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Lufthansa Highlights Toronto: "Ein Kick für die Kunst"

Miller hat sich um Kunst und Kultur in der mit rund 2,5 Millionen Einwohnern größten Stadt Kanadas verdienter gemacht als mancher seiner Vorgänger. Torontos Obrigkeiten residieren seit 1965 im Rathaus am Anfang der Queen Street West. Der Bau - zwei geschwungene Türme und eine raumschiffartige Kapsel dazwischen - symbolisierte damals die Aufbruchstimmung der sechziger Jahre. Seitdem ging es mit der Stadt steil aufwärts. Heute erlebt Toronto einmal mehr einen Aufbruch, diesmal aber architektonisch und kulturell.

Star-Architekt Daniel Libeskind stülpte dem ehrwürdigen Royal Ontario Museum einen kristallförmigen Bau über und setzte ein 57-stöckiges L auf das Sony Centre for the Performing Arts. Sein Kollege Frank Gehry hüllte die Art Gallery of Ontario in einen Kokon aus Holz und Glas. Ebenfalls neu: das Sharp Centre for Design, das Four Seasons Centre for the Performing Arts, der Festival Tower. Über 190 Theatergruppen, mehr als 50 Ballett- und Tanzensembles, mehrere Opernensembles und zwei Symphonieorchester hat die Stadt hervorgebracht. Die Zeichen der Zeit stehen auf Kultur, Toronto setzt auf Kreative. Und auf die Bevölkerung, die in der Region im Schnitt 37,5 Jahre alt ist - von der etwa die Hälfte nicht in Kanada geboren ist.

Wer wissen will, was die Trends von morgen sind, steuert am besten die Ränder der kühl schimmernden Innenstadt an. Dort, in den oft abbruchreifen Häusern aus dem 19. Jahrhundert, werden neue Formensprachen gewagt und Grenzen ausgetestet. Die Canadian Stage Company zum Beispiel, untergebracht in einem alten Gaswerk aus roten Klinkern unweit des Distillery Historic District, brachte 2008 Stücke über den Irakkrieg auf die Bühne; darunter "Palace of the End“, ein Drama unter anderem über den Folterskandal in Bagdader Gefängnissen. Für Iris Turcott reflektiert das provokante Programm die Stärke der Stadt:

"Toronto ist wohlhabend, zugleich aber liberal und kosmopolitisch." Die Stadt, sagt die Dramaturgin, durchlebe gerade eine historische Phase. "Seit dem Rechtsruck in Kanada ist unsere Theaterszene noch engagierter." Auch die Avantgarde der Bildenden Kunst hat ihre Biotope. Das größte, fruchtbarste, schrägste ist West Queen West an der Queen Street West.

Hier leben und arbeiten die meisten der etwa 10 000 Künstler der Stadt. Das Viertel erstreckt sich etwa von der Gladstone Avenue bis zur Bathurst Street, es ist ein wüstes Durcheinander aus Tätowierstuben, Designer-Boutiquen, Lagerhallen, Sushi-Restaurants und Fish’n’Chips-Läden. Von den lichtlosen Canyons des Zentrums aus erreicht man das Viertel bequem zu Fuß – und fühlt sich, als betrete man nach Tagen im dichten Wald eine helle Lichtung. Oder man nimmt die alte Straßenbahn, die regelmäßig den rissigen Asphalt erbeben lässt.

Anders als das Queen Street Village zwischen University und Spadina Avenue, wo Investoren ein Trendviertel geschaffen haben, zeigt West Queen West vielerorts noch einen rauen, ursprünglichen Charme. Eine alte Chinesin verteilt Broschüren für Allheilmittel aus Schlangenhaut. Vor einem leerstehenden Haus sitzt ein junger Mann hinter einem Karton mit der Aufschrift "Will take verbal abuse for change", "Lasse mich beschimpfen gegen Geld". Geldverleiher, Kosmetiksalons, Lingerie-Boutiquen: Immer abenteuerlicher wird die Mischung der Läden, immer spannender die Expedition auf dem holperigen Bürgersteig.

"Ich bin verrückt nach diesem Durcheinander", sagt Christopher Hayes. Der stämmige Künstler stellt seine Arbeiten in der Engine Gallery aus, einer der kleinen Galerien westlich vom Trinity Bellwood Park. Hayes' Pop Art aus Holz, Linoleum und Acryl kommt gut an. "Ich beobachte, was die Leute in meinem Viertel treiben, füge ein paar Elemente

hinzu und erzähle so eine Geschichte", sagt Hayes. "Toronto ist eine Ansammlung vieler kleiner ethnischer Viertel mit Dorfatmosphäre und mehr als 150 Sprachen. Da brauche ich nicht zu reisen, um Ideen zu bekommen. Ich setze einfach den Fuß vor die Tür."

Die Engine Gallery vertritt auch den Performance-Künstler Istvan Kantor. Der gebürtige Ungar bezeichnet sich selbst gern als Flüchtling und lebte bereits in vielen Städten der Welt. Seit 1990 aber ist er in Toronto zuhause, und macht die Stadt auch zum Gegenstand seiner Arbeit. Etwa in seiner Videoproduktion "The (Never Ending) Operetta", die 2009 auf dem European Media Art Festival in Osnabrück ausgezeichnet wurde. Darin beschäftigt er sich mit dem Problem der Wohnsituation in Toronto, als Stoff diente dem West-Queen-West-Künstler sein eigenes Leben.

Sind also die Tage des Künstlerparadieses gezählt? Ist es von Investoren umzingelt? Vielleicht. Doch Toronto ist eine Stadt, die nicht stillsteht. Eine multikulturelle Metropole, in der Anderssein noch nie Unruhe ausgelöst, sondern im besten Fall neue Identitäten erzeugt hat. Und ungewöhnliche Allianzen. An einem lauen Sommernachmittag stellen sich während einer Kundgebung auf dem Nathan Phillips Square rund 200 Künstler demonstrativ hinter den Bürgermeister. David Miller wirbt für Steuererhöhungen, um die Löcher im Haushalt zu stopfen. Die Szene, sagen die Künstler, brauche das Geld dringend zum Überleben. Viele von ihnen treten vor das Mikrofon. Er sei nach Toronto gekommen, weil die Stadt sicher sei, sagt ein amerikanischer Künstler. Sie könne nur hier arbeiten, dies sei der toleranteste Ort der Welt, meint eine Künstlerin aus Syrien. David Miller lauscht den Vorträgen mit halbgeschlossenen Augen. Es scheint fast so, als denke er gerade an sein Bild im Büro.

 
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