Lufthansa Highlights Barcelona

 

Lufthansa Highlights Reisebericht Barcelona

 
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Lufthansa Highlights: "Sinnesreise"

Wie schmeckt der Arktische Ozean? Salzig vor allem, und irgendwie kühl. Enric Rovira hat einen Salzkern in weiße Schokolade gehüllt. Lässt man die Schokoperle im Mund zergehen, hinterlässt sie das Gefühl eines Meerwassertropfens. „Jedes Meer hat seine speziellen Eigenschaften, man verbindet jeweils andere Gefühle damit“, sagt Enric Rovira, der mit seinen kurz geschnittenen Haaren, seiner agilen Figur und den hellen Augen eher wie ein Physiker wirkt als ein Chocolatier, "ich habe versucht, diese Gefühle in Schokolade zu verwandeln."

Seine Kollektion "Oceans" besteht aus fünf pflastersteingroßen Päckchen, die schon in ihrer Farbe die sinnlichen Eigenschaften der Meere und der Pralinen aufgreifen. Schneeweiß ist die eisige Arktis, eisblau die nicht viel wärmere Antarktis, deren wilder und schäumender Charakter durch eine Pralinenfüllung aus Zitronenbrause und Chili dargestellt wird. Der Indische Ozean (strahlendes Türkis) schmeckt nach iranischer Pistazie und indischem Tee, der Atlantik (petrolblau) nach afrikanischen Gewürzen und Erdnusskrokant aus Brasilien, und der Pazifik (kräftiges, tief dunkles Blau) nach Zutaten aus den Ländern, die seine beiden Extreme kennzeichnen: Nori-Algen aus Japan und Mais aus Mexiko. Enric Rovira, Alchimist, Künstler und Chocolatier in Personalunion, gilt als der große Meister unter Barcelonas jungen Schokokreateuren.

Der Sohn eines Patissiers experimentierte erst in Papas Küche, absolvierte dann ein paar Praktika bei großen Schokoladeproduzenten und eröffnete 1993 sein eigenes Unternehmen mit einem schicken, minimalistisch gestalteten Laden in Barcelonas gutbürgerlichem Wohnviertel Les Corts. Hierher pilgern nun einheimische Gourmets, aber auch Besucher aus Japan und den USA, um eine Schachtel Schokoperlen mit Rosa-Pfeffer-, Veilchen- oder Zedernholz-Aroma zu kaufen. Als Bestseller gilt die "Planetarium Collection" mit ihren neun Schokokugeln, die jeweils für einen Planeten stehen: Mars schmeckt nach Earl-Grey-Tee, die Sonne nach Williamsbirne und die Erde nach Salz und Pfeffer. Ähnlich beliebt ist die "Barcelona Collection", deren quadratische Täfelchen mit den modernistischen Gaudí-Mustern der Straßenplatten Barcelonas verziert wurden.

Man mag sich fragen, weshalb solche Schokokreativität ausgerechnet in Barcelona gedeiht, denn Enric Rovira ist nicht der Einzige, der in der katalanischen Kapitale mit hochwertigen Kakaoprodukten erfolgreich ist. Die Stadt hat eine lange Schokoladentradition, es heißt sogar, dass die dunklen Bohnen aus Lateinamerika hier ihren ersten Auftritt auf europäischem Boden hatten. Angeblich war es Christoph Kolumbus, der 1493 von seiner ersten Expedition mit vielen unbekannten Dingen an den Hof des spanischen Königspaares Isabella und Ferdinand zurückkehrte, dabei auch schon die ersten Kakaobohnen im Gepäck hatte. Nur dass sich damals niemand dafür interessierte.

Auch Hernando Cortés, der 1519 einen Teil Mexikos eroberte, fand an den bitteren Bohnen keinen Gefallen, wohl aber an ihrem Einsatz als Zahlungsmittel. Er ließt für die Spanier eine Kakaoplantage anlegen, auf der "Geld" angebaut wurde. 1528 bringt Cortés die ersten Säcke Kakao nach Spanien. Am königlichen Hof demonstriert er die Zubereitung der aztekischen heißen Schokolade, einer Mixtur aus zerstoßenen Kakaobohnen, Zucker, Vanille, Muskatnuss, Zimt und Nelken. Der spanische Adel war begeistert und ließ mehr und mehr der dunklen Bohnen importieren. Fast 100 Jahre hielten sie die Rezeptur des bittersüßen Getränks geheim, erst dann wurde Kakao auch im Rest Europas populär.

Später überholten die Schweizer, Belgier, Holländer und Engländer die Spanier in der Schokoladenherstellung. Sie hatten bessere Maschinen, bessere Techniken und eine bessere Verteilung. In Spanien wurden Kakaobohnen zwar weiterhin verarbeitet, doch die Schokoladenproduktion war klein, handwerklich und international kaum von Bedeutung. Das hat sich geändert. Heute gilt Barcelona wieder als "Xocolata"-Hochburg, sogar ein Schokoladenmuseum zeigt die Geschichte und Verarbeitung der Kakaobohnen.

"Wir waren schon immer gut, nur von Marketing hatte niemand eine Ahnung", glaubt Oriol Balaguer, der gleich um die Ecke von Enric Rovira seine Produktionsstätte hat. 25 Menschen arbeiten in den zwei Edelstahl-Großküchen, in einer davon werden nur Pralinen hergestellt. Balaguer, der sieben Jahre lang bei dem legendären Molekularkoch Ferran Adrià im El Bulli als Patissier gearbeitet hat, verkauft 60 bis 70 Tonnen Schokolade im Jahr, einen winzigen Anteil davon in seinen beiden spacigen Läden in Barcelona und Madrid, den Rest in alle Welt. Begehrt sind vor allem die stromlinienförmigen Pralinen der "Mascletà Collection", deren Füllung zugleich cremig und knusprig, süß und sauer, schmelzend und prickelnd ist, sowie die "High-Techocolate", gefüllt mit einer Ganache aus Himbeer-, Safran- oder Yuzu-Tee-Aromen. "Dafür, dass wir spanischen Chocolatiers heute wieder Beachtung finden, dafür können wir uns bei den Köchen bedanken", sagt Balaguer. Der Schokoladenboom sei eine Folgeerscheinung der kometenhaft gestiegenen Reputation der spanischen Gastronomen, die in unkonventionelle Konzepte investieren.

Weltweit Seltenheitswert hat ein Restaurant, das nur Desserts serviert. Das Espai Sucre war zunächst als Dessert-Kochschule von Spaniens Vorzeige-Patissier Jordi Butrón gegründet worden. Weil aber nicht nur die Schüler und ihre Lehrer scharf auf die süßen Kreationen waren, wurde gleich nebenan ein intimes, sehr modernes Restaurant mit vanille- und schokofarbenen Wänden eröffnet. Hier bereitet Ricard Martinez, Ex-Schüler und Ex-Lehrer der Schule, täglich drei Dessert-Menüs zu, von denen eines nur aus Gerichten auf Schokoladenbasis besteht.

Da wird etwa eine Schokoschnitte auf einer gebackenen Teigbasis serviert, ein Schichtschokoladen-Basilikumschaum und ein geschichtetes Pumpernickel-Eis – das schmeckt so überraschend wie gut. Er habe eine Vorliebe für ungewöhnliche Kombinationen, gibt Ricard Martinez zu. "Hier, probieren Sie mal", sagt er, "man muss das selber auf der Zunge gehabt haben, um zu glauben, dass schwarze Trüffel und Schokolade wirklich zusammenpassen."

 
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