wieder wird der motorsportbegeisterte Kronprinz dort in einer Suite mit Blick auf die Rennstrecke Hof halten und Ehrengäste empfangen. Und ganz sicher wird die Mutter eines Fahrers wieder nicht hingucken können und die Zeit des Rennens lieber im Spa verbringen, allein mit Aoibheanna Bonner. Wahrscheinlich werden sie die Entspannungsmusik etwas lauter drehen, um ja nichts von draußen mitzubekommen. Die Schreie der Zuschauer bei gewagten Manövern nicht – und auch nicht den Jubel im Ziel.

 
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