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Kuala Lumpur - Stadt der großen Kontraste

Ein bisschen Indien, ein bisschen China und ganz viel Malaysia: Kuala Lumpur lockt mit einer bunten Mischung der Kulturen und der Küchen.

 
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Stadt der großen Kontraste

Diese Straßenmusik hätte man nicht erwartet, jedenfalls nicht hier. Jünglinge mit Rasta-Locken hocken auf dem Bürgersteig, lassen ihre Didgeridoo-Blasinstrumente im uralten Klang des australischen Outbacks ertönen. Begleitet werden sie von Bongotrommlern und einem Mundharmonikaspieler, einem Rollstuhlfahrer mit langem, grauem Haar. Ein Hauch von gutem altem Hippie-Feeling liegt in der warmen Abendluft. Er mischt sich mit dem Geräusch der Autos, dem Duft von Curry und Kardamom, der aus offenen Restauranttüren strömt, und dem Gelächter der Mädchen, die an den Schaufenstern entlangflanieren.

Stadt der großen Kontraste

Freitagabend ist die richtige Zeit, um einen ersten Eindruck von Kuala Lumpur zu bekommen, und die Straßenkreuzung von Jalan Bukit Bintang und Jalan Sultan Ismail ist dafür der richtige Ort.

Die Gesichter dieser Großstadt spiegeln sich in den Gesichtern der Zuschauer, die einen Kreis um die Straßenmusiker gebildet haben: Geschäftsleute aus Australien im Anzug neben Touristen aus Europa in kurzen Hosen. Frauen, von Kopf bis Fuß in Schwarz gehüllt, nur ein Sehschlitz bleibt ausgespart, stehen neben Teenagern mit pinkfarbenen Frisuren nach japanischem Vorbild.

Malaien neben gebürtigen Chinesen neben gebürtigen Indern – vor allem diese drei Ethnien bilden das Volk von Malaysia und die 1,5 Millionen KLites, die Einwohner der Hauptstadt Kuala Lumpur.

Stadt der großen Kontraste

Der amerikanische Journalist Sam Coleman hat die ganze Welt bereist. „Kuala Lumpur ist genau der richtige Platz zum Leben und Arbeiten“, sagt er. „Das größte Kapital von KL ist die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Rassen. Sie sorgt für aufregende Möglichkeiten, in der Kunst und Architektur, in der Küche, einfach bei allem!“ Kuala Lumpur sei ein Mikrokosmos Asiens, wirbt das Malaysische Fremdenverkehrsamt. Gerade Asienneulingen falle der Einstieg in die fremde Welt leicht, weil in Malaysia, bis 1957 unter britischer Herrschaft, englisch gesprochen werde. Soweit die Theorie.

Für einen ersten Praxistest, bequemer geht’s kaum, braucht man an der Jalan Bukit Bintang nur in die Monorail einzusteigen. Auf hohen Betonstelzen führt sie in einem Halbkreis durch die Innenstadt, viele der Sehenswürdigkeiten liegen an der Strecke oder sind einen kurzen Spaziergang entfernt.

An der Haltestelle Bukit Nanas sind sie schon von Weitem zu bewundern: die Türme der Mineralölgesellschaft Petronas.
Mit 452 Meter Höhe sind die durch eine Brücke verbundenen Zwillinge zwar nicht mehr die höchsten Wolkenkratzer der Welt, aber die wohl schönsten.

Alle 32 000 Fenster sind von allen Seiten erleuchtet und angestrahlt, und so schimmern die Türme, als wären sie aus reinem Silber, majestätisch und filigran zugleich. Wie kein anderes Bauwerk symbolisieren die 1998 vollendeten Petronas-Türme den Anspruch Malaysias, ein moderner Industriestaat zu werden.

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„Es inspiriert mich, wenn ich zu den Türmen aufschaue“, so Mazlan Othman, Chefin der malaysischen Raumfahrtbehörde, die im Oktober 2007 einen Astronauten zur ISS-Raumstation ins All schickte. „Sie vermitteln mir die Botschaft, dass nichts unmöglich ist.“ In Kuala Lumpur sind die Fortschritte des Tigerstaates gut zu sehen, etwa bei einem Blick vom 421 Meter hohen Menara KL, dem Fernsehturm, der unweit der Petronas-Türme auf einem Hügel steht. Kuala Lumpur, das wird deutlich, ist eine moderne asiatische Stadt. Hochhäuser und Shoppingcenter, oft von chinesischstämmigen Investoren errichtet, wachsen im Stil der neuen Pekinger Wuchtigkeit in den Himmel und versiegeln immer mehr freie grüne Flächen mit Beton.

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Doch noch widersteht Kuala Lumpur städteplanerischem Größenwahn, gibt sich eher bodenständig und bescheiden – sogar in seiner guten Stube. Am Merdeka-Platz, einer Rasenfläche, auf der 1957 die Unabhängigkeit Malaysias ausgerufen wurde, weht Malaysias Fahne an einem imposanten Flaggenmast. Er misst rund 100 Meter und ist damit mehr als doppelt so hoch wie der Glockenturm des Sultan-Abdul-Samad-Gebäudes, das 1897 als Kolonialverwaltung in einem maurisch-orientalisch inspirierten Stil errichtet wurde.

Es macht keinen Sinn, darum herumzureden: Kuala Lumpur hat keine lange Liste von must-sees, und auch die Museen gehören nicht zur Spitze in Asien, obwohl das Museum für Islamische Kunst mit seinen mehr als 7000 Artefakten sehr wohl einen Besuch lohnt. Und dennoch ist Kuala Lumpur überhaupt nicht langweilig. Den Mikrokosmos Asiens findet man auch beim Spazierengehen, etwa beim Schlendern durch Chinatown. In Gassen rings um die Jalan Petaling stehen noch etliche der traditionellen Geschäftshäuser, der Laden im Erdgeschoss, darüber das Lager oder Büro. Der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt, doch Mörtel und Farbe haben einstige Bruchbuden bereits in rosafarbene, blaue oder gelbe Schmuckstücke verwandelt, in die kleine Restaurants, Boutiquen oder Designbüros ziehen.

Vorbei am Zusammenfluss des sandig-braunen Klang und des braun-sandigen Gombak, vorbei an der Jamek-Moschee mit ihren drei eleganten Kuppeln, führt der Spazierweg nach Little India.

Aus Videotheken dröhnen die Hits von Bollywood, in den Schaufenstern an der Tuanku Abdul Rahman glänzt es ganz massiv; Halsketten und Armreifen sind aus 916-er Gold und nicht nur Schmuck, sondern auch Wertanlage. Die Gerichte der Garküchen – Curries, Laksa-Suppen, Nasiemak-Reis und 1001 weitere Verführungen – haben eines gemein: Sie kosten weniger als zwei, drei Euro.

„Zu sagen, die KLites seien verrückt nach Essen, ist eine Untertreibung“, scherzt Sam Coleman. Am Bitang Walk stehen das Ritz-Carlton und das JW Marriott Hotel, in unmittelbarer Nähe zur Starhill Gallery. Im Untergeschoss der Shoppingmall bilden zwölf internationale Restaurants ein Feast Village. Wer möchte, kann quer durch die Speisekarten ordern, etwa Kimchi, Steak und Tiramisu.

Ähnlich kosmokulinarisch ist das Treiben in der Changkat Bukit Bintang. In der unscheinbaren Nebenstraße reiht sich Restaurant an Restaurant, sie locken die Gäste auf Schlemmertouren von Frankreich bis Brasilien, von Russland bis Bayern. Das schicke Frangipani serviert unter anderem warmen, teegeräucherten Lachs mit Confit, Kartoffeln, Crème Fraîche und Lachskaviar. Gerade junge KLites aus der wachsenden Mittelschicht sind hungrig nach solch einem „Feuerwerk des Geschmacks“, wie es die Speisekarte verspricht. Aber ihrer ersten heiß gekochten Liebe bleiben sie dennoch treu – und damit der deftigen Hausmannskost der Garküchen.

Gleich um die Ecke, in der Jalan Alor, haben die Stände und Straßenrestaurants bis spät in die Nacht geöffnet. Auf den Teller kommt die Küche Südchinas, Hühnerreis, Wantan-Nudeln oder Dim Sum, wie in den Garküchen in Hongkong. Nach ihrem Straßenmenü lassen sich die Flaneure ins Nachtleben treiben, das in KL bis zum Morgen dauern kann.

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Die Luna Bar auf der Dachterrasse eines 34-stöckigen Hotel- Apartmenthauses wäre auch in New York, Paris oder Berlin ein schicker Hit. Über dem Swimmingpool und den Sitznischen leuchten die Sterne, ringsumher funkelt die nächtliche Stadt. Doch halt, war es ein Cocktail zu viel, oder was ist mit den Petronas-Türmen geschehen?

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Zu sehen ist ja nur einer! Prost, und zugleich Entwarnung. Der Blickwinkel täuscht, natürlich sind sie beide da, schön wie eh und je: zwei prächtige Ausrufezeichen hinter dem Namen Kuala Lumpur.

 
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Tipps:

Petronas-Towers:
Architektonische Ausrufezeichen: Nach ihrer Fertigstellung 1998 galten die 452 Meter hohen Petronas-Towers in vielen Ranglisten als höchste Gebäude der Welt. Dass dieser Titel stark umstritten war (Kritiker wollten die mehr als 70 Meter lang aus den Dächern herausragenden Masten nicht mitzählen), kümmerte die stolzen KLites dabei nur wenig.

Info:
Petronas Towers: Petrona Twin Towers, Tel.: +60 320 511 320. Öffnungszeiten: Di-So 9-19 Uhr, für Freitagsgebet von 13-14.30 Uhr geschlossen. Eintritt: etwa 2,30 € ermäßigt 0,70 € (Skybridge), etwa 9 € ermäßigt 4,50 € (Skybridge und Aussichtsplattform). www.petronastwintowers.com.my

Skyline:
Kuala Lumpur will Hauptstadt eines modernen Industriestaats sein – und stellt dessen Leistungsfähigkeit jetzt im Stadtbild unter Beweis: Vor allem im Bankenviertel wächst ein Wolkenkratzer nach dem anderen in den Himmel.

Fernsehturm Menara KL:
Höher hinaus geht’s nicht mehr in Kuala Lumpur: Von der Aussichtsplattform des Menara KL blickt man sogar auf die eindrucksvollen Petronas-Towers hinab, der 421 Meter hohe Fernsehturm steht auf einem Hügel.

Info:
Menara KL: No. 2 Jalan Punchak, Tel.: +603 202 054 44. Öffnungszeiten: tgl. 9.30-21.30 Uhr. Eintritt: etwa 10 € für den Menara Park und die Aussichtsplattform (ermäßigt 6,80 €) www.menarakl.com.my

Shoppingmalls:
Auch in den zahlreichen Shoppingmalls zeigt Kuala Lumpur seinen Wohlstand. Ein Einkaufstempel der exklusiveren Art ist die Starhill Gallery, wegen ihrer vielen internationalen Restaurants gilt sie als beliebter Treffpunkt der aufstrebenden Mittelschicht von KL.

Batu-Höhlen:
Zwar stellen malaiische Moslems die Bevölkerungsmehrheit in Malaysia. Traditionell leben hier aber auch starke chinesische und indische Minderheiten, der Austausch verschiedener Kulturen hat das Land geprägt. Unweit vom Zentrum der Hauptstadt bewacht eine fast 43 Meter hohe Statue des Gotts Murungang die Batu-Höhlen, sie sind eine Pilgerstätte für Hindus aus ganz Asien.

Garküchen:
Für zwei, drei Euro kann man seinen Hunger unterwegs in einer der zahlreichen Garküchen stillen. Lust auf Chinesisch, Indisch, Malaysisch? Die kulturelle Vielfalt der Metropole macht sich auch in ihrem kulinarischen Angebot bemerkbar. Zu finden sind Straßenlokale beispielsweise in Little India, Chinatown oder im Viertel Kampung Baru.

 

Fotos: Corbis (3), LOOK-foto, Gerber/laif, Mauritius Images (2)

 
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