Lufthansa Thema des Monats - Landpartie

 

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Atlanta: Schöne Alte Welt

Eine Kurve, noch eine Kurve, sanft schlängelt sich die Long Point Road an Wiesen und Farmen vorbei durch Mount Pleasant, einen Vorort von Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Dann kommt die Einfahrt zur Boone Hall Plantation. Magnolien, Azaleen. Eine letzte Kurve, jetzt vorsichtig bremsen: Vor uns liegt eine breite Allee, umrahmt von mächtigen Eichen. Spanisches Moos hängt meterlang von den Ästen und wiegt sich im Wind; in der Ferne schimmern die weißen Säulen des Haupthauses. Im Schritttempo fahren wir weiter, rechts galoppieren Pferde. Links, hinter den Stämmen, tauchen die alten Sklavenhütten auf.

1681 wurde Boone Hall gegründet, die Allee dann ab 1743 gepflanzt. Baumwolle hat die Plantagen eine der ältesten der USA, die noch immer in Betrieb ist, einst reich gemacht. Jetzt werden hier vorallem Erdbeeren, Tomaten und Kürbisse angebaut. Am Ende der Allee steht auch die Cotton Gin, in dem die Baumwollsamen aus dem flauschigen Weiß geschlagen wurden; daneben der Rosengarten, das alte Brunnenhaus, Perlhühner laufen gackernd herum. Süßer Blütenduft mischt sich mit dem moderigen Geruch aus Marschen und Sümpfen. Man muss unweigerlich an „Vom Winde verweht“ denken, an Tara. Und man würde sich nicht wundern, wenn jetzt Vivien Leigh im Reifrock durch die Rosen schreiten würde.

Boone Hall liegt mitten im Herzen des Old South, des wahren, tiefen, alten Südens der USA. 1670 kamen hier die ersten Siedler an Land, Engländer. Auf einer Landzunge zwischen vier Flüssen gründeten sie Charles Town, benannt nach König Charles II. Baumwolle und Reis, Indigo und die Sklaverei machten die Stadt reich. 1861 fiel im Hafen von Charleston der erste Schuss im Amerikanischen Bürgerkrieg. Doch trotz heftiger Kämpfe blieb vieles erhalten: die Altstadt von Charleston zum Beispiel oder die Plantagen Drayton Hall und Middleton Place mit dem ältesten Landschaftsgarten der USA. Der deutsche Regisseur Roland Emmerich drehte dort seinen Hollywoodfilm „Der Patriot“. Im Zypressensumpf der Magnolia Plantation sollte man vorsichtig sein, weil sich darin Alligatoren tummeln. Der größte von ihnen, ein 4,30 Meter langer Koloss namens Red October, liegt manchmal faul auf dem Gehweg herum.

„Der alte Süden, das Gefühl von Romantik, das damit verbunden ist, zieht die Besucher an“, sagt Mike Lata, der Küchenchef im FIG, Charlestons schönstem Restaurant. Warum? Mehr denn je seien die Amerikaner auf der Suche nach ihrer Geschichte, nach Authentizität. Auch das Schicksal von New Orleans, der Stadt, in deren Schatten alle anderen historischen Orte im Süden standen, habe dazu geführt, dass immer mehr Menschen die Region für sich entdecken und rund 170 Kilometer weit von Charleston durchs Lowcountry nach Savannah im Bundesstaat Georgia reisen.

Wir fahren weiter über den Ashley River, den Savannah Highway entlang. Wieder Farmhäuser, sumpfige Wiesen, Geier und Waschbären am Straßenrand. Der kleine Umweg über die Landstraße 162 lohnt sich, dort wird es richtig romantisch. Links und rechts recken sich Eichen und Pecan-Bäume in den Himmel, deren Äste über der Fahrbahn zusammenwachsen. Und, nicht zu vergessen, das Spanische Moos. „Es hat die Farbe des Rauchs, des Bernsteins und des Zwielichts“, schrieb die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir, als sie die Pflanze hier im Süden zum ersten Mal sah.

Alte afroamerikanische Frauen sitzen auf umgestülpten Eimern und verkaufen gekochte Erdnüsse und eingelegte Okraschoten. Früher sollen Sklavinnen die Samen der nahrhaften Gemüsepflanze in ihren Haaren versteckt und in die Neue Welt geschmuggelt haben, als Absicherung für eine ungewisse Zukunft. Im Lowcountry, dem Brachland um Charleston und Savannah, leben die Gullah. Die Nachkommen ehemaliger Sklaven, die noch die uralten Handarbeiten beherrschen, sprechen eine Mischung aus Englisch und afrikanischen Sprachen.

In Beaufort auf Port Royal Island, einer der schönsten Städte im Lowcountry, halten wir an, setzen uns an die Bay Street und schauen über den Beaufort River: Pelikane segeln durch die Luft, Kormorane trocknen ihre Flügel, Monarch-Schmetterlinge flattern vorbei auf ihrem langen Flug nach Mexiko. Mit etwas Glück kann man sogar Delfine sehen.

Auch Beaufort wurde durch Reis und Indigo reich, in den Gärten der Herrenhäuser wachsen Palmen und Bananenbäume. Kamelien blühen, dazwischen stehen Sträucher mit gelben, orangefarbenen und roten Blättern.

Es ist Herbst, und selbst hier im Süden der USA verfärbt sich die Natur. Die letzten Kilometer bis nach Savannah rollen wir über die Landstraße 170 und den Highway 17. Wie ein Berg türmt sich die Eugene Talmadge Memorial Bridge auf, höher und höher geht es über den breiten Savannah River. Und wieder erleben wir einen dieser Momente, in denen wir darauf achten müssen, bei einem solchen Ausblick nicht von der Fahrbahn abzukommen. Auf dem Fluss beginnen hochbeladene Containerschiffe ihren Weg in die Welt. Vor uns liegt die Altstadt von Georgias First City.

Kirchtürme glitzern im Schein der Abendsonne, am Ufer glänzen die Backsteinfassaden der Speicher, in denen früher die Baumwollballen lagerten. 1733 landete hier ein Schiff mit englischen Kolonisten. Ihr Auftrag: für König George II. eine Stadt und die Kolonie Georgia zu gründen, als Pufferzone zwischen Charleston und dem damals spanischen Florida. Im Zentrum von Savannah steuern alte Herren mit Hut und Zigarre ihre Cadillacs über holprige Straßen. Glocken läuten. Es duftet nach Jasmin. Hier hängt das Spanische Moos nicht nur an den Ästen, sondern überwuchert selbst Ampeln und Gaslaternen. Eine wahrhaft filmreife Kulisse: Clint Eastwood drehte in Savannah „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“, auch „Forrest Gump“ mit Tom Hanks spielt dort. „Savannah ist die verschrobene Cousine von Charleston, nur nicht so herausgeputzt!”, sagt Ryon Thompson, der Urenkel von Sema Wilkes.

Mrs. Wilkes’ Dining Room ist ebenso wunderbar verschroben: ein Raum im Souterrain, die Küche nebenan, auf den Tisch kommt, was sie hier schon 1943 serviert hat: Southern soul food – gebratenes Hähnchen, weiße Bohnen in Tomatensauce, kandierte Süßkartoffeln, Bananenpudding. Auch in Savannah blieb die Altstadt erhalten. Im Dezember 1864, zum Ende des Bürgerkriegs, kamen die Truppen der Nordstaaten auch hier vorbei. Die Stadt ergab sich kampflos. Als General William T. Sherman in das unzerstörte Savannah einmarschierte, soll er von ihrem Charme so begeistert gewesen sein, dass er sie Präsident Abraham Lincoln per Telegramm zu Weihnachten schenkte.

 
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