Thema des Monats - Landpartie

 

Lufthansa Highlights Reisebericht Mailand

 

Mailand Franciacorta – das Karaffenland

Eine Landpartie kann so schön sein: sanfte Hügel, bäuerliche Stille, ein paar wie mit dem Pinsel hingekleckste Dörfer und als blauer Farbtupfer der malerische Iseo-See. Herz, was willst du mehr? Die Franciacorta östlich von Mailand bietet Erholung für die Sinne. Und exzellente Weine.

 
top

Franciacorta – das Karaffenland

Der Name täuscht. Ca' del Bosco heißt zwar Waldhaus, aber es ist kein Haus im Wald, weil der Wald fehlt. Stattdessen liegt es eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, umgeben von einer lichten Gruppe knorriger Kastanien. Seine einst sattrote Fassade ist von der Sonne gebleicht; eine Zufahrtsstraße gibt es auch nicht. Wer weiß, über welche Feldwege die Besitzer ihr Heim erreichen.

"Früher waren wir nur am Wochenende hier", erzählt Maurizio Zanella. "Meine Mutter hat das Haus Mitte der sechziger Jahre gekauft, damit wir Kinder an die frische Luft kommen." Jeden Freitag fuhr die Mailänder Unternehmerfamilie in ihr abgelegenes und höchst romantisches Paradies, das damals einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb beherbergte. "Wir hatten Tiere und eine Kellerei, in der wir ein paar Flaschen Wein für den eigenen Konsum produzierten", erinnert sich Signor Zanella und lacht über die Frage, wie der Wein denn geschmeckt habe: "Nicht so gut wie heute!"

So riecht das GlückHängepartie: Ein Nashorn aus Fiberglas ziert die Produktionshallen des Weinguts Ca' del Bosco, auch Kunst gehört hier zum Konzept.

Lange Zeit war die Franciacorta kaum für ihren Weinanbau bekannt. Die idyllische Region südlich des Iseo-Sees und unweit von Brescia bietet andere Attraktionen: stille Dörfer mit mittelalterlichen Türmen und Burgen, trutzige Gehäfte, prächtige Patriziervillen und jede Menge Restaurants, die ohne Michelin-Stern-Ambitionen auch verwöhnte Gaumen zufriedenstellen.

Fabio Risii Patron der schlichten, schönen Trattoria del Gallo in Rovato (Via Cantine 10, Tel. +39-030/724 01 50, www.trattoriadelgallo.it), kann das erklären: "Unsere Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, auf den Märkten werden exzellente und ganz frische Grundprodukte geboten. Außerdem steht auf jedem der Höfe noch täglich die mamma am Herd und kocht mit Liebe und Sinn für Qualität. Wer hier ein Restaurant betreibt, muss sich viel Mühe geben, sonst hat er keine Chance."

Seine Trattoria befindet sich in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit wunderbar gekachelten Böden und gewölbten Decken. Die schweren Holztische sind weiß eingedeckt, im Keller lagern die besten Weine der Region.

So riecht das GlückDie Weine von Maurizio Zanella reifen in beleuchteten Eichenfässern, sie gehören zu den besten der Region.

Als Bestseller der Menükarte gilt der Manzo all'olio, ein mindestens drei Stunden in Öl geschmorter Rinderbraten, der so zart ist, dass er sich mit der Gabel zerteilen lässt. Das Fleisch stammt von einheimischen Rindern, groŸßgezogen in der Umgebung, verkauft in der Metzgerei Lancini in der reizenden Altstadt von Rovato, gleich neben der Kirche und nur einen Steinwurf von der Trattoria entfernt. Ein großer Viehmarkt hat das Städtchen berühmt gemacht, und obwohl er jetzt nur noch einmal im Jahr stattfindet, gilt Rovato als die Fleisch-Kapitale der Lombardei.

Auf der ovalen, mit Kopfstein gepflasterten Piazza Cavour ist davon nichts zu spüren. In einer Bar unter den Arkaden trinken zwei schicke Italienerinnen ihren Cappuccino, in den Läden an der schmalen Via Ricchino sind Schuhe von Marc Jacobs, Küchenwaren von Alessi und extravagante französische Düfte zu haben.

Doch während in den hübschen Geschäften wenig los ist, hat die Verkäuferin in der historischen Enoteca Bombardieri gut zu tun. Denn die Franciacorta ist Italiens jüngstes und trendigstes Anbaugebiet.

Den Anfang machten Familien wie die der Zanellas oder Berlucchis aus Brescia, die ihr Geld in der Stadt verdient hatten und die Franciacorta nur als Sommerfrische kannten. Sie entdeckten den Charme des Landlebens, den Spaß am Weinbau und die Genugtuung, ohne den Druck von Traditionen eine Kellerei aufziehen zu können.

So riecht das GlückAuf dem Markt von Rovato locken kleine Preise und eine große Käseauswahl. Berühmt geworden ist der Ort allerdings durch den Viehhandel, er gilt auch als lombardische Fleisch-Kapitale.

"Meine vier Brüder sind beruflich sehr engagiert, ich war die einzige, die Zeit hatte", erklärt Pia Berlucchi, warum gerade sie die Landwirtschaft der Urgroßeltern in ein modernes Weingut verwandelt hat. Zwar stammen weite Teile der Gebäude aus dem 14. Jahrhundert, und in den Kellergewölben sind Originalfresken aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Doch die Technologie ist auf dem neuesten Stand.

"Das mit dem Bauernwein ist eine Legende", sagt Tochter Tilli Rizzo Berlucchi, die zusammen mit ihrer Mutter das Weingut leitet, "den will niemand mehr trinken." Also produzieren sie Bollicine (Bläschen), einen Schaumwein, besser gesagt einen Franciacorta, den ersten italienischen brut, der ausschließlich im traditionellen Verfahren der Flaschengärung hergestellt wird. Und damit sind sie nicht alleine. Seitdem der Franciacorta 1967 die kontrollierte Ursprungsbezeichnung D.O.C. erhielt, hat sich die Zahl der Produzenten von anfänglich elf auf 90 erhöht, die Anbaufläche misst heute mehr als 2000 Hektar.

So riecht das GlückMit Hang zum guten Wein: Seitdem die Zahl der Winzer von elf auf 90 gestiegen ist, prägen Rebstöcke die Landschaft rund um Borgonato.

Die Landschaft hat sich dadurch deutlich verändert: Weinberge, wohin man blickt, und dazwischen teilweise extravagante Weingüter wie das der Schwestern Maddalena und Chiara Bersi Serlini. Sie ließen eine Mönchsherberge aus dem 10. Jahrhundert vom Stararchitekten Flavio Albanese um einen Holz- und Glasbau ergänzen und konnten ihren Namen anschließend ebenso oft in Architekturmagazinen wie Weinzeitschriften lesen.

So riecht das Glück
Wer Genuss und Erholung fernab ausgetretener Touristenpfade sucht, wird sich in der Franciacorta garantiert wohl fühlen und mit dem Hotel L'Albereta in Erbusco eine ländlich-luxuriöse Unterkunft finden


Nach wie vor schätzen vor allem Mailänder die grüne Idylle. Weit entfernt von jeglicher Großstadthektik und fernab aller ausgetretenen Tourismuspfade finden sie hier eine friedliche und wunderschöne Landschaft; dort leben Menschen, die wissen, was Lebensqualität bedeutet.

Wer an einem Wochenende in das ländlich-luxuriöse Hotel L'Albereta (Via Vittorio Emanuele 23, Erbusco, Tel. +39-030/ 776 05 50, www.albereta.it) kommt, trifft auf eine elegante Klientel, die sich tagsüber im hauseigenen Henri-Chenot-Spa verwöhnen lässt und am Abend im Restaurant von Starkoch Gualtiero Marchesi das berühmte Risotto mit Blattgold bestellt.

Albereta-Inhaber Vittorio Moretti erklärt, weshalb die Region so beliebt ist: "Meine Gäste suchen Entspannung, und sie sind sehr verwöhnt. Sie möchten sich nicht unter die Menschenmassen am Gardasee oder Comer See mischen, sondern suchen die unspektakuläre Idylle, die ihnen zugleich Ruhe und echten Genuss garantiert."

Sein Hotel steht im verwunschenen mittelalterlichen Dörfchen Erbusco, das malerisch auf einem Hügel thront. Besondere Merkmale dieser Beschaulichkeit: eine Handvoll Häuser, eine imposante Kirche, ein gut sortierter Kiosk, eine Eisdiele und eine hochpreisige Metzgerei.

Deutlich mehr bietet Iseo, vor allem wenn am dritten Sonntag im Monat die Antiquitätenhändler auf der Piazza Garibaldi antike Uhren, Möbel und Porzellan verkaufen. Doch auch an anderen Tagen ist das Städtchen am Ufer des Iseo-Sees einen Besuch wert; und sei es nur, um die schönen alten Häuser zu bewundern oder um bei Barbieri die neuen Modelle von Alberta Ferretti, Giorgio Armani oder Patrizia Pepe anzuprobieren.

So riecht das GlückDer Iseo-See bezaubert mit seiner unspektakulären Idylle, südlich des Gewässers wird der nach dem Anbaugebiet benannte Schaumwein Franciacorta hergestellt.

Am frühen Abend flaniert ganz Iseo die Uferpromenade entlang. Man diskutiert das Abendprogramm: zum Essen auf die lauschige Terrasse des Ristorante Palafreno unter der prächtigen Burg von Bornato (Via Basso Castello, Tel. +39- 030/725 44 84, www.ristorantepalafreno.com) oder ins trendige Dispensa Pani e Vini in Torbiato di Adro, das sehr moderne Restaurant von Starkoch Vittorio Fusari (Via Principe Umberto 23, Tel. +39-030/745 07 57, www.dispensafranciacorta.com).

Maurizio Zanella geht am liebsten ins Il Priore (Via Sala 70, Calino, Tel. +39-030/725 46 65, www.ilprioreristorante.it), ein entspanntes Ristorante in Rufweite seines Weinguts. Er hat sich architektonisch und technisch am weitesten vorgewagt und neben sein altes Waldhaus eine postmoderne Welle in die Hügel gesetzt und sie mit Hightech und zeitgenössischer Kunst ausgestattet. Das Weingut Ca' del Bosco heimst fleißig Preise ein, seine Weine zählen zu den besten und teuersten der Franciacorta.

"Es war schon immer mein Traum, wirklich erstklassigen und innovativen Wein zu produzieren", erzählt er beim Lunch auf der Terrasse des Restaurants, von dem man die ganze Region überblickt. "Was soll ich in Mailand?", fragt er und bestellt noch eine Flasche Cuvée Prestige, einen strohgelben, lebhaften und sanft prickelnden Franciacorta aus seiner Kellerei. "Sehen Sie selbst: Hier ist es doch viel schöner."

 
top

Tipps:

Ca’ del Bosco:
Von allen Weingütern der Franciacorta ist dies das spektakulärste. Modernste Technik, viel Kunst sowie Licht- und Farbspiele machen die weitläufige Kellerei auch für Nicht-Weinkenner sehenswert. Wer Franciacorta-Weine mag, wird hier einige der besten finden.

Info:
Ca’ del Bosco: Via Albano Zanella 13, Erbusco, Tel. +39-030/776 61 11, www.cadelbosco.com

Bersi Serlini:
Wie ein skandinavisches Design-Objekt liegt das Weingut direkt am Naturreservat Torbiere del Sebino: ein uraltes Gemäuer, modern ausgebaut und ausgesprochen schick gestaltet.

Info:
Bersi Serlini: Via Cereto 7, Provaglio d’Iseo, Tel. +39-030/982 33 38, www.bersiserlini.it

Fratelli Berlucchi:
Die Berlucchis gehören zu den ersten Weinfamilien der Franciacorta, ihr Weingut beeindruckt durch seine ganz eigene Schönheit: Hier wurden Alt und Neu gekonnt kombiniert, das Resultat mit rund 400 000 Flaschen pro Jahr kann sich sehen lassen.

Info:
Fratelli Berlucchi: Piazza Duranti 4, Borgognato di Corte Franca, Tel. +39-030/98 43 81, Öffnungszeiten der Keller: Mo-Fr 9.30-11, 14.30-17 Uhr. Besichtigungen nur mit Tour und nach vorheriger Anmeldung. www.berlucchi.it

Contadi Castaldi:
Wie jung und modern der Franciacorta-Betrieb in einer ehemaligen Ziegelbrennerei ist, macht sich sowohl bei einem Rundgang durch die Kellerei als auch beim Flaschen- und Etiketten-Design und bei den Weinen bemerkbar.

Info:
Contadi Castaldi: Via Colzano 32, Adro, Tel. +39- 030/745 01 26, www.contadicastaldi.it

Bellavista:
Im wohl bekanntesten und größten Weingut der Franciacorta werden über eine Million Flaschen Bollicine produziert, darunter auch sämtliche Sondergrößen, die – und darauf ist man besonders stolz – Stück für Stück per Hand gedreht werden.

Info:
Bellavista: Via Bellavista 5, Erbusco, Tel. +39- 030/776 20 00, www.bellavistawine.it

Strada del Vino Franciacorta:
Diese Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, den önogastronomischen Tourismus der Region zu fördern und zu unterstützen. Sie stellt Reiserouten und Packages zusammen, verleiht spezielle Navigationsgeräte mit GPS-System und vielfältigen Informationen.

Info:
Strada del Vino Franciacorta: Via Verdi 53, Erbusco, Tel. +39- 030/776 08 70, www.stradadelfranciacorta.it

 

Fotos: Martin Nink

 
top


Lufthansa Partnerangebote

Avis

Avis - Mietwagen weltweit zu attraktiven Preisen

Zu Avis

HRS

HRS Hotels - über 250.000 Hotels online buchen

Zu HRS

PLNR_739820246

Star Alliance