
Klitschkos Kiew
Sicher, Boxweltmeister Wladimir Klitschko lebt auch in Hamburg, Florida oder im Flugzeug, wie er selbst sagt. Aber erst wenn er nach Kiew kommt, geht ihm das Herz auf. Dann sieht er eine Stadt, in der die Zukunft hart mit der Vergangenheit ringt, dann will er helfen, wo er nur kann – und immer wieder seine Lieblingsplätze besuchen
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Der Sommer drückt seine letzte Schwüle durch die Straßen. Es ist heiß, nicht nur, weil die Röcke der Mädchen so unverschämt kurz sind. Kiew lächelt und der große Mann strahlt. „Ich bin Wladimir“, sagt Wladimir und gibt dir die Hand,
dass du froh bist, sie wiederzubekommen. Er ist ein freundlicher Mensch. Solltest du etwa geglaubt haben, Boxer seien tumbe Typen, die einen blutrünstig ins Koma prügeln, heute ist das alles
vergessen. Vor dir steht ein kluger Hüne, der Bücher, Kunst, und gute Sitten kennt und seinen Doktor in Sport gemacht hat; er fragt sogar höflich, wie es dir geht.
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Dr. Steelhammer knockt die Vergangenheit aus

Starke Geschichte! Im Jahr 2004 stand Wladimir Klitschko auf dem Platz der Unabhängigkeit und rief mehr als 200 000 Menschen zu: "Das Volk entscheidet und sonst keiner!"

Ein Strom, mit dem sich in der Stadt oft Ruhe breitmacht: Schon als Junge hat Wladimir im Dnepr gebadet. „Ich liebe diesen Fluss“, sagt er, „durch ihn wird Kiew gelassener.“ An manchen Stellen sind seine Ufer so weit voneinander entfernt, dass er das Kiewer Meer genannt wird

Zwei Fäuste und ein Halleluja: "Früher war ich Kommunist, der Glaube kam später. Marx meinte ja, Religion ist Opium fürs Volk", sagt Wladimir Klitschko. Auch beim Wiederaufbau des Michaelsklosters engagierte er sich
Tradition & Moderne

"Jetzt lebt Kiew sehr, sehr schnell", sagt Wladimir. Doch auch wenn mittlerweile ein Wolkenkratzer nach dem anderen entsteht: Wer – wie hier auf dem Souvenirmarkt – sucht, wird viele Orte finden, an denen die alte Ukraine weiter lebt

Wenn es den Einheimischen darum geht, ihren großen Drang nach Freiheit zu demonstrieren, kann das manchmal auf sehr verschiedene Art und Weise geschehen – etwa mit einem Bummel über den Chreschtschatik, der seinen Besuchern gerade am Abend ein wunderbar südländisches Flair vermittelt

Schwer und lecker – so beschreiben Kenner die ukrainische Küche. Wladimir Klitschko lädt seine Freunde zum Essen gerne auf das Schiff des Restaurants Khutorok ein, um ihnen Borschtsch, Kwas und Blinis aufzutischen
Fotos: Bernd Jonkmanns





